Mut zum Risiko: Niedrigzinsen bedrohen Stiftungen

Mut zum Risiko: Niedrigzinsen bedrohen Stiftungen

Die Deutschen sind Meister beim Gründen von Stiftungen. Aber besonders die kleinen Stiftungen leiden unter der Niedrigzinsphase. Sie müssen weg von der konservativen Geldanlage.

Die Deutschen lieben Stiftungen: Jeden Tag gründen sie zwei neue. Mehr als 19.000 Stiftungen gibt es bereits bundesweit. „Sie werden von ihren Zwecken immer vielfältiger“, sagt der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Professor Hans Fleisch. „Aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen werden immer zeitnaher auch umgemünzt in Stiftungszwecke.“ Allerdings machen die niedrigen Zinsen vielen - wenn auch nicht allen - Stiftungen das Leben schwer. Die großen Stiftungen haben Vermögenserträge aus Unternehmensbeteiligungen, Aktien - oder sogar Wald, der als traditioneller Vermögensanteil gilt. Das geht zurück bis ins Mittelalter, als zum Beispiel Häuser oder Wälder gestiftet wurden. Die großen Stiftungen in Deutschland haben mehr als 100 Millionen Euro Kapital zur Verfügung und sind relativ unabhängig vom Zinssatz.

Die größten Stiftungen in Deutschland

  • Robert Bosch Stiftung GmbH

    In Deutschland gibt es fast 20 000 rechtsfähige Stiftungen. Mit einem Vermögen von 5,1 Milliarden Euro ist die Robert Bosch Stiftung GmbH die größte Stiftung Deutschlands.

  • Dietmar-Hopp-Stiftung gGmbh

    Die Dietmar-Hopp-Stiftung gGmbh, die seit 1995 Projekte aus den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung fördert, verfügt über ein Vermögen von 4,3 Milliarden Euro.

  • Else Kröner-Fresenius-Stiftung

    Mit einem Vermögen von 4,2 Milliarden Euro landet die 1983 gegründete Else Kröner-Fresenius-Stiftung auf Platz drei. Die Stiftung fördert Medizin- und Forschungsprojekte.

  • Klaus Tschira Stiftung gGmbH

    Die Klaus Tschira Stiftung wurde 1995 von dem Physiker Dr. h.c. Klaus Tschira gegründet. Sie gehört zu den größten gemeinnützigen Stiftungen Europas und besitzt ein Vermögen von drei Milliarden Euro.

  • VolkswagenStiftung

    Die VolkswagenStiftung hat ein Vermögen von 2,6 Milliarden Euro, mit dem sie Forschungsprojekte aus den Bereichen Wissenschaft und Technik fördert.

  • Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

    Die Baden-Württemberg Stiftung besitzt 2,2 Milliarden Euro, die in die Förderung verschiedener Projekte des Landes investiert werden.

  • Deutsche Bundesstiftung Umwelt

    Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ist mit einem Vermögen von zwei Milliarden Euro die siebtgrößte Stiftung in Deutschland und fördert innovative Projekte zum Umweltschutz.

  • Joachim Herz Stiftung

    Die Joachim Herz Stiftung hat ein Vermögen von 1,3 Milliarden Euro und engagiert sich regional, national und international im Bereich der Berufsbildung und Berufsvorbereitung für Jugendliche und junge Erwachsene.

  • Software AG-Stiftung und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Sowohl die Software AG-Stiftung als auch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung besitzen ein Vermögen von 1,1 Milliarden Euro, weshalb beide den neunten Platz im Ranking der größten deutschen Stiftungen belegen. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung verwaltet das Familienvermögen und Erbe der Familie Krupp, während die Software AG-Stiftung verschiedene soziale Projekte aus den Bereichen Erziehung und Bildung
    sowie Wissenschaftsförderung unterstützt.

Anders sieht es bei den kleinen Stiftungen aus, die stärker von Zinseinnahmen auf klassische Wertpapiere abhängig sind. Dementsprechend stark spüren sie auch die Auswirkung der Zinskrise. Zwei Drittel aller Stiftungen in Deutschland verfügen über ein Kapital von bis zu einer Million Euro und zählen damit zu den kleinen Fischen. Weil viele dieser Stiftungen sehr risikoscheu investieren, fallen ihre Erträge seit Jahren immer geringer aus. Dabei ist im Stiftungsrecht gar nicht vorgeschrieben, wie sie investieren sollen. Sie müssten also nicht auf schlechtverzinste Bonds ausweichen. Laut Stiftungsrecht muss lediglich das einmal gestiftete Grundvermögen erhalten bleiben, damit die Stiftung ihre Anerkennung und ihre Steuervorteile behält. Auch Kunstgegenstände, Immobilien oder die bereits erwähnten Ländereien bleiben im Normalfall im Besitz der Stiftung.

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Damit sie ihr Vermögen erhalten und mit den Zinsen soziale Projekte unterstützen können, müssen sie weg von der konservativen Geldanlage und größere Risiken eingehen. Die kleinen trauen sich da nicht so recht ran, wie Stiftungsexperten des Verbandes sagen. Bei den großen Stiftungen übernehmen ganze Finanzabteilungen die Aufgabe der Geldanlage, streuen Risiken und diversifizieren die Geldanlage. Banken raten gerade kleinen Stiftungen deshalb zu Mischfonds, die ihnen die Arbeit abnehmen. Wichtig ist hierbei, dass die Fonds den Kapitalerhalt zum Ziel haben, das Vermögen über mehrere Asset-Klassen streuen und regelmäßig ausschütten. Manche Finanzberater und Banken haben sogar eigene Finanzprodukte für kleine Stiftungen im Angebot, die Mischfonds sehr ähnlich sind. Diese Stiftungs-Stiftungsfonds sind allerdings auch kein Garant für erfolgreiches Investieren, sie können wie jede andere Geldanlage auch Verluste machen.

Trotzdem ist es besser, den Gang zum unabhängigen Finanzberater und ein bisschen Risiko zu wagen, als letztlich kein Geld zur Verfügung zu haben, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, was ja das Grundmotiv hinter einer Stiftung sein soll.

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