Negativer Einlagezins: Der Weltspartag wird zur Farce

KommentarNegativer Einlagezins: Der Weltspartag wird zur Farce

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Mit kleinen Werbegeschenken wie Sparschweinen wurde den Sparern der Weltspartag versüßt.

von Saskia Littmann

Pünktlich zum Weltspartag kassiert eine Bank erstmalig Zinsen vom Sparer. Das endgültige Zeichen dafür, dass wir den Feiertag der Banken und Sparkassen nicht mehr brauchen.

Weltspartag. Das ist der Tag, an dem Lisa und Hänschen mit ihrer Mama zur Sparkasse gehen und ihre Spargroschen auf ein Kinderkonto einzahlen. Es gibt Luftballons und der nette Schaltermitarbeiter hat sogar noch ein kleines buntes Sparschwein für die Geschwister. Die künftigen Kunden von morgen sind geworben.

So sehen zumindest Sparkassen und Banken den Tag in einer vergangenheitslastigen Theorie. Denn 1925 fand dieser Tag des Geldhortens erstmalig statt, um den Gedanken des Sparens zu erhalten. Nächstes Jahr feiert der Spartag also seinen 90. Geburtstag - und ist so sinnlos wie nie zuvor. Mehr noch: Er verkommt zur Farce.

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So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

  • Lebensversicherung

    35 Prozent der Deutschen haben eine Lebensversicherung abgeschlossen.

  • Bausparvertrag

    Fast ebenso viele, nämlich 32 Prozent, besitzen einen Bausparvertrag oder Bausparplan.

  • Tagesgeld

    In Deutschland besitzen 29 Prozent der Bürger ein Tagesgeldkonto.

  • Immobilien

    Ebenso viele, nämlich 29 Prozent, sehen ihre Immobilie als Geldanlage an.

  • Fondsanteile, Festgeld, Aktien

    20 Prozent besitzen Fondsanteile, 17 Prozent Festgeld/Termingeld und 12 Prozent Aktien.

  • Edelmetalle

    Deutlich geringer ist dagegen der Anteil der Edelmetallbesitzer: sieben Prozent haben in Goldbarren oder -münzen investiert und vier Prozent zählen Silberbarren oder -münzen zu ihrem Besitz.

  • Kunst und Antiquitäten

    Sechs Prozent sehen ihre Antiquitäten (z. B. einen sehr alten Schrank) als Geldanlage und vier Prozent besitzen wertvolle Kunstgegenstände.

  • Anleihen und Zertifikate

    Jeweils zwei Prozent haben Geld in Anleihen bzw. Zertifikate angelegt.

Denn pünktlich zum Feiertag der Sparer wartet die Deutsche Skatbank aus Thüringen mit einer brisanten Nachricht auf. Ab dem 1. November wird die Bank auf hohe Tagesgeldeinlagen einen negativen Zins erheben. "Für Großeinlagen mit einem Saldo über 500.000 Euro fällt ein Negativzins von -0,25 Prozent pro Jahr an", schreibt das zu den Volksbanken gehörige Institut auf seiner Internetseite. Allerdings erst, wenn der Kunde insgesamt drei Millionen Euro bei der Bank lagert.

Erstmalig gibt also eine Bank die negativen Zinsen der Europäische Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weiter. Die Notenbank kassiert seit Juni von Banken, die ihr Geld nur kurzfristig bei der Notenbank parken, eine Art Strafzins in Höhe von aktuell -0,2 Prozent. Die Skatbank gibt den jetzt an ihre Sparer weiter. Noch ist der Durchschnittssparer allerdings noch nicht betroffen - wer hat schon drei Millionen Euro auf seinem Konto schmoren.

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Quelle: Getty Images

Trotzdem. Ein Anfang ist gemacht. Und die Botschaft ist deutlich: Wer seiner Bank Geld anvertraut, der zahlt dafür noch oben drauf. Von Zins kann keine Rede sein, wer nicht langfristig genug anlegt, geht ohne Rendite wieder nach Hause. Auch die Spargroschen von Lisa und Hänschen werden sich auf ihrem "Mäusekonto" kaum vermehren. Dafür müssten Lisa und Hänschen schon warten, bis sie längst studieren.

Das macht die Parolen der Geldinstitute immer unglaubwürdiger. Denn obwohl klar ist, dass sich klassisches Sparen kaum noch lohnt, veröffentlichen Banken und Sparkassen pünktlich zu ihrem Spartag reihenweise Studien zum Thema. "Sparen macht glücklich" heißt es da.

In ihrem aktuellen Vermögensbarometer bemerken die Sparkassen gar, dass insbesondere unter den 14- bis 29-Jährigen eine "Erosion der Sparkultur" zu beobachten sei. Rund die Hälfte dieser Gruppe bilde keine Rücklagen fürs Alter. Stattdessen seien es die jüngeren, die mehr konsumieren wollten.

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Kann man es ihnen verübeln? Wohl kaum. Wer möchte sich schon zurzeit langfristig an einen niedrigen Zins binden. Dann lieber abwarten und das Geld unterdessen in Sachwerte wie Möbel investieren. Nicht ohne Grund stiegen zuletzt die Ausgaben für teure Küchen. Die Bundesbürger konsumieren also fleißig und kurbeln damit die Wirtschaft an. Was die Konjunkturforscher freut, verdirbt den Banken und Sparkassen ihren Feiertag.

Denn sind wir mal ehrlich: Wenn wir unsere Bank fürs Sparen bald bezahlen müssen (die Skatbank zeigt ja bereits, wie's geht), dann brauchen wir auch keinen Weltspartag mehr. Dann können sich die Institute das Geld für die neuen Sparschweine für Lisa und Hänschen auch sparen, sollten es lieber investieren, um Sparalternativen zu entwickeln, mit denen man auch kurz- und mittelfristig rentabel und vor allem flexibel sparen kann.

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