Nach Manipulationsskandalen: EU-Börsenaufsicht soll Libor überwachen

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Nach Manipulationsskandalen: EU-Börsenaufsicht soll Libor überwachen

Manipulationen des wichtigen Interbanken-Zinssatzes hatten hohe Wellen geschlagen. Jetzt soll die ESMA die Indizes überwachen. Das ist aber nicht mehr als eine Übergangslösung.

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Die Türme des Finanzdienstleisters Citigroup (v.l.), des Bankinstituts HSBC und der Ratingagentur Fitch im Finanzdistrikt in London. Als Konsequenz aus den Manipulationsskandalen um die Referenz-Zinssätze Libor und Euribor soll nun die ESMA eingeschaltet werden.

Die EU-Börsenaufsicht ESMA in Paris soll künftig Manipulationen des wichtigen Interbanken-Zinssatzes unterbinden. Der für den Finanzmarkt zuständige EU-Kommissar Michel Barnier will nach einem noch unveröffentlichten Gesetzentwurf alle bedeutenden Indizes von der ESMA überwachen lassen.

Dazu dürften neben dem Libor (London Interbank Offered Rate) auch der Euribor, aber etwa auch Öl-Indizes gehören. Damit würde Barnier dem europaweit wichtigsten Finanzplatz London die Aufsicht entziehen. Dort ist überhaupt erst seit April eine Behörde für die Überwachung des Libor zuständig. Bis dahin war er unkontrolliert von einer Bankenvereinigung ermittelt worden.

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"Wann immer Indizes für mehr als einen Mitgliedstaat von Bedeutung sind, (...) wird die Genehmigung und Überwachung am effektivsten von der ESMA ausgeführt", heißt es in dem Entwurf. Das Gesetz dürfte aber erst im nächsten Jahr in Kraft treten, da das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten zustimmen müssen.

Schon vorher regt sich in London Widerstand: Die Chefin des Wirtschaftsausschusses im EU-Parlament, die Britin Sharon Bowles, bezeichnete Barniers Vorstoß als "Einmischung". "Es gibt viele Empfindlichkeiten, was direkte Aufsicht angeht", sagte sie am Donnerstag.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

16 internationale Institute beteiligen sich an der Feststellung des Libor, auf dem unzählige Wertpapier-Geschäfte basieren. Sie schätzen dabei, zu welchen Konditionen sie sich von anderen Banken Geld leihen können. Dieses Vorgehen ist aber anfällig für Tricksereien.

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