Öl: Ölpreis weiter im Sinkflug – Börsen reagieren nervös

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Öl: Ölpreis weiter im Sinkflug – Börsen reagieren nervös

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Ein Arbeiter läuft über gelagerte Ölfässer des Staatsunternehmens Pertamina in Jakarta, Indonesien.

Der Ölpreis fällt weiter. Am Dienstag zieht das auch die Aktienmärkte nach unten. Experten rechnen nicht mit einer Erholung der Kurse.

Stark fallende Ölpreise haben die Talfahrt an den Aktienmärkten weiter beschleunigt. An der chinesischen Börse in Shanghai brach der Leitindex mehr als sechs Prozent ein, in Tokio gab der Nikkei mehr als zwei Prozent nach. "Wo immer man hinschaut - China, Öl oder die USA, es gibt keine klaren Hinweise auf eine Verbesserung grundlegender Wirtschaftsdaten", sagte Analyst Tatsushi Maeno vom Broker PineBridge Investments. Experten rechnen deshalb auch in nächster Zeit nicht mit einer Erholung der Kurse.

Die Konjunkturaussichten spiegeln sich nach Auffassung vieler Investoren derzeit vor allem an den Rohstoffmärkten wider. Die Ölpreise sanken erneut unter 30 Dollar pro Barrel, weil trotz der schwächelnden Nachfrage die Förderung auf Hochtouren läuft und damit das Überangebot vergrößert. Der massive Preisverfall belastet weltweit Energiefirmen, die deshalb Investitionen und Arbeitsplätze kürzen. Anleger warten nun auf Äußerungen der US-Notenbank Fed dazu, die nach einer zweitägigen Sitzung am Mittwoch anstehen.

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Was Sie über den Ölpreis wissen müssen

  • Maßeinheit

    Da Öl ursprünglich in Fässern abgefüllt wurde - Barrel im Englischen -, wird diese Maßeinheit in der Branche bis heute verwendet. Ein Barrel sind 159 Liter.

  • Preisrutsch

    Die steile Talfahrt begann Mitte 2014, bis Anfang 2016 hat sich der Preis mehr als gedrittelt. Hintergrund ist ein knallharter Wettbewerb zwischen den klassischen Ölförderern wie Saudi-Arabien und neuen Konkurrenten vor allem in Nordamerika, die Rohöl mit der aufwendigen Fracking-Methode aus Schiefergestein lösen. Beobachter gehen davon aus, dass die Ölförderer aus der Golfregion die ungeliebte Konkurrenz mit hohen Fördermengen und Dumpingpreisen aus dem Markt spülen wollen.

  • Ölsorten

    Rohöl ist nicht gleich Rohöl. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Sorten - je nach Region. Alleine der Finanzinformationsdienst Bloomberg listet mehr als 100 Stück auf, wovon allerdings nur wenige große Bedeutung haben. Als Richtwert am Finanzmarkt gilt das US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI). Eine weitere wichtige Sorte ist das Nordsee-Öl Brent.

  • Qualitätsunterschiede

    Bei den Ölsorten gibt es gravierende Unterschiede bei der Qualität, was auch zu merklichen Preisunterschieden führt. So kann etwa die Sorte North Dakota Sour in der Raffinerie nur schwer verarbeitet werden, weil es stark schwefelhaltig ist. Das schlägt sich auch im Preis nieder.

  • Terminkontrakte

    Für US-Öl und Brent-Öl werden die Preise über das Spiel von Angebot und Nachfrage gebildet. Aber auch diese Sorten können eine Vielzahl von unterschiedlichen Preisen haben, was daran liegt, dass sie in sogenannten Future-Kontrakten gehandelt werden. Der Käufer erwirbt dabei Rohöl mit unterschiedlichen Lieferdaten. Der am meisten gehandelte und damit für die Anleger wichtigste Future-Kontrakt läuft über einen Monat.

  • OPEC-Ölpreis

    Auch die Ölsorten des Ölkartells Opec (Organisation erdölexportierender Länder) sind für die Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Von der Opec-Zentrale in Wien wird einmal täglich der sogenannte Opec-Korbpreis ermittelt. Hierfür melden alle Mitgliedstaaten des Ölkartells - darunter Saudi-Arabien, Kuwait und Nigeria - ihre jeweiligen Ölpreise, dann wird der sogenannte Korbpreis aller 13 Opec-Sorten errechnet. Dieser Durchschnittspreis wird allerdings immer mit einem Tag Verzögerung veröffentlicht und spiegelt daher nicht die neueste Entwicklung wider.

Die chinesische Börse in Shanghai rutschte 6,4 Prozent ab. Der Index für die wichtigsten Firmen an den Märkten in Shanghai und Shenzhen büßte sechs Prozent ein. In Tokio gab der Nikkei-Index 2,35 Prozent auf 16.708 Punkte nach. Zu den Verlierern zählten Finanztitel und Exportwerte wie Toyota mit einem Abschlag von 2,9 Prozent und Honda mit einem Minus von 3,2 Prozent. Japans Exportfirmen macht vor allem die Konjunkturabkühlung in China zu schaffen. Der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Werte außerhalb Japans notierte 1,5 Prozent im Minus.

Der Euro tendierte an den Devisenmärkten in Fernost wenig verändert mit 1,0853 Dollar.

Am US-Aktienmarkt hatte der Ölpreisfall am Montag im späten Handel für klare Kursverluste gesorgt. Der Dow Jones Industrial schloss 1,29 Prozent tiefer bei 15 885,22 Punkten. In der Vorwoche hatte der US-Leitindex um 0,7 Prozent zugelegt, notiert seit Jahresbeginn aber knapp 9 Prozent schwächer.

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Öl-Preis nach Ende der Iran-Sanktionen Quelle: AP

Der marktbreite S&P-500-Index sank am Montag um 1,56 Prozent auf 1877,08 Punkte. Der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 1,48 Prozent auf 4196,53 Punkte ein.

Der Handel sei wieder einmal vom Rohöl bestimmt worden, sagte ein Händler. Im späten New Yorker Handel war der Ölpreis um rund 7 Prozent eingebrochen und wieder unter die Marke von 30 US-Dollar gerutscht.

Die Aussicht auf ein anhaltend hohes Angebot aus dem wichtigen Ölförderland Saudi-Arabien hatte bereits am Vortag die Preise gedrückt, nachdem diese sich zwischenzeitlich etwas erholt hatten. Der Chef des saudischen Ölmultis Aramco, Khalid Al-Falih, sagte, dass die Investitionen des Konzerns trotz des Ölpreisverfalls nicht gekürzt worden seien.

Hinzu kommen möglicherweise weiter steigende Rohöl-Lagerbestände in den USA. Experten rechnen mit einem Zuwachs um mehr als 4 Millionen Barrel im Vergleich zur Vorwoche. Damit wäre der Anstieg stärker als zuletzt. Die offiziellen Zahlen werden am Mittwoch veröffentlicht.

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1 Kommentar zu Öl: Ölpreis weiter im Sinkflug – Börsen reagieren nervös

  • Es hat sich wohl noch nicht herum gesprochen, dass China über 480 Milliarden Dollar an Rohstoffkosten spart. In Deutschland wäre das ein Konjunkturprogramm von 12 Prozent des BIP im Jahr. Auch in China sparen diese Rohstoffkosten die Unternehmen, die Bürger und der Staat. In China sind aber 480 Milliarden Dollar nur 4 Prozent des BIP.
    Anmerkung zu den Börsenkursen in China: Könnten diese Kurse wieder unter den Krisenstand von 2012 oder 2014 sinken, weniger als 2.000 Börsenpunkte beim Schanghai Composite? Sie könnten, meinen wenigstens die Analysten. Wie sollten diese Pessimisten recht behalten? Wenn sämtliches Auslandskapital und auch das meiste Inlandkapital abgezogen werden. Es fragt sich dann nur noch wohin diese tausende Milliarden Dollar geflossen sind, oder werden die nicht auf Konten, sondern in bar gehortet? Von deutschen Wirtschaftsjournalen erwarte ich niemals, dass der Kapitalfluss betrachtet wird.

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