Nachhaltige Geldanlage: Ist wirklich drin was draufsteht?

KommentarNachhaltige Geldanlage: Ist wirklich drin was draufsteht?

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Nur weil es grün ist, muss es das nicht sein.

Wir brauchen ein Qualitäts-Siegel für nachhaltige Geld-Anlagen, fordert Jutta Rabe, Diplom-Volkswirtin, Vorstand Fairshare-Verein zur Erforschung nachhaltiger Finanzmodelle.

Jedes Auto braucht in Deutschland einen TÜV-Stempel, jeder Haartrockner das CE-Abzeichen und bei Lackfarben hat sich der ‚blauen Engel’ beim Konsumenten als Gütesiegel  inzwischen fest etabliert, doch wenn es um nachhaltige Anlagen bei unserem Geld geht, kann keiner prüfen, ob wirklich drin ist, was draufsteht.

Dabei möchten so viele Menschen ihr Geld  nachhaltig anlegen. Wenn es schon kaum noch Zinsen gibt, dann möchte man wenigstens mit seinem Geld eine gesunde Umwelt erhalten, die Energiewende vorantreiben und fairen Handel fördern. Die neuesten Zahlen zeigen den Trend deutlich: 47% Zuwachs im letzten Jahr bei den nachhaltigen Kapitalanlagen auf ein Rekordhoch von 197,5 Milliarden Euro, angelegt in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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Da kann man nicht mehr von ‚Peanuts’ sprechen und umso wichtiger erscheint hier die Notwendigkeit klarer Regeln. Doch es geht schon los bei einer einheitlichen und vor allem verbindlichen Begriffsdefinition. Eine neue Studie der Evangelischen Forschungsgemeinschaft FEST fand heraus, das sogar Ratingagenturen und Indizes, die von sich behaupten nur nachhaltige Finanzanlagen zu bewerten, weit davon entfernt sind, dies transparent zu tun und einem verbindlichen Standard zu unterwerfen.

Was ist eigentlich nachhaltig? Ist eine Geldanlage auch dann noch nachhaltig, wenn zum Beispiel Nachhaltigkeitsfonds Teile der angelegten Gelder in Landwirtschafts-Projekte investieren, bei denen Arbeiter als Tagelöhner beschäftigt und bezahlt werden, bei denen Saatgut des US-Unternehmens Monsanto benutzt wird oder die auch Brand-Rodungen zur Gewinnung von Farmland nutzen? Kann man unbedenklich sein Geld in Offshore Windparks stecken, deren Strom nicht verteilt werden kann, weil unsere Politiker die Weiterleitungs-Trassen versäumt haben oder kann man Geld Fonds anvertrauen, die in technische Entwicklungen investieren, die vorwiegend militärisch genutzt werden?

Besagte Studie, hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt und fast die gängige Definition so zusammen: „das nachhaltige Investment umfasst ökologische, soziale

und ethische Kriterien unter Einbeziehung ökonomischer Gesichtspunkte“.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Soweit so gut. Doch mit welcher Gewichtung diese Aspekte in eine Bewertung einfließen und welchem Rang sie vor den klassischen Kriterien wie Sicherheit, Rentabilität und Liquidität bewertet werden, wird von den Ratingagenturen entweder gar nicht oder nur lückenhaft offengelegt und auch Indizes arbeiten mit selbst gewählten Kriterien und obendrein mit komplizierten Berechnungs-Szenarien, die sich häufig von den undurchsichtigen Finanzprodukten traditioneller Machart nicht sehr unterscheiden.

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Die Forscher der FEST fassen in ihrer Studie ihr Ergebnis so zusammen: Vorsicht, es ist nicht immer drin was draufsteht. Wir brauchen dringend den ‚blauen Engel’ für nachhaltige Finanzprodukte und das am besten europaweit und erteilt von einer unabhängigen staatlichen Stelle. Einem Anleger muss garantiert werden können, dass ein bestimmtes Anlage-Produkt einem unabhängigen Gremium zur Beurteilung vorgestellt wurde, welches sich in seinen Zertifizierungs-Kriterien nach einer rechtsverbindlichen Definitionen des Begriffes ‚Nachhaltigkeit’ richtet.

Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Bemühungen von unterschiedlichsten Organisationen mit eigenen Siegeln eine gewisse Transparenz für den Anleger zu schaffen, ein wirklich flächendeckend verbreitetes und allseits akzeptiertes Siegel hat sich dabei allerdings noch nicht etablieren können. Vielmehr wird es für den Anleger zunehmend schwieriger, zwischen den einzelnen am Markt vertretenen Siegeln zu unterscheiden.

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Daher kommen die Forscher zu folgender Handlungsempfehlung:

1. Festlegung eines Kriterienkatalogs mit Ausschluss- und Positivkriterien für Anlageprodukte durch ein unabhängiges Expertengremium.

2. Einrichtung einer öffentlich-rechtlich organisierten Vergabestelle, die sich für die Festlegung der Bedingungen und Kriterien sowie die auf Auftrag stattfindende Vergabe des Siegels verantwortlich zeichnet.

3. Beauftragung einer externen Prüfeinrichtung durch die Vergabestelle zur Durchführung der Überprüfung von Finanzmarktprodukten auf Basis des Kriterienkatalogs.

4. Berufung eines unabhängigen Expertengremiums durch die Vergabestelle, das auf Grundlage der durchgeführten Überprüfung entscheidet, ob das Siegel „nachhaltiges Finanzmarktprodukt“ für eine bestimmte Dauer vergeben wird.

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