Nur für Mutige: Mit diesen Zertifikaten tauchen Anleger aus dem Zinstief

Nur für Mutige: Mit diesen Zertifikaten tauchen Anleger aus dem Zinstief

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Zinspapiere bringen bis zu acht Prozent - wenn die Börse mitspielt.

von Anton Riedl

Neue Anlagepapiere bringen Jahresrenditen bis zu acht Prozent - wenn die Börsen nicht abstürzen. Mutige Anleger können dem Fluch der niedrigen Zinsen damit entkommen. Ohne Risiko geht das aber nicht.

In großen Lettern prangt das Versprechen auf der Zertifikateseite der DZ Bank: „Wege aus dem Zinstief.“ Welchen Anleger reizt eine solche Ansprache nicht – bei nur 1,5 Prozent Durchschnittszinsen auf Anleihen. Mit bis zu 3,3 Prozent pro Jahr wirbt dagegen ein neues Zertifikat der DZ Bank. Der Name klingt beeindruckend: „ZinsFix Control Europa“. Der Zusatz „2013/53“ deutet darauf hin, dass schon mehrere Dutzend solcher Emissionen unters Anlegervolk gebracht worden sind. Das Zertifikat läuft bis Oktober 2016, so viel ist sicher. Doch ob es bis dahin wirklich 3,3 Prozent Rendite pro Jahr werden, ist ein Spiel mit mehreren Unbekannten.

„Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, wie Anleihen auch. Ihr höherer Kupon wird in vielen Fällen durch Termingeschäfte finanziert“, sagt Dieter Lendle, Vorstand des bankenunabhängigen Zertifikateberaters Anlagematrix aus Frankfurt. Für Anleger bedeutet das: Weil das allgemeine Zinsniveau derzeit so niedrig ist, können solche Papiere dank höherer Kupons durchaus eine Alternative zu herkömmlichen Zinspapieren sein. Doch damit die Renditerechnungen funktionieren, darf die Börse nicht abschmieren.

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Das gilt auch für das neue DZ-Zinszertifikat auf den Euro Stoxx (siehe unten). Die in Aussicht gestellte Jahresrendite gibt es nur, wenn der europäische Aktienindex in drei Jahren mindestens bei knapp 2000 Punkten notiert. Angesichts der leichten Erholung in der Finanzkrise ist das durchaus zu schaffen. Sollte Europa aber wider Erwarten in die Rezession rutschen, wird es knapp. 2003 und 2008 stand der Euro Stoxx weit unter 2000 Punkten. In beiden Fällen hätte das Zertifikat Verluste eingefahren.

Wem angesichts eines solchen Risikos 3,3 Prozent zu mager sind, der kann mit Zinszertifikaten auf Einzelaktien höhere Renditen anpeilen. Infrage kommt etwa ein sogenanntes Extra-Zinszertifikat auf BASF (siehe unten) von der Deutschen Bank. Das Zertifikat bietet zunächst einen festen jährlichen Kupon von 3,0 Prozent. Bei aktuellen Kaufkursen von 97,25 Prozent und einer Laufzeit bis April 2015 wären das 4,9 Prozent Jahresrendite. Der Kupon kann sogar auf 6,0 Prozent erhöht werden, die jährliche Rendite würde damit auf 7,9 Prozent klettern. Im Vergleich zu einer klassischen BASF-Anleihe mit ähnlicher Laufzeit (XS0412154378), die nur 0,5 Prozent Jahresrendite bringt, wäre das ein enormer Zinsvorteil.

Wer mehr riskieren will, kann bis zu 7,9 Prozent Jahresrendite einfahren

  • Zinszertifikat auf europäische Aktien

    ISIN: DE000AK0BE23
    Funktion: 4,0 Prozent Kupon fest und Rückzahlung zu 100 Prozent, wenn Aktienindex Euro Stoxx 50 am Bewertungstag (17. Oktober 2016) mindestens bei 68 Prozent des Stands vom 15. Oktober 2013 notiert (mit aktuellem Index von 2900 Punkten gerechnet, wären das 1972 Punkte); Rendite in diesem Fall 3,3 Prozent; notiert Index tiefer, gehen Verluste eins zu eins ins Zertifikat über.
    Emittentin (Ausfallprämie): DZ Bank (1,0 Prozent = geringes Ausfallrisiko)
    Kurs (Prozent): 102,00
    Chance/ Risiko: 6/5

    * Quelle: Thomson Reuters, Banken, eigene Recherche, Stand 7.10.2013

  • Extra-Zinszertifikat auf BASF

    ISIN: DE000DB2GNE1
    Funktion: 3,0 Prozent Kupon fest und Rückzahlung zu 100 Prozent, wenn BASF (69,30 Euro) vor Fälligkeit (17. April 2015) mindestens bei 56,74 Euro steht; Jahresrendite dann 4,9 Prozent; Kupon steigt auf 6,0 Prozent, wenn BASF am 17. April 2014 und 2015 mindestens bei 70,92 Euro; Rendite dann 7,9 Prozent; steht BASF zur Fälligkeit unter 56,74 Euro, gehen Verluste ins Zertifikat über.
    Emittentin (Ausfallprämie): Deutsche Bank (1,1 Prozent = geringes Ausfallrisiko)
    Kurs (Prozent): 97,25
    Chance/ Risiko: 5/4

  • Aktienanleihe auf Allianz

    ISIN: DE000TB4STT9
    Funktion: 6,5 Prozent Kupon fest und Rückzahlung von 100 Prozent, wenn Allianz-Aktie (aktuell 116 Euro) kurz vor Fälligkeit (17. Oktober 2014) mindestens bei 112 Euro steht; Jahresrendite in diesem Fall 7,2 Prozent; notiert Aktie tiefer, gibt es je 1.000 Euro Nennwert 8,929 Allianz-Aktien zum dann aktuellen Kurs; Verluste entstehen, wenn Aktie zur Fälligkeit unter 103,59 Euro.
    Emittentin (Ausfallprämie): HSBC Trinkaus (0,9 Prozent = geringes Ausfallrisiko)
    Kurs (Prozent): 99,25
    Chance/ Risiko: 7/6

  • Expressanleihe auf Daimler

    ISIN: DE000LB0UG08
    Funktion: 4,0 Prozent Kupon und Rückzahlung zu 100 Prozent, wenn Daimler (57,50 Euro) am 19. September 2014 mindestens bei 54,56 Euro; Jahresrendite 4,0 Prozent; steht Aktie tiefer, Rückzahlung 2015 bzw. 2016, wenn Aktie mindestens 54,56 Euro; zur Endfälligkeit (15. September 2017) reichen 39,01 Euro; wenn nicht, Tilgung durch 25,63 Daimler-Aktien je 1.000 Euro Nennwert.
    Emittentin (Ausfallprämie): LBBW (0,8 Prozent = geringes Ausfallrisiko)
    Kurs (Prozent): 99,96
    Chance/ Risiko: 5/4

  • Floateranleihe auf 12-Monats-Euribor

    ISIN: DE000DB9ZGH3
    Funktion: 2,0 Prozent Kupon ergibt 1,4 Prozent Mindestrendite pro Jahr; steht der 12-Monats-Euribor (aktuell 0,54 Prozent) jeweils zum Stichtag (2. Juli) über 2,0 Prozent, erhöht sich die Kuponzahlung in gleicher Weise; Maximalkupon 5,0 Prozent, Laufzeit bis 4. Juli 2017; Rückzahlung zu 100 Prozent durch Emittentin, keine vorzeitige Kündigung.
    Emittentin (Ausfallprämie): Deutsche Bank (1,1 Prozent = geringes Ausfallrisiko)
    Kurs (Prozent): 102,30
    Chance/ Risiko: 3/2

Das Problem dabei: Die sechs Prozent gibt es nur, wenn die BASF-Aktie in eineinhalb Jahren höher steht als heute. Das ist selbst angesichts optimistischer Gewinnprognosen für den Chemiekonzern (2014 plus zehn Prozent Nettoertrag) ein offenes Spiel. Und auch die durch den Basiskupon eingefahrene Rendite ist nicht zementiert. Die Tilgung des Zertifikats erfolgt nämlich nur dann zu 100 Prozent, wenn die BASF-Aktie am abschließenden Bewertungstag nicht um mehr als 18 Prozent unter dem heutigen Niveau notiert. Wenn doch, werden die Kursverluste der Aktie eins zu eins ins Zertifikat eingerechnet.

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