Nach Franken-Freigabe : „Zweites Weihnachtsgeschäft“ in Grenzregion

Nach Franken-Freigabe : „Zweites Weihnachtsgeschäft“ in Grenzregion

Lange Schlangen an den Kassen und Stau - nach der Freigabe des Franken ziehen deutsche Grenzregionen viele Schweizer an. Der Einzelhandel brummt. Aber nicht alle sehen die Folgen für die Wirtschaft positiv.

Unmengen an Lebensmitteln stapeln sich im Einkaufswagen eines Ehepaars aus Basel. Die Schweizer sind zum Shoppen in das baden-württembergische Grenzstädtchen Weil am Rhein gefahren. Etwa 300 Franken würden sie in der Schweiz dafür bezahlen, in Deutschland rund 150 Euro. „Ich wär doch ein Löli“, meint die Frau - was im Deutschen so viel wie Tölpel heißt - wenn sie es nicht täte. Schon seit 2003 kaufen viele Schweizer in der Grenzregion in Deutschland ein, weil es für sie billiger ist. Doch nach der Freigabe des Schweizer Franken ist das Einkaufen nochmal günstiger geworden. Angelockt durch diese Tiefstpreise kamen am Samstag Tausende Schweizer über die Grenze.

In das Rhein-Center in Weil am Rhein kommen laut Center-Manager Günther Merz täglich etwa 34 000 Menschen. Nach eigenen Auswertungen sind davon mehr als 60 Prozent Schweizer. Der Rest sind Franzosen und Deutsche. Am Samstag drängten die Menschen in das große Einkaufscenter. Viele Einkaufswägen waren brechend voll. An den Aufzügen bildeten sich lange Schlangen.

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Auch in Konstanz brummt am Wochenende der Einkaufstourismus. Im Shoppingcenter Lago sagt Manager Peter Herrmann, viele Kunden nutzten nun die Gelegenheit, um beispielsweise Vorräte aufzustocken - so wie eine Familie, die 24 Liter Milch auf einmal gekauft habe.

Franken Freigabe SNB-Chef Jordan verteidigt Entscheidung

Der Chef der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, hat die Entscheidung zur Freigabe des Franken verteidigt. Die Reaktionen der Märkte betrachtet er als überzogen. Der Mindestkurs sei immer nur eine Ausnahme gewesen.

huGO-BildID: 41195161 ARCHIV - Thomas Jordan, President of the Swiss National Bank, SNB, speaks during a media conference in Zurich, Switzerland, 15 January 2015. The euro dropped to its lowest level since November 2003 on 15 January 2015, after the Swiss central bank announced that it would give up its minimum exchange rate of 1.20 Swiss francs per euro. Photo: EPA/WALTER BIERI (zu dpa "Schweizer Nationalbankpräsident verteidigt Franken-Freigabe" vom 17.01.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Die Schweizer Nationalbank hatte am Donnerstag völlig überraschend die seit 2011 geltende Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgehoben. Die Schweizer Währung legte danach zum Euro deutlich zu. Für Schweizer sind damit in Euro gehandelte Waren erheblich billiger.

Center-Manager Merz in Weil am Rhein rechnet damit, dass in nächster Zukunft noch mehr Schweizer nach Deutschland zum Einkaufen kommen. „Ich bin aber gespannt, wie der Schweizer Handel darauf reagiert“, meint er. Der Geschäftsmann befürchtet, dass in Zukunft die wirtschaftliche Lage in der Schweiz gefährdet sei. „Und dann trifft es uns wieder, das könnte ein Bumerang werden.“

Auch Baden-Württembergs Wirtschaftsminster Nils Schmid (SPD) sieht nicht nur positive Folgen für die Wirtschaft im Südwesten. Er sagte den „Stuttgarter Nachrichten“, die Aufwertung des Franken werde die Wirtschaft „doch eher belasten als begünstigen“. Einzelhandel und Gastronomie könnten sich freuen - Waren und Dienstleistungen von Zulieferern aus der Schweiz würden aber erheblich teurer.

In Weil am Rhein, nicht weit entfernt von Basel, warten Schweizer Einkäufer auch an einem Zeitschriftenladen in einer langen Schlange. Da viele Bankautomaten keine Euros mehr ausgeben, werden dort Franken gewechselt. Am frühen Morgen konnten noch 250 Euro umgewechselt werden, wenige Stunden später wurde der Betrag auf 150 Euro begrenzt. „Wir haben jetzt um 12 Uhr schon fast keine Euro-Scheine mehr“, berichtete eine Verkäuferin.

Franken-Schock Schweizer Börse weiter im Crash

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Die Schweizerische Nationalbank, SNB, in Bern. Quelle: dpa

Im Lebensmittelhandel „Marktkauf“ herrscht Großbetrieb an den Kassen. Laut Marktleiter Ingo Haller sind rund 300 Mitarbeiter im Schichtbetrieb, um den Ansturm zu bewältigen. „Das ist jetzt ein zweites Weihnachtsgeschäft für uns“, freut er sich. Die Schweizer hinter ihm warten darauf, dass die Formulare für die Mehrwertsteuererstattung ausgedruckt werden. Am angrenzenden Zoll bekommen die Einkäufer dann die Mehrwertsteuer erstattet. Durch diesen Umstand wird es für die Schweizer Kunden nochmal günstiger, in Deutschland einzukaufen.

Vor dem Gebäude indes stauen sich die Autos. Obwohl die Basler Verkehrsbetriebe zusätzliche Trams zwischen Basel und Weil eingesetzt haben, kamen viele Kunden mit dem Auto. Für die Einheimischen ist es Normalität geworden. „Jedes Wochenende rollt eine Blechlawine durch Weil, da bleibt man am Besten zu Hause“, berichtet ein Anwohner.

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