Ölpreis: Das Risiko einer globalen Ölkrise steigt

Ölpreis: Das Risiko einer globalen Ölkrise steigt

Die niedrigen Ölpreise sorgen für Wachstum, Verbraucher fahren wieder gerne an die Tankstelle. Ewig wird das nicht so bleiben: Forscher warnen vor einem steilen Preisanstieg am Ölmarkt.

Aktuell ist der niedrige Ölpreis einer der wichtigsten Treiber der Konjunktur. An den Tankstellen freuen sich Verbraucher über billigeres Benzin. Laut einer Studie, die das Hamburger Beratungsunternehmen EnergyComment im Auftrag der Grünen erstellt hat, könnte es damit aber ruckartig zu Ende sein. Die Forscher warnen vor einer globalen Ölpreiskrise.

Je länger die Niedrigpreisphase am Ölmarkt andauere, desto größer würden mittelfristig die Preisrisiken, heißt es in der Studie, die am Freitag veröffentlicht wird. Über den Zeitpunkt des Preisanstiegs wollten die Forscher nichts sagen. Lediglich dass er durchaus kräftig ausfallen könne, sei absehbar.

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Flüssiggas: Fakten über die Fracking-Alternative

  • Was ist Flüssiggas?

    In Europa wächst die Sorge, die Ukraine-Krise könnte die Versorgung mit russischem Erdgas gefährden. Daher setzen viele Länder auf verflüssigtes Erdgas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas). Auf –160 Grad Celsius gekühlt, lässt es sich problemlos transportieren. Doch noch mangelt es an effizienten Verflüssigungsanlagen auf dem Meer und an Land sowie an Tankschiffen – und auch der Preis muss stimmen.

  • Wie wird Flüssiggas gewonnen?

    Riesige Bohrschiffe – größer als Flugzeugträger – holen das Erdgas aus dem Meer, verflüssigen es und pumpen es in Tanker. Eines der ersten wird in Südkorea gebaut und soll 2016 vor Australien seinen Betrieb aufnehmen.

  • Wie sehen die LNG-Tanker aus?

    Moderne LNG-Tanker nutzen Erdgas als Brennstoff für den Motor. Ein Schiff kostet rund 220 Millionen Dollar. Es fasst 150.000 Kubikmeter, das deckt den Jahresbedarf von 73.000 Einfamilienhäusern

  • Wie viele Tankschiffe gibt es?

    Wollte Europa 2020 gänzlich auf russisches Erdgas verzichten, wären weitere 87 LNGTanker nötig. Das Problem: Nur eine Handvoll Werften weltweit baut diesen Schiffstyp.

    2014: 3920 Tankschiffe

    2020: 4790 Tankschiffe

  • Wer exportiert Flüssiggas?

    237,7 Millionen Tonnen Flüssiggas wurden 2012 international gehandelt. Nur 48,4 Millionen Tonnen gingen nach Europa, fast der gesamte Rest landete in Asien. Hauptexporteure sind Katar, Algerien, Nigeria, Malaysia, Indonesien, Trinidad und Russland. Spätestens ab 2020 wollen auch.

    Australien und die USA verstärkt Flüssiggas exportieren. Angaben in Millionen Tonnen pro Jahr

  • Wie gleangt das Gas zu den Verbrauchern?

    In rund 40 europäischen Häfen gibt es Terminals, die aus flüssigem Erdgas wieder gasförmiges machen. Deren Kapazität genügt auch für weiter steigende Importmengen. Durch Pipelines gelangt das Gas zu den Verbrauchern.

  • Wie teuer ist Flüssiggas in Deutschland?

    Bereits heute ist Flüssiggas in Deutschland ähnlich teuer wie russisches Erdgas.

    2014

    LNG: 10 US-Dollar pro Energieeinheit*

    Russisches Gas: 10,9 US-Dollar pro Energieeinheit*

    2020

    LNG: 10-12 US-Dollar pro Energieeinheit*

    Russisches Gas: 10,9 US-Dollar pro Energieeinheit*

    *Million British Thermal Units, entspricht rund 293 kWh

Gründe für die Warnungen der Forscher gibt es mehrere. Zum einen führten die aktuell niedrigen Preise zu drastischen Kürzungen bei den Investitionen der Ölförderer. Dies könne dazu führen, dass wichtige Ölvorkommen nicht mehr erschlossen werden. Dazu zähle auch die Förderung von Schieferöl (Fracking) in den USA. Es bestehe die Gefahr, dass für teure Investitions- und Förderprojekte in Zukunft nicht genug Geld da sei, beziehungsweise genehmigt werden könnte.

Der Ölpreis ist in den vergangenen zwölf Monate um mehr als 40 Prozent eingebrochen, der Preis je Barrel liegt weiterhin unter der Marke von 60 Dollar. Zuletzt gab es beim Ölpreis zwar eine Bodenbildung, die hohen Preise der Vergangenheit sind aber in weiter Ferne. Grund für den Preiseinbruch war unter anderem das hohe Angebot auf den Weltmärkten. Da in den USA immer mehr gefrackt wurde, hatte sich die Ölmenge deutlich ausgeweitet.

Angesichts der gesunkenen Preise lohnt sich die Ölförderung aber immer weniger. Viele Förderprojekte sind erst ab einem Ölpreis von weit über 70 Dollar rentabel. Schon jetzt wird erwartet, dass die Produktionsmengen beim Fracking in den kommenden Monaten deutlich sinken werden.

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Das Problem: während die Investitionen und Produktionsmengen zukünftig sinken dürften, steigt die globale Nachfrage. Das liegt zum einen am globalen Wachstum - die Zahl der Autos in den Schwellenländern wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen -, zum anderen befeuern niedrige Preise auch den Verbrauch, gerade bei Benzin könnte die Nachfrage also steigen. Die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, geht davon aus, dass der globale Bedarf von derzeit rund 90 Millionen Barrel am Tag auf 108,5 Millionen Barrel 2035 steigt.

Alles deutet also darauf hin, dass die Nachfrage irgendwann das Angebot übersteigen wird. Laut Schätzungen der Investmentbank Goldman Sachs könnte schon 2025 eine Lücke von 7,5 Millionen Barrel am Tag entstehen. Das würde die Preise wieder bedenklich steigen lassen. Die entspannten Fahrten zur Tankstelle wären dann erstmal vorbei.

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