Nachhaltige Geldanlage: Nicht alle grünen Anleihen sind wirklich grün

Nachhaltige Geldanlage: Nicht alle grünen Anleihen sind wirklich grün

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Grüne Bonds boomen, nur sehen Anleger selten, wie ihr Geld verwendet wird.

von Sebastian Kirsch

Grüne Anleihen sollen Rendite bringen und die Umwelt schützen. Anleger können aber nicht immer erkennen, wohin ihr Geld fließt - und was grün überhaupt bedeutet. Manche Anleihen mutieren sogar zur Marketingaktion.

Weltbank-Chef Jim Yong Kim hat ordentlich die Werbetrommel gerührt – und sein Ziel mehr als erreicht: „Wir sollten den Appetit der Investoren auf grüne Anleihen nutzen und versuchen, den Markt zu verdoppeln“, sagte er beim Weltwirtschaftsforum 2014 in Davos. Bis 2015, so das Ziel, sollten weltweit 50 Milliarden Dollar in Green Bonds investiert werden – Anleihen für saubere Projekte, vom Bau erneuerbarer Energieparks über Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen bis zur energieeffizienten Renovierung von Konzernzentralen. Das Weltbank-Ziel dürfte in diesem Jahr mit 100 Milliarden Dollar sogar übertroffen werden, zeigt eine Studie der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Wer solche Anleihen herausgibt, soll die eingesammelten Gelder nur für ökologisch korrekte Projekte einsetzen. Das Problem: Was korrekt bist, definieren allein die Emittenten. Verpflichtende Vorgaben dazu existieren bislang nicht. Bis heute platzierten Banken und Unternehmen 349 Anleihen, einige auch mit kleineren Mindestanlagesummen für Privatanleger. 2014 gab es einen regelrechten Angebotsschub, der Markt wuchs von unter zwei Milliarden Dollar 2011 auf 37 Milliarden 2014.

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„Mit Green Bonds können Investoren in Anleihen investieren und gleichzeitig nachhaltige Projekte unterstützen“, sagt Mirko Gerhold, Green-Bond-Experte der Commerzbank. Denn die grünen Anleihen der Institute bieten üblicherweise die gleichen Konditionen wie ihre regulären Anleihen. Emittenten wie die Weltbank oder die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau haben Staaten im Rücken und mit einem Kreditrating von Triple-A gelten sie als besonders ausfallsicher. „Die Rendite ist meist wie bei normalen Anleihen an die Bonität der Emittenten geknüpft“, sagt Gerhold. „Nur bei wenigen der Anleihen, etwa Green Project Bonds, sind Bonität und Rendite direkt abhängig von der Entwicklung eines bestimmten Projektes wie Windparks oder Solaranlagen.“

Wünsche und Empfehlungen

Noch darf sich theoretisch jede Anleihe Green Bond nennen. Es existieren lediglich freiwillige Kriterien, die festlegen, wie Gelder investiert werden sollen. Eine Interessengemeinschaft von aktuell 84 Banken, Investmentfonds und Unternehmen hat in den sogenannten Green Bond Principles Standards definiert. Zum Beispiel sollen:

  • Einnahmen der Green Bonds, unabhängig vom Firmenvermögen, in einem Sonderkonto verwaltet werden,
  • Emittenten mindestens einmal im Jahr berichten, welche Projekte sie finanzieren,
  • und externe Agenturen in einer zweiten Meinung („Second Opinion“) überprüfen, ob Emittenten sich an die Green Bond Principles halten – und welchen Einfluss ihre Projekte auf die Umwelt haben.

„Die Green Bond Principles fördern Transparenz als Grundlage für die Bewertung der Nachhaltigkeit dieser Anleihen“, sagt Commerzbanker Gerhold. Sein Institut ist Mitglied der Interessengemeinschaft, ebenso die Deutsche Bank, der Konsummulti Unilever oder der französische Versorger EDF. Externe Überprüfungen sind aber noch nicht die Regel. Bei 38 Prozent aller seit 2007 ausgegebenen Grünanleihen gab es keine Second Opinion, die üblicherweise von Forschungsinstituten und Agenturen wie Cicero oder Oekom ausgestellt werden. „Solch ein Ökorating ist wichtig, um die Nachhaltigkeit der Projekte überprüfen zu können“, sagt Jürgen Kurz von der Anlegerschutzvereinigung DSW.

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