Neue-Markt-Pleitier Comroad: Das fabelhafte Strandleben des Skandalmanagers

Neue-Markt-Pleitier Comroad: Das fabelhafte Strandleben des Skandalmanagers

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Rücken zur Wand: Ex-Comroad-Chef Schnabel führt heute die Nanomatic in Hongkong. (zum Vergrößern bitte anklicken)

von Niklas Hoyer

Am Neuen Markt war das von Bodo Schnabel geführte Unternehmen Comroad über eine Milliarde Euro wert, es folgte der Totalabsturz. Nun wird Schnabel von einem Anleger gejagt. An seiner Läuterung bestehen große Zweifel.

Die Meldung las sich gut. Zu gut, um wahr zu sein. Doch das erfuhr Daniel Fiebig, 40, erst zwei Jahre später. Über 400 Prozent Umsatzplus vermeldeten die Comroad AG und ihr Vorstand Bodo Schnabel am 6. April 2000. Comroad verdiente sein Geld angeblich mit Telematik – grob gesagt: mit Geschäften rund um Ortung und Navigation. In der Spitze war der Neue-Markt-Überflieger an der Börse über 1,2 Milliarden Euro wert.

Wenige Tage nach der Meldung steckte Fiebig, der heute als Lehrer an einer Gesamtschule in Braunschweig arbeitet, 48.814 Euro in die Aktie, für ihn durchaus ein „wesentliches Investment“.

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Totalabsturz: Kursverlauf der Comroad-Aktie. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Totalabsturz: Kursverlauf der Comroad-Aktie. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Vorgezogene Umsätze

Als Comroad zwei Jahre später den wohl größten Skandal des Neuen Markts hinlegte, waren Fiebigs Aktien wertlos. Die Comroad-Umsätze waren vor allem über Scheinrechnungen eines Unternehmens in Hongkong kreiert worden. Bis zu 97 Prozent der Umsätze seien nur vorgetäuscht worden, stellten Gerichte später fest. Schnabel wurde vom Landgericht München I im November 2002 wegen Kursbetrugs und Insiderhandels verurteilt. Er habe niemanden betrügen wollen, gab Schnabel noch zum Prozessende zu Protokoll. All die Luftbuchungen seien doch nur „vorgezogene Umsätze“ gewesen. Es half nichts: Sieben Jahre Haft bekam er aufgebrummt. Nach der Hälfte der Zeit kam er auf freien Fuß.

Anleger Fiebig spürt ihm seither nach. „Wenn ich das Geld verzockt hätte, würde ich nicht jemand anderen verantwortlich machen“, sagt Fiebig. „Aber bei Comroad wurden Bilanzen gefälscht. Für mich war das unvorstellbar.“

Fiebigs Erfahrungen zeigen, wie schwer Anleger es bei Betrug haben, ihr Geld zurückzubekommen. Dabei hatte Fiebig anfangs Glück: Comroad ließ sich auf einen Vergleich ein. Fiebig bekam gut 20.000 Euro. Andere Anleger haben auch den früheren Comroad-Wirtschaftsprüfer KPMG belangt, der von den Luftbuchungen lange nichts mitbekommen hatte. Auch KPMG schloss Vergleiche.

Sportlicher Ehrgeiz

Seit 2012 hat Fiebig ein vollstreckbares Urteil gegen Schnabel und dessen Ex-Frau, die 2002 wegen Beihilfe verurteilt worden war. Inklusive Zinsen stehen ihm rund 60.000 Euro zu. Doch Geld hat ihm das Urteil bislang nicht gebracht. Obwohl Fiebig kreativ ist: „Ich gehe der Sache mit sportlichem Ehrgeiz nach.“ In Schulpausen telefoniert er mit Grundbuchämtern, dem Handelsregister oder Gerichtsvollziehern.

Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

  • Tipp 1

    Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

  • Tipp 2

    der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

  • Tipp 3

    der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

  • Tipp 4

    das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

  • Tipp 5

    Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Bei Schnabels Ex-Frau hat er eine Taschenpfändung durchgesetzt, doch die brachte keinen müden Cent. Er hat auch ihre Kontoverbindungen in Erfahrung gebracht und das Guthaben eines Kontos pfänden lassen. Wie viel auf dem Konto liegt, konnte er vorab nicht wissen: 12,63 Euro. „Etwa das Doppelte war als Gebühr fällig“, sagt Fiebig, „meine Freundin habe ich abends trotzdem zum Essen eingeladen.“ Mittlerweile hat Schnabels Ex-Frau Privatinsolvenz angemeldet, bei ihr ist nichts mehr zu holen.

Jetzt bleibt Fiebig nur noch einer: Schnabel selbst. Während Fiebig in Braunschweig nach einer bezahlbaren Bleibe für sich und seine Freundin sucht, lebt Schnabel anscheinend wieder auf großem Fuß. Er ist Geschäftsführer eines Unternehmens in Hongkong, Nanomatic, das ähnliche Produkte wie früher Comroad anbietet, etwa eine App fürs Smartphone, mit der sich Kinder, Haustiere oder Hausboote orten lassen.

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