Niedrigzins: BaFin warnt Banken vor "Selbstmord auf Raten"

Niedrigzins: BaFin warnt Banken vor "Selbstmord auf Raten"

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Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, warnt Banken davor, sich nicht ausreichend für den Niedrigzins zu wappnen.

Insbesondere die Bausparkassen sieht die BaFin von den niedrigen Zinsen bedroht. Aber auch andere Banken sollten sich weiter gegen die Niedrigzinsen wappnen.

Deutschland oberster Finanzaufseher schlägt Alarm: Die deutschen Banken müssten wegen der Dauer-Niedrigzinsen das Steuer schnell herumreißen, sich neue Ertragsquellen suchen und die Kosten senken, forderte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, auf dem Neujahrsempfang der Behörde in Frankfurt. "Nichts zu tun und nur zu warten, bis sich das Schreckgespenst Niedrigzins verzogen hat, wäre - für einige Institute zumindest - Selbstmord auf Raten." Wie lange die Phase niedrigster Zinsen anhalte, sei nicht absehbar. Sie mache den Banken zusehends zu schaffen. Vor allem Häuser, die langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hätten, bräuchten einen langen Atem.

Niedrige Zinsen Versicherer legen zehn Milliarden Euro zurück

Mit zehn Milliarden Euro haben deutsche Versicherer 2015 vorgesorgt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geht davon aus, dass die Zinszusatzreserve in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Laut BaFin haben deutsche Versicherer mit mehr als zehn Milliarden Euro vorgesorgt. Quelle: dpa

Noch hätten die meisten Institute ein ausreichendes Polster, um diese Phase zu überstehen, sagte Hufeld. "Doch die Ergebnisse werden sich deutlich verschlechtern, wenn die Zinsen niedrig bleiben", warnte er. Das betrifft vor allem Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Auch eine Zinswende würde das Problem nicht von jetzt auf gleich lösen. Die Finanzaufsicht werde Banken, die von den Zinsen besonders abhängig und bei Zinsänderungen besonders anfällig seien, in "aufsichtliche Manndeckung" nehmen, bekräftigte er. "Wir schubsen nicht, wir treten nicht, und wie ziehen weder am Trikot noch an den Haaren", sagte Hufeld. "Aber wir weichen den Instituten nicht von der Seite." Die BaFin werde in diesem Jahr alle deutschen Banken auffordern, auch für das Zinsänderungsrisiko genügend Eigenkapital vorzuhalten, auch wenn das von den Regulierern nicht ausdrücklich verlangt sei.

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Besonders im Blick hat die BaFin derzeit die 21 deutschen Bausparkassen, die besonders unter den niedrigen Zinsen leiden. Viele Kunden profitieren von hohen Sparzinsen, rufen aber die - im Vergleich zu den Angeboten von Banken teuer gewordenen - Baukredite nicht ab. Hufeld appellierte an die Bausparkassen, das Kapital zu stärken, die Kosten zu senken und neue Tarife einzuführen, die sie weniger stark belasteten. "Die Branche ist bereits auf diesem beschwerlichen Weg unterwegs", sagte der Behördenchef, mahnte aber, sie dürfe dabei keine Verschnaufpausen einlegen. Sonst drohten auch einige oder sogar alle Bausparkassen in "Manndeckung" genommen zu werden.

Schonen will Hufeld die Banken beim Anlegerschutz. Die BaFin wolle den Banken keine zu strengen Verhaltensregeln auferlegen. Hufeld kritisierte die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die in einigen Vorschriften zu weit gehe: "Sie werden die Institute wirtschaftlich stark belasten und tief in Vertriebsprozesse eingreifen, die zum Teil über Jahre gewachsen sind." Für viele Banken lohne sich Wertpapierberatung dann womöglich nicht mehr. "Ein Anlegerschutz, der dazu führt, dass Wertpapierberatung (...) faktisch einer wohlhabenden Klientel vorbehalten bleibt, kann kein sinnvolles politisches Ziel sein."

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