Nachfolge von Ben Bernanke: Janet Yellen soll US-Notenbankchefin werden

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Nachfolge von Ben Bernanke: Janet Yellen soll US-Notenbankchefin werden

US-Präsident Barack Obama will Fed-Vizechefin Janet Yellen heute offiziell zur Bernanke-Nachfolgerin berufen. Sie wäre die erste Frau an der Spitze der Fed. Der Aktienmarkt reagierte bereits positiv auf die Personalie: Yellen wird eine "Vorliebe fürs Gelddrucken" nachgesagt.

Die US-Notenbank (Fed) soll erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet werden. US-Präsident Barack Obama will Fed-Vizechefin Janet Yellen an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt berufen, wie das Präsidialamt mitteilte. Obama werde seine Entscheidung an diesem Mittwoch (21.00 Uhr MESZ) im Weißen Haus bekanntgeben. Dabei soll auch Fed-Chef Ben Bernanke anwesend sein, der den Posten nach seiner zweiten vierjährigen Amtsperiode Ende Januar abgeben wird.

Am Aktienmarkt sorgte die geplante Nominierung Yellens für positive Reaktionen. Der Terminkontrakt auf den US-Börsenindex S&P-500 legte zu. Yellen steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik Bernankes. Ihr fällt die schwierige Aufgabe zu, angesichts der wirtschaftlichen Erholung die üppigen Konjunkturhilfen der Fed allmählich zurückzufahren. Mit einer entsprechenden Entscheidung Bernankes war weithin bereits für September gerechnet worden. Doch bislang war der Notenbank die Belebung nicht stark genug, um ihre massiven Wertpapieraufkäufe zu drosseln.

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"Gott sei Dank ist es Yellen"

Die Berufung Yellens kommt in einer innenpolitisch sehr angespannten Phase. Die Verwaltung steht teilweise still, weil sich Obamas Demokraten und die Republikaner nicht auf einen Haushalt einigen konnten. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht - und die Uhr tickt: Bis zum 17. Oktober müssen sich die Abgeordneten auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, sonst droht die Zahlungsunfähigkeit. "Gott sei Dank ist es Yellen, die unter den gegenwärtigen Umständen nominiert wird", sagte Anlagemanager Dan Fuss von Loomis Sayles in Boston. Die Personalentscheidung bedeute eine Unsicherheit weniger für die bereits sehr nervösen Märkte. "Einen Kurswechsel bei der Notenbank könnten wir gerade jetzt nicht gebrauchen." Auch die Analystin Annette Beacher von TD Securities in Singapur sprach von einer guten Nachricht für die Börsen. Mit Yellen werde die erwartete geldpolitische Drosselung wahrscheinlich frühestens im März beginnen.

"Vorliebe fürs Gelddrucken"

Nach dem überraschenden Verzicht des früheren Finanzministers Lawrence Summers galt Yellen als Top-Favoritin für die Bernanke-Nachfolge. Die 67-jährige frühere Professorin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin, die für eine höhere Beschäftigung einen moderaten Anstieg der Teuerung in Kauf nimmt. Ihr wird jedoch nachgesagt, keinen engen Draht zum Präsidialamt zu haben.

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Yellens Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden. Dies gilt als wahrscheinlich, da Obamas Demokraten in der Parlamentskammer die Mehrheit haben. Anders als Summers hat Yellen starke Unterstützung von den Demokraten erhalten. Unter den Republikanern herrscht dagegen größere Skepsis. Viele befürchten, dass die extrem laxe Geldpolitik der Fed zu Blasen an den Märkten führen und die Inflation in ungewollte Höhen treiben könnte. In Bernankes Ägide sanken die Zinsen auf historisch niedrige Stände, während die Aktienkurse auf Rekordhöhe stiegen. Der republikanische Senator Richard Shelby aus Alabama sagte, ihn sorge Yellens "Vorliebe fürs Gelddrucken".

Die künftige Fed-Präsidentin tritt in große Fußstapfen. Auf dem Chefsessel der US-Notenbank saßen bereits solch illustre Persönlichkeiten wie Paul Volcker und Alan Greenspan. Yellen ist eine anerkannte Ökonomin, die sich intensiv mit Theorien der Geldpolitik befasste. Sie studierte in Yale und lehrte mehr als ein Jahrzehnt in Berkeley. Von 1994 bis 1997 gehörte sie erstmals der Fed-Spitze an, bevor sie Chefin der Wirtschaftsberater des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton wurde. Später leitete Yellen die Fed von San Francisco. Sie trug wesentlich dazu bei, die Kommunikation der Notenbank mit den Finanzmärkten klarer und präziser zu machen.

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