Öl, Gold und Kaffee: "Rohstoffpreise werden bald wieder anziehen"

ThemaRohstoffe

InterviewÖl, Gold und Kaffee: "Rohstoffpreise werden bald wieder anziehen"

von Martin Gerth

Christian Gerlach, Fondsmanager bei Swiss & Global, nutzt Gold als Deflationsschutz und setzt auf steigende Preise bei US-Erdgas und Kaffee. Er erwartet ein Ende der Talfahrt bei den Rohstoffpreisen.

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Geht es mit den Rohstoffpreisen bald wieder aufwärts?

WirtschaftsWoche: Herr Gerlach, Öl wird billiger, auch der Kupferpreis ist unter Druck. Ist der Superzyklus für Rohstoffe zu Ende?

Christian Gerlach: Der Superzyklus war schon vor fünf Jahren vorbei. Bis 2008 konnten Rohstoffe Aktien abhängen. Danach waren Aktien lukrativer. Jetzt stehen wir nah am Ende der Rohstoffkorrektur.

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Foto von Christian Gerlach

DER FREIGEIST

Gerlach, 37, ist studierter Wirtschaftshistoriker und seit Oktober 2011 Rohstofffondsmanager bei Swiss & Global Asset Management (Julius Bär). Zuvor hat er unter anderem als Leiter des Rohstoff-Research bei Dow Jones gearbeitet und Industrieunternehmen beraten.

Wie nah?

Gute Frage. Ob es noch vier Wochen oder sechs Monate sind, kann ich nicht sagen. Das hängt natürlich auch von der Weltkonjunktur ab. Mich stimmt optimistisch, dass Edelmetalle zuletzt deutlich stärker eingebrochen sind als Industriemetalle, beispielsweise Kupfer. Im Herbst 2008 hatten wir eine komplett gegenteilige Situation. Die Industrierohstoffe brachen massiv ein, Gold dagegen stieg.

Welche Rolle spielt Gold in Ihrem Portfolio?

Gold ist für uns ein Schutz gegen Deflation, anders als bei vielen Privatanlegern, die ihre Zinsanlagen gegen Inflation absichern wollen. Mit der allgemeinen Inflation steigen in der Regel die Rohstoffpreise. Wir brauchen Gold daher vor allem in der Rezession, wenn die Rohstoffnachfrage einbricht.

Wenn man sich den Ölpreis anschaut, einen wichtigen Indikator für die Weltkonjunktur, dann könnten Sie bald wieder Gold benötigen.

Da mache ich mir keine Gedanken. Die Inflation wird steigen müssen, anderenfalls können die hoch verschuldeten Staaten ihre Verpflichtungen nicht abtragen. Im Übrigen ist das Bild auf dem Energiemarkt keinesfalls eindeutig. Bei amerikanischem Erdgas etwa gehen wir eher von steigenden Preisen aus. Angesichts des günstigen Gaspreises lohnt es sich wieder, Gas zu verflüssigen und per Schiff nach Japan zu verfrachten. Geht mehr Gas über den Pazifik, zieht der Preis an.

Wenn schon Industriemetalle derzeit schwach aussehen, ließe sich dann mit Agrarrohstoffen etwas verdienen?

Mit Getreide eher nicht. Nach der großen Trockenheit in den US-Anbaugebieten 2012 sind Mais und Weizen massiv angestiegen. Jetzt befinden sich beide noch in der Korrekturphase. Gleiches gilt für Soja. Besser sieht es dagegen bei Kaffee aus, insbesondere bei der Sorte Arabica. Nach langem Preisrückgang, rechnen wir mit einem Turn-around, da die Lagerbestände schon seit Jahresanfang kontinuierlich abnehmen. Auch bei Kakao ist mit steigenden Preisen zu rechnen. Für die Elfenbeinküste, das wichtigste Anbaugebiet, wurde zuletzt Trockenheit vorhergesagt, was die Ernteerträge niedriger ausfallen lässt.

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