Ölpreis, China und die Börse: Die Welt wird für Anleger ungemütlicher

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Kolumne

Für die schlechte Börsenentwicklung zum Jahresauftakt gibt es viele gute Gründe. Dabei hat der Markt noch nicht einmal alle berücksichtigt. Trotzdem gibt es noch keinen Grund zur Panik. Eine Kolumne.

Es gab in der jüngeren Vergangenheit kaum ein Jahr, das mit so vielen Krisen gestartet ist. In Europa haben wir die Flüchtlingskrise und eine zunehmende Abwendung von den europäischen Gemeinsamkeiten. In Großbritannien droht sogar der Austritt aus der EU – der Brexit. Weltweit ist es vor allem der Konflikt im Nahen Osten, der die Weltgemeinschaft immer mehr in Bedrängnis bringt. Jede dieser Entwicklungen hat das Potenzial zu eskalieren und die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft deutlich zur drücken. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Weltbörsen einen der schlechtesten Jahresauftakte hatten und kräftig gefallen sind. Jedoch war es nicht die Gesamtheit der aufgezählten Krisen, die zu den Kursstürzen geführt haben. Es waren zunächst nur der chinesische Aktienmarkt sowie der schier abstürzende Ölpreis.

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Stefan Bielmeier Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Die Entwicklung des Ölpreises kann man auf zwei Weisen interpretieren. Zum einen könnte der fallende Ölpreis ein Indiz sein, dass die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft sich in den letzten Monaten deutlich abgeschwächt hat. Oder: Die rückläufigen Ölpreisnotierungen sind Ausdruck der massiven Überproduktion auf den weltweiten  Ölmärkten. Ich selbst tendiere zur zweiten Alternative.

Saudi Arabien versucht seine Markteinteile auszuweiten

Warum? Die Konjunkturdynamik in den Industrieländern hat sich bislang nicht merklich verlangsamt. Das Wachstum der Schwellenländer befindet sich zwar auf einem sehr niedrigen Niveau. Aber auch hier stabilisieren sich die Märkte gerade wieder. Das alles spricht gegen eine nachlassende weltweite Wachstumsdynamik. Dagegen leidet der Ölmarkt unter einer massiven Überproduktion. Das Ölkartell der OPEC funktioniert nicht mehr. Insbesondere Saudi Arabien trägt zu einer hohen Überschussproduktion an Rohöl bei. Damit versucht das Land seine Marktanteile auszuweiten.

Ein weiterer Grund für die fallenden Ölpreise sind die vor wenigen Tagen aufgehobenen Iran Sanktionen. Damit kann Iran nun wieder Öl exportieren und die Überversorgung der Märkte nimmt weiter zu. Dies wird in den Rohölpreisen bereits diskontiert. Die Marktreaktion auf den zunehmenden Konflikt zwischen Saudi Arabien und den Iran bestätigt die These, dass der niedrige Ölpreis hauptsächlich von einer Überversorgung an Rohöl verursacht wird. Als der Konflikt offenbar wurde, sind die Ölpreise weiter gefallen und nicht wie sonst üblich gestiegen. Die Logik hinter dieser Preisreaktion war, dass mit dem Konflikt zwischen den beiden Ländern eine Einigung innerhalb der OPEC weiter an Wahrscheinlichkeit verloren hat.

Somit ist aus meiner Sicht der Hauptgrund für den sehr niedrigen Ölpreis ein Zuviel an Öl und nicht eine nahende Rezession der Weltwirtschaft. Diese Sichtweise hat wichtige Implikationen für die Erwartungen über die weitere Entwicklung der Finanzmärkte.

Ganz wichtig: Ein niedriger Ölpreis stärkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und Unternehmen. Damit wirkt der niedrige Ölpreis wie eine globale Steuersenkung. Die real steigende Kaufkraft wird im aktuellen Zyklus teilweise zum Schuldenabbau verwendet, eine Entwicklung die sehr positiv zu bewerten ist. Zum anderen Teil wird aber auch der private Konsum gestärkt. Diese Entwicklung kann man bereits an der kräftigen Dynamik des Konsums in den Industrieländern ablesen, der in 2015 erheblich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beigetragen hat. Diese positive Entwicklung dürfte sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen. Sie wird von den Aktienmärkten zurzeit noch deutlich unterschätzt und kann in den kommenden Monaten zu positiven Überraschungen an den Aktienmärkten führen.

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3 Kommentare zu Ölpreis, China und die Börse: Die Welt wird für Anleger ungemütlicher

  • Zusammengenommen sieht Herr Bielmeier keine Gründe, jetzt in Panik zu verfallen. Das sehen die Großanleger doch schon völlig anders. Dabei hat er noch das Komma vergessen.
    Die EIA hat am Dienstag eingeschätzt, das ca. 1,5 Mio. Barrel täglich zu viel Öl gefördert wird. Das sind weniger als 1,5 Prozent der Tagesförderung. Diese 1,5 Prozent zu viel sind dann dafür verantwortlich, dass der Ölpreis um 80 oder 90 Prozent sinkt. Nach welcher Volkswirtschaftslehre will man das begründen können?
    Das Öl fließt wohl ganz einfach so aus der Erde? Man muss es gar nicht pumpen oder mit Druck aus der Erde treiben? Der Ölfluss lässt sich gar nicht bremsen, oder?
    Wie viel mehr Öl wird verbraucht, wenn die Weltwirtschaft um 3 Prozent wächst? Wie viel Öl braucht China mehr, wenn es um 6 Prozent wächst. Wie viel Benzin brauchen die Chinesen mehr, wenn sie 25 Mio. zusätzliche Autos kaufen? Will man den Lesern erklären, dass die überhaupt nicht mehr Öl und Benzin brauchen, sondern weniger und damit das ungebremste Überangebot weiter steigern bis Öl kostenlos abgegeben wird? (n-tv)
    Sind die Kreditausfälle in der Frackingindustrie Auslöser für die nächste Weltfinanzkrise? Was meint denn der Chefökonom? Der sieht keine Gründe zur Panik, wo alle Welt nur noch Panik sieht.


  • "Für die schlechte Börsenentwicklung ... git es viele gute Gründe."
    Welche G U T E N Gründe für S C H L E C H T E Börsenentwicklung will eine Bank ihren Kunden erzählen? So einer Bank darf man doch sein Geld nicht geben.

  • Die Entlastung der Konsumenten und Unternehmen durch niedrige Ölpreise wird überschätzt. Das hat sich bereits 2015 gezeigt und wird auch 2016 wieder deutlich werden. Die Indizes an den Börsen sind 2015 noch leicht angestiegen, weil die Zentralbanken Stützungskäufe für einige ausgesuchte amerikanische Titel durchgeführt haben und weil die Aktienrückkaufprogramme der US-Firmen einen Rückwind erzeugt haben. Die Börsenentwicklung 2016 hängt daran, ob diese Sonderfaktoren noch fortbestehen. Im Moment sieht es weniger danach aus. Die Schwerkraft zieht derzeit die Indizes aus der Sphäre der Überbewertung in realistischere Bereiche. So lange Unternehmen wie Amazon mit dem fast 900 fachen des Jahresgewinnes bewertet sind, ist viel Luft nach unten.

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