Neue Finanzmarktwächter: Falsches Signal für Anleger

KommentarNeue Finanzmarktwächter: Falsches Signal für Anleger

von Heike Schwerdtfeger

Politiker schieben alle Verantwortung ab, wenn sie jetzt mit dem Finanzmarktwächter wieder eine neue Instanz schaffen, die Geldanlagen prüfen soll. Ein falsches Signal für Anleger.

Wie schlecht der Gesetzgeber darin ist, Regeln zu schaffen, die alle künftigen Gefahren des Finanzgeschäfts abwehren sollten, zeigt sich schon nach einem Jahr: Noch so jung ist das dicke Kapitalanlagegesetzbuch und wird doch schon von der tristen Wirklichkeit eingeholt. Als Prokon Pleite ging, bemerkten die Berliner Politiker plötzlich, dass in dem Buch, in dem auch das Anlegerschutzgesetz steckt, doch gefährliche Lücken sind. Denn einen Fall wie Prokon hätte es nicht verhindern können.

Das Gesetz wird jetzt nachgebessert und ihm wird noch ein Kleinanlegerschutzgesetz hinzugefügt. Bisher steht nur ein Referentenentwurf fest, es kann also noch ein Jahr dauern, bis auch Genussscheine, Nachrangdarlehen und stille Beteiligungen für den Kleinanleger transparenter werden sollen. Eine gefährliche Zeit ist das. Denn Emittenten dieser Papiere nutzen aktuell die noch fehlende Regulierung aus und kippen Anlegern ihren Müll vor die Füße.

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Anlegerschutz Startschuss für Finanzmarktwächter

Bei der Prokon-Pleite verloren Anleger viel Geld. So etwas soll sich nicht wiederholen: Die Regierung hat den Startschuss für Finanzmarktwächter gegeben - Spezialisten, die Verbraucher vor Missständen schützen sollen.

Privatanleger sollen durch Finanzmarktwächter besser geschützt werden Quelle: Getty Images

Und selbst wenn es soweit ist und das Kleinanlegerschutzgesetzt steht: Anlegern klingelt es vor lauter Schutzgesetzen in den Ohren. Anlegerschutzgesetz, Finanzmarktwächter, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht soll sich auch stärker Anlegerthemen zuwenden. Daraus kann man ja nur den Schluss ziehen, dass es rund um die Geldanlage und am Finanzmarkt keine Verstecke mehr für Schlawiner geben kann, die Anleger abzocken. Doch es wäre ein großer Fehler, das zu glauben.

Anleger dürfen sich nicht einlullen lassen. Politiker schieben jetzt ihre Aufgaben, den Finanzmarkt lückenlos zu regeln, an die Verbraucherzentralen und Bankenaufseher ab. Die Verbraucherzentralen als Finanzmarktwächter sind durch ihren Kontakt zu Anlegern gut informiert, wo es Schwachstellen am Markt gibt. Aber zur Verbraucherzentrale laufen auch nur die Anleger, die schon auf die Nase gefallen sind und Verluste gemacht haben. Zur Depot-Prophylaxe gehen vermutlich die wenigsten Anleger dorthin. Drohende Reinfälle mit Geldanlagen haben die VZ-Berater daher auch nicht unbedingt auf dem Schirm.

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Bundesjustizminister Heiko Maas sollte sich lieber mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zusammensetzen und ein ordentliches Konzept für einen besseren Schulunterricht in Sachen Wirtschaft und Finanzen erarbeiten. Auch mit Finanzmarktwächtern wird es immer wichtiger, dass Anleger Produkte und Märkte verstehen.

Die Argumente dafür sind bekannt: Gesetzliche Sicherungssysteme etwa bei der Rente werden gestutzt, die private Vorsorge wird wichtiger. Dazu muss der Anleger komplexe Produkte mit Kosten und Renditechancen unterscheiden können.

Irgendwo werden Schlupflöcher bleiben, sie werden genutzt. Und wer nicht kritisch ist gegenüber Finanzverkäufern, der wird immer wieder schlechte Erfahrungen mit Geldanlagen machen. Da hilft kein Finanzmarktwächter.

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