Ölbranche zittert: Auch 2016 im Zeichen des Preisverfalls?

Ölbranche zittert: Auch 2016 im Zeichen des Preisverfalls?

Trübe Aussichten für die Ölindustrie: Ein Ende der Ölschwemme ist nicht in Sicht, die Hoffnung auf steigende Preise zuletzt wieder geschwunden. Das ist vor allem für die Fracking-Branche eine große Bedrohung.

Der Preisverfall am Ölmarkt hat der Förderindustrie in diesem Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gewinne der Ölmultis wie Shell, BP und Exxon brachen ein, noch heftiger traf es die Fracking-Firmen und ihre Zulieferer in den USA. Dennoch schlug sich die Branche besser als erwartet - die von Analysten prognostizierte Pleitewelle blieb bislang aus.

Doch die Aussicht auf 2016 macht den Unternehmen wenig Mut. Experten gehen davon aus, dass die Leidenszeit andauern wird.

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„Die Stimmung am Markt hat erneut zum maximalen Pessimismus gedreht - die Rede ist wieder vom 20-Dollar-Ölpreis“, heißt es im Ausblick des Analysehauses Energy Aspects. Zuletzt kostete das Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte WTI rund 40 Dollar - fast nur halb so viel wie vor einem Jahr.

Hauptgrund für den Preisverfall ist die massive Überversorgung der Weltwirtschaft. Das Opec-Ölkartell mit Saudi-Arabien an der Spitze und die US-Fracking-Industrie pumpen im Kampf um Marktanteile um die Wette. Die Opec wird - so machten ihre Ölminister in einer Sitzung am vergangenen Freitag klar - zunächst an der Förderpolitik festhalten.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

  • Beginne der Ölförderung

    Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

  • Vollgas mit Benzin

    Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 20. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

  • Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

    In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

  • Goldene Zeitalter des billigen Öls

    Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

  • Erste Ölkrise

    In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

  • Preisexplosion während des Golfkriegs

    Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

  • Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

    Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

  • Ein rasanter Anstieg

    Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg wist der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt.

  • Ölpreis 2015

    Die globale Finanzkrise und eine schwächelnde Konjunktur sorgen für einen Rückgang der Nachfrage. Gleichzeitig bleibt das Angebot durch die massive Förderung in den USA (Fracking) hoch. Die Folge: Der Ölpreis bricht ein. Ab Sommer 2014 rutscht der Preis für Brentöl innerhalb weniger Monate um rund 50 Prozent auf 50 Dollar. Erst im Februar 2015 erholte sich der Ölpreis leicht und schwankt um die 60 Dollar je Barrel.

  • Ölpreis heute

    Im Mai 2015 hatten sich die Ölpreise zwischenzeitlich erholt. Die Sorte Brent erreichte mit einem Preis von 68 US-Dollar je Barrel ein Jahreshoch. Von da aus ging es bis September des Jahres wieder steil bergab auf 43 Dollar. Nach einer Stabilisierung zwischen September und November nahm der Ölpreis seine wieder Talfahrt auf. Am 15. Januar hat der Ölpreis die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Nicht ganz so tief sieht die Weltbank den Ölpreis im kommenden Jahr. Sie prognostiziert für 2016 einen durchschnittlichen Preis von 51 Dollar pro Barrel. Damit würde er einen Dollar unter dem erwarteten Durchschnittspreis für 2015 liegen.

Für große Teile der Ölindustrie stellen solche im Vergleich zu den Vorjahren extrem niedrigen Niveaus allerdings schon große Probleme dar. Zudem gebe es Risiken bei der Prognose, warnt die Weltbank.

So dürfte das Angebot hoch bleiben, denn mit dem Iran kommt ein wichtiger Förderer zurück auf den Markt. Nachdem sich Teheran mit dem Westen auf einen Kompromiss zum Nuklearprogramm geeinigt hat, kann die Ölförderung wieder kräftig hochgefahren werden. „Nach dem Ende der Sanktionen ist es unser Recht, sofort wieder zum Produktionslevel zurückzukehren, das wir im historischen Durchschnitt hatten“, hatte Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh Anfang September gesagt.

Zudem könnten die Ölpreise im nächsten Jahr auch durch eine Abschwächung der Weltwirtschaft unter Druck geraten, die den Energiebedarf dämpft. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge stellen die drastisch gesunkenen Rohstoffpreise eines der größten Risiken für die Konjunktur dar. Zwar profitieren Länder wie Deutschland von dem Preisrutsch, doch global gibt es zahlreiche Verlierer.

Vor negativen Folgen anhaltend niedriger Ölpreise warnt auch die Internationale Energieagentur (IEA). „Niedrigere Preise sind nicht nur gute Nachrichten für Verbraucher“, heißt es im Jahresbericht der Energieagentur. So bestehe das Risiko, dass notwendige Investitionen in die Ölförderung unterblieben. Darüber hinaus könne sich die Abhängigkeit von Ölproduzenten aus dem Nahen Osten erhöhen, deren Förderkosten besonders niedrig seien.

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Auf Länderebene leiden unter den niedrigen Ölpreisen vor allem Venezuela, der Irak oder Nigeria. Aber auch die Ölriesen im Westen sind unter Druck. Der Preisverfall verhagelt den Branchenriesen die Bilanzen. Im letzten Quartal stürzten die Gewinne bei Exxon, Chevron, Eni und BP weiter ab - bei Shell fiel sogar ein Milliardenverlust an. Die Konzerne reagieren mit heftigen Ausgabenkürzungen - Tausende Stellen, Investitionen und Förderprojekte werden gestrichen.

Während Schwergewichte wie Exxon noch Spielraum für Sparmaßnahmen haben und bisher trotz aller Probleme weiter Milliarden verdienen, stellt der Preisabsturz für kleine Fracking-Firmen ein existenzielles Risiko dar. Bislang hält sich die Branche zwar noch überraschend gut - der technische Fortschritt ermöglicht eine effizientere Förderung, mit der flexibler auf Preisschwankungen reagiert werden kann.

Doch viele Unternehmen sind hoch verschuldet und agieren am Limit. Anleihen werden fällig und neue Kredite teurer. „Diese Ölkrise wird die Energieindustrie für immer verändern“, meint Christopher Helman, Chef der Investmentfirma Chrysalix Energy Venture Capital.

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