Negative Folgen für den Dax: Chinas Immobiliencrash ist in vollem Gange

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Negative Folgen für den Dax: Chinas Immobiliencrash ist in vollem Gange

von Frank Doll

Warnungen vor einem Immobiliencrash in China verhallen ungehört, ähnlich wie in den USA vor der Subprime-Krise 2007. Doch jetzt spitzt sich die Situation zu – und das dürfte auch den Dax nicht unbeeindruckt lassen.

Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, der sowohl vor dem 2000er-Börsencrash als auch vor der US-Immobilienblase von 2007 gewarnt hatte, schwante bereits 2009 Unheil: Die schnell wachsende Wirtschaft Chinas berge erhebliche Problemfelder. Dazu gehörten auch die hohen Preise für Wohnungen in Shenzhen oder Shanghai. Diese kosteten damals das Acht- bis Zehnfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens – unerschwinglich für die meisten Chinesen.

Fünf Jahre nach Shillers Frühwarnung haben sich die Preise für Wohneigentum im landesweiten Durchschnitt noch einmal verdoppelt. Und jetzt kommen in China all jene Faktoren zusammen, die bisher überall auf der Welt zu großen Immobilien- und Wirtschaftskrisen geführt haben: Kreditexzesse, Preisübertreibungen, ein massives Überangebot an Wohnungen und eine Regierung, die dem Treiben nicht mehr tatenlos zusehen will und kann.

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Wohnungsbauinvestitionen nach Ländern Quelle: CEIC, Haver Analytics, IWF

Wohnungsbauinvestitionen nach Ländern (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: CEIC, Haver Analytics, IWF

Gigantomanie an den Immobilienmärkten war schon immer die Folge einer zu laschen Geld- und Kreditpolitik, weil zu niedrige Zinsen und steigende Preise für überschwänglichen Optimismus sorgen und zu Fehlinvestitionen führen. In der Stadt Changsha in Süd-Zentralchina etwa soll noch in diesem Jahr der Wolkenkratzer Sky City entstehen – mit 838 Metern dann das höchste Gebäude der Welt. Ein riskantes Vorhaben: Visionäre Wolkenkratzerprojekte kündigten schon einige Male Wirtschaftskrisen an, so etwa der Petronas Tower in Kuala Lumpur 1997 die Asienkrise oder das Empire State Building in New York 1930/31 die Große Depression.

In China sollen in den nächsten Jahren fünf der zehn höchsten und 14 der 20 höchsten Gebäude der Welt stehen. Das Epizentrum der nächsten Weltwirtschaftskrise läge nach dieser Lesart in China.

Die Exzesse am chinesischen Immobilienmarkt lassen sich nicht mehr leugnen. 2013 wurden in China 2596 Millionen Quadratmeter neue Wohnfläche fertiggestellt, fünfmal so viel wie im Jahr 2000. Der Anteil von Wohnungsbauinvestitionen an der chinesischen Wirtschaftsleistung erreicht fast zehn Prozent, höher als auf den Höhepunkten früherer Immobilienblasen in anderen Ländern (siehe Grafik). In Guiyang, der Provinzhauptstadt von Guizhou, wurden 5,5 Millionen neue Apartments errichtet. Die Stadt zählt fünf Millionen Einwohner. Auf jeden registrierten Stadtbewohner in China kommen 37 Quadratmeter Wohnfläche, in Japan sind es 35 und in Großbritannien 33 Quadratmeter.

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Es wird über den Bedarf gebaut. Geschätzt steht in China ein Viertel der Apartments leer. Nach offiziellen Daten hat sich der zum Verkauf stehende Wohnungsbestand zwischen 2009 und 2013 um 182 Prozent erhöht. Die Lücke zwischen der Zahl der begonnenen und der verkauften Neubauten weitet sich immer stärker aus.

Der Trend ging bei vielen Chinesen zuletzt zur Zweit-, Dritt- oder Viertwohnung. Kalkuliert wird nicht mit einer Mietrendite, sondern es wird auf weiter steigende Preise spekuliert . Die Wohneigentumsquote liegt in China inzwischen bei über 100 Prozent. Tangshan, eine Industriestadt mit gut zwei Millionen Einwohnern im Nordosten der chinesischen Provinz Hebei, kommt gar auf 200 Prozent. In den USA platzte die Immobilienblase 2007 bei einer Wohneigentumsquote von 68 Prozent.

Nach Einschätzung von Zhiwei Zjang, Chefvolkswirt für China bei der japanischen Investmentbank Nomura, wird die chinesische Regierung einen aus dem Überangebot resultierenden Preisverfall nicht aufhalten können. Die Regierung selbst finanziert sich zu rund 40 Prozent über Einnahmen aus dem Immobiliensektor. Der gesamte Immobiliensektor trägt 16 Prozent zur chinesischen Wirtschaftsleistung bei. Doch auch diese im internationalen Vergleich hohe Quote untertreibt noch die wahre Bedeutung des Sektors für die chinesische Volkswirtschaft. So hängen etwa die Möbelindustrie und selbst die Autoindustrie am Immobilienmarkt. In der Regel sind die neuen Wohnsiedlungen in den Vorstädten nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Wer dort eine Wohnung kauft, kauft üblicherweise auch ein Auto.

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