Öl, Weizen, Mais: Verkehrte Welt an den Rohstoffmärkten

ThemaRohstoffe

Öl, Weizen, Mais: Verkehrte Welt an den Rohstoffmärkten

Bild vergrößern

Hohe Fördermengen der USA drücken den Ölpreis.

von Saskia Littmann

Krisen wie die im Irak oder zwischen Russland und der Ukraine sind eigentlich Preistreiber am Rohstoffmarkt. Warum das diesmal nicht so ist und welche Rohstoffpreise trotzdem steigen.

Die globalen Rohstoffmärkte sorgen derzeit für Verwirrung. Allen voran das Öl. Trotz der zahlreichen Krisen im Nahen und Mittleren Osten sinkt der Preis für Rohöl weiter. Ein Barrel Brent-Öl mit Lieferung im Oktober kostete zuletzt 102,50 Dollar. Allein in den vergangenen drei Monaten hat der Preis um rund sieben Prozent nachgegeben.

In den Vorjahren sorgten derartige Konflikte gerade in Förderländern wie dem Irak für Hamsterkäufe des schwarzen Goldes. Aus Angst vor einer Unterversorgung deckte sich die Wirtschaft ein. Nicht so in diesem Jahr. Obwohl mit Russland eines der größten Förderländer betroffen ist, droht das Öl nicht auszugehen, denn es bestehen genug Reserven. „Es gibt keinen Mangel an Öl, sondern in einigen Bereichen sogar ein Überangebot“, sagt Steffen Bukold von dem Hamburger Forschungs- und Beratungsbüro EnergyComment.

Anzeige

So funktioniert der Rohstoffhandel

  • Future-Contracts

    Bei einem Future-Contract kauft der Investor Rohstoffe nicht an regulären Märkten zu aktuellen Preisen sondern handelt auf Terminmärkten wie der deutsch-schweizerischen EUREX, der Chicago Mercantile Exchange (CME) zu der die Chicago Board of Trade (CBoT) gehört oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Hier wird der jeweilige Rohstoff zu einem Termin in der Zukunft gekauft. Der Investor bestellt beispielsweise im Februar Kakao, der im Juli geliefert werden soll.

  • Spot-Preis

    Spot-Geschäfte mit ihren kurzen Erfüllungsfristen sind das Pendant zu den Terminmärkten. Zwischen Bestellung und Lieferung liegen maximal zwei Börsentage. Der Spot-Preis ist dementsprechend der Preis, den Händler kurzfristig für den jeweiligen Rohstoff zahlen beziehungsweise erzielen. Bei Kassa-Preis dagegenhandelt es sich um den aktuellen Preis von Finanztiteln.

  • Cost of Carry

    Die Costs of Carry bei Rohstoffen setzen sich beispielsweise aus Lager- und Speditionskosten zusammen. Der Wert eines Future-Kontrakts besteht aus dem Kassa-Preis, also dem bei Vertragsabschluss herrschendem aktuellen Kakaopreis, und den Costs of Carry. Deshalb liegen die Future-Preise bei Termingeschäften anfangs meist über den Kassa-Preisen. Wenn ein Investor im März Kakao für Dezember bestellt, entstehen schließlich Lagerkosten für neun Monate. Er zahlt also den aktuellen Preis plus die Lager- und Speditionskosten. Der Händler kann die Lagerkosten aber über die neun Monate hinweg abschreiben - je näher der Liefertermin rückt, desto stärker nähert sich der Future-Preis dementsprechend wieder dem Kassa-Preis an.

  • Nearby–Future

    Der Nearby-Future ist der Rohstoff-Kontrakt mit der kürzesten Fälligkeit. Das Gegenteil, also der Future-Kontrakt mit der längsten Laufzeit, heißt dagegen Most-Distant-Futures-Contract.

  • Rollen

    Wer direkt in Rohstoffe investieren will, kauft statt einer Aktie oder eines Zertifikats einen Future-Kontrakt mit einer bestimmten Laufzeit und einem Erfüllungszeitpunkt. Der Erfüllungszeitpunkt ist nichts anderes als der Liefertermin. Das heißt, wer ein Kakao-Future mit einer Laufzeit bis Juli 2013 kauft, bekäme im Juli 2013 auch die gekaufte Menge Kakao geliefert.

    Ursprünglich ging es bei Warentermingeschäften schließlich um den Kauf physischer Rohstoffe. Mittlerweile sind viele der Kontrakte Spekulationsgeschäfte. Wer nur Geld verdienen und nicht auf zig Tonnen Kakao sitzen möchte, muss also vor Ende der Laufzeit seinen Kontrakt verkaufen und einen neuen mit einem späteren Liefertermin kaufen. Dieser Vorgang nennt sich rollen.

  • Rollrendite

    Beim Rollen können Anleger sowohl Gewinne als auch Verluste machen: Wer seinen alten Kontrakt günstig verkauft und den neuen Kontrakt teuer kauft, erwirtschaftet eine negative Rollrendite, macht also Rollverluste. Verkauft er dagegen teuer und kauft billig, fällt die Rollrendite positiv aus, er macht Rollgewinne.

  • Contango

    Bei einer Contango-Situation ist der Spot-Preis geringer als der ausgemachte Preis bei Fälligkeit des Future-Kontrakts. Wenn ein Anleger seinen Vertrag in so einer Situation weiterverkauft und in einen Most-Distant-Futures-Contract investiert, kann er Gewinne abgreifen. Wer dagegen bei niedrigem Spot-Preis und hohem Terminpreis seine Kontrakte abstößt und Kontrakte mit nächstmöglicher Lieferzeit kauft (Nearby-Futures) riskiert Verluste.

    Das Gegenteil von Contango ist eine Backwardation.

  • Backwardation

    Bei der Bachkwardation-Situation liegt der Preis der Future-Kontrakte unter denen am Kassamarkt. Der Anleger verkauft also vor Liefertermin seinen Kontrakt bei aktuell hohem Preis und kann günstig einen den Nearby-Future erstehen. Er verbucht also Rollgewinne.

Ein entscheidender Grund dafür sind die USA. Zwar verbrauchen die Amerikaner vor China und Japan die größten Mengen Öl. Allerdings dürften sie zukünftig auch zu den wichtigsten Produzenten gehören. Der Grund: das umstrittene Fracking. Die Ölförderung aus Schiefergas sorgt für einen Ölboom in den USA. Allein die sinkende Nachfrage aus den USA reicht bereits, um den Ölmarkt weltweit zu stabilisieren.

Gleichzeitig gehen Experten davon aus, dass weniger Schwankungen im Markt dazu geführt haben, dass sich Spekulanten und Hedgefonds, aber auch Finanzinvestoren stärker aus dem Markt zurückgezogen haben und den Handel so weniger beeinflussen. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft bei wichtigen Ölkonsumenten wie China nicht mehr so rund läuft wie noch vor ein paar Monaten.

Dennoch rechnen Beobachter nicht damit, dass der Preis deutlich unter die 100 Dollar-Marke fallen wird. Zum einen dürfte die Nachfrage mit der beginnenden Heizsaison in den Industrieländern wieder steigen. Zudem ist damit zu rechnen, dass Ölförderländer wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuweit zusammenschließen und gemeinsam nachhelfen. Sobald sie sich auf eine geringere Fördermenge einigen, würde das den Preis wieder antreiben.

Trendwende im Energiemarkt Goodbye, Öl

Es ist eine historische Zäsur: Die Industrienationen verbrauchen immer weniger Erdöl, in den Schwellenländern steigt die Nachfrage längst nicht mehr so schnell. Was steckt hinter der Abkehr vom schwarzen Gold?

Quelle: dpa

Rekordernten drücken Preise

Nicht nur Öl ist ausreichend vorhanden. Rekordernten sorgen allseits für niedrige Rohstoffpreise. Der frühe warme Sommer hat nicht nur bei hiesigen Gemüsebauern die Lager gefüllt. Der Preis für Weizen hält sich bereits seit über einem Monat auf seinem niedrigen Stand, aktuell kostet ein Scheffel 557 Cent, rund 13 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Eine ähnliche Entwicklung gab es beim Mais, hier kostet ein Scheffel 370 Cent.

Bemerkenswert ist das vor allem, da zunächst Sorgen aufkamen, der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine könnte die Ernte beeinträchtigen. Immerhin exportieren Russland und die Ukraine zusammen immerhin 20 Prozent des weltweiten Weizens. Gleichzeitig ist die Ukraine einer der größten Produzenten von Mais. Dank den hohen Erntemengen spielt die Krise allerdings lediglich eine untergeordnete Rolle.

In Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Ernteschätzung zuletzt angepasst und geht mittlerweile von einer Getreideernte von rund 50 Millionen Tonnen aus. Allerdings weise der Weizen vergleichsweise niedrige Proteinwerte auf, teilte der Verband mit.

Wird Nutella teurer?

Nicht so gut sieht es dagegen bei der Haselnussernte aus. Denn das Frühjahr an der türkischen Schwarzmeerküste fiel in diesem Jahr sehr regnerisch aus. Und dort wachsen weltweit die meisten Haselnüsse. Das schlechte Wetter hat einen Teil der Ernte zerstört, türkische Landwirtschaftskammern rechnen lediglich mit 370.000 Tonnen Haselnüssen in diesem Jahr. 2013 waren es noch mehr als 500.000 Tonnen. Allein diese Prognosen ließen zuletzt die Preise steigen.

weitere Artikel

Die Folgen davon könnten bald auch auf den deutschen Frühstückstischen zu spüren sein. Denn ein großer Teil der exportierten Nüsse wird in der Süßwarenindustrie verwendet. Größter Abnehmer in Deutschland ist Ferrero. Dort landen die Haselnüsse vor allem in Nutellagläsern, Rocher oder Hanuta-Schnitten. Allein Nutella hat einen Haselnussanteil von 13 Prozent.

Bisher wollte sich Ferrero noch nicht dazu äußern, ob die schlechte Ernte in der Türkei die Preise für den Frühstücksaufstrich in die Höhe treiben könnten. Allerdings überlegt der Nutella-Hersteller offenbar, stattdessen Nüsse aus der USA zu kaufen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%