Nach der Pleite: Lokale Netzbetreiber ziehen bei Prokon-Kunden den Stecker

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Nach der Pleite: Lokale Netzbetreiber ziehen bei Prokon-Kunden den Stecker

von Henryk Hielscher

Die vorläufige Insolvenz des umstrittenen Windanlagen-Finanzierers Prokon hat nicht nur Folgen für Anleger sondern auch für Hunderte Stromkunden. Die ersten Netzbetreiber kappen die Verträge.

Bislang standen bei der vorläufigen Insolvenz von Prokon vor allem die Konsequenzen für die rund 75.000 Anleger des Unternehmens im Vordergrund. Sie haben insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro in  Prokon-Genussscheine investiert. Doch auch für Tausende Stromkunden könnte die Insolvenz des Windanlagen-Finanzierers Folgen haben. Nach Angaben von Prokon beziehen rund 55.000 deutsche Haushalte Strom von Prokon. Sie haben das Unternehmen der „Belieferung/Versorgung mit Strom“ beauftragt und überweisen ihre monatlichen Abschlagszahlungen direkt an die Prokon-Kerngesellschaft, die am Mittwoch vergangener Woche Insolvenz angemeldet hat. 

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Das Problem: Bei der Stromlieferung an Endkunden ist Prokon auf die örtlichen Stromnetzbetreiber angewiesen. Doch nach dem Insolvenzantrag von Prokon ziehen die ersten Betreiber jetzt offenbar den Stecker. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur teilte auf Anfrage mit, dass „Netzbetreiber erste Konsequenzen gezogen“ hätten.

Insolvenz angemeldet Der Traum der Prokon-Anleger ist zerplatzt

Die Befürchtungen der Anleger sind wahr geworden, Prokon musste Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter will den Geschäftsbetrieb zunächst fortführen. Was als nächstes passiert und welche Rechte Anleger haben.

Das Logo des Itzehoer Unternehmens. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

So verweigert der Netzbetreiber TEN Thüringer Energienetze Prokon schon seit dem 17. Januar  den Netzzugang. 1.200 Kunden sollen von der Netzkappung in Thüringen betroffen sein. Auch in Köln kündigte der Netzbetreiber, die Rheinenergie-Tochter Rheinische NetzGesellschaft, jetzt die Verträge. 350 Prokon-Kunden sind hier betroffen. Auch der lokale Netzbetreiber Freitaler Strom und Gas GmbH aus Sachsen arbeitet nicht mehr mit Prokon zusammen.

Weitere Netzbetreiber könnten folgen, sofern es dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin nicht gelingt, die bisherigen Geschäftspartner etwa durch die Gewährung weiterer Sicherheiten von dem Schritt abzuhalten. Entsprechende Sicherheiten, die dem Vernehmen nach auch in den Verträgen zwischen Prokon und den Netzbetreibern vorgesehen sind, will nun etwa EnBW einfordern. Zu möglichen Kündigungen wollten sich die großen Netzbetreiber gegenüber wiwo.de jedoch nicht äußeren. Allerdings hatten die großen Netzbetreiber auch bei der  Pleite des Anbieters Flexstrom erst nach einigen Tagen die Geschäftsbeziehung beendet.

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Für den vorläufigen Insolvenzverwalter wird es damit schwieriger, den Geschäftsbetrieb wie geplant aufrecht zu erhalten. Nach Angaben Penzlins müssen Gutachter erst prüfen, ob für Prokon überhaupt rechtlich zwingende Insolvenzgründe vorliegen. Zumindest im Bereich Stromversorgung werden durch das Verhalten der Netzbetreiber jedoch Fakten geschaffen.

Für die Verbraucher hält sich der Schaden in Grenzen. Kündigt ein Strombetreiber die Verträge mit Prokon, gehen bei den betroffenen Kunden nicht die Lichter aus. Sie fallen vielmehr in die Ersatzversorgung und müssen ihren Strom wieder bei ihrem sogenannten Grundversorger – meist die örtlichen Stadtwerke -  bezahlen. Die entsprechenden Tarife dürften in der Regel jedoch höher liegen als die Prokon-Angebote. Allerdings können die Kunden auch zu einem neuen Anbieter wechseln.

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