Permanente Crash-Gefahr: Das Ende der freien Märkte

KommentarPermanente Crash-Gefahr: Das Ende der freien Märkte

von Frank Doll

Nullzins-Politik, Marktmanipulationen, Insidergeschäfte – die Finanzmärkte werden dominiert von Notenbanken und ihren Günstlingen. Der Rest der Gesellschaft schaut in die Röhre - die Gefahr für Anleger wächst.

Es gibt keine freien Märkte mehr. Dafür gesorgt hat die Finanzkrise und die Maßnahmen, mit denen Regierungen und Notenbanken auf diese reagiert haben. Nur Naive glauben noch an die freie Marktwirtschaft und Chancengleichheit an den Finanzmärkten. Tatsächlich hat eine eng mit der Politik vernetzte Finanzelite, die ungeheure Profite in der Finanzkrise erzielt, das Regiment übernommen. Möglich macht das der Cantillon-Effekt: Von Notenbanken auf Knopfdruck geschaffenes Geld verteilt den Wohlstand um, weil das frische Geld zuerst bei denen ankommt, die den Notenbanken nahe stehen, während der Rest der Gesellschaft verliert. Der nach dem irisch-französischen Ökonomen Richard Cantillon benannte Effekt ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt - und aktuell wie nie zuvor. Cantillons Feststellung, dass sich die Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch gleich über alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft verteilt, ließ sich in den vergangenen Jahren vor allem in den USA beobachten.

Moralisch fragwürdige Schritte

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Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Februar 2009 hatte die US-Notenbank Fed die Geldmenge durch Kapitaltransfers in die weltweit systemwichtigen Banken dramatisch erhöht. Das billige Geld der Notenbank versetzte die eigentlich insolventen Banken in die Lage, die tief gefallen Kurse an den Aktienmärkten für Käufe zu nutzen. Innerhalb weniger Monate erholten sich die Aktienkurse an der Wall Street um etwa 50 Prozent.

Infografik Der lange Weg der Finanzkrise

Bankenpleiten, Währungsturbulenzen, ganze Staaten taumeln - die Schuldenkrise hält die Welt in Atem. Doch wie kam es dazu? Unsere interaktive Grafik zeigt die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Jahre.

Infografik Der Weg der Finanzkrise

Die Rettung der Banken war die größte Vermögensumverteilung in der Geschichte der Menschheit. Mit jeder neuen, akademisch als „Quantitative Easing“ (QE) bezeichneten Liquiditätsrunde wurden die Anlagenpreise aufgeblasen. Das machte all jene leistungslos reicher, die mit diesen Anlageklassen in Verbindung standen - moralisch höchst fragwürdig, aber noch legal.

Notenbanken und Regierungen greifen aber auch weniger legal in das Marktgeschehen ein. Die dadurch für Anleger entstehenden Verluste gehen in die Milliarden und wären eigentlich ein Fall für die Gerichte. Doch wer legt sich schon an mit Notenbanken und Regierungen?

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28 Kommentare zu Permanente Crash-Gefahr: Das Ende der freien Märkte

  • Leider wieder einmal sehr treffend formuliert und dargestellt.

    Die Notenbanken retten Banken und Staaten und garantieren der Weiterfinanzierung. Ganz ohne Markt oder nur mit ganz wenig. Die USA befinden sich in einer Schwächephase, die FED hat riesige Volumen an Staatsanleihen aufgekauft, einige US-Bundesstaaten sind völlig handlungsunfähig geworden.

    In der Eurozone läuft die EZB seit 2007 im Dauernotbetrieb. Über LTRO, ELA, Target II, SMP, OMT und Dauerniedrigstzinsen wird die Eurozone künstlich beamtet und am Leben erhalten. Trotzdem steckt die Südschiene in der Rezession, eine Trendwende ist kaum zu erwarten. Die Defizite steigen, die Arbeitslosigkeiten ebenso und deren Bankensektor ist äußerst fragil mit einem gewaltigen Abschreibungspotential. Die ökonomischen Ungleichgewichte werden über die EZB und über die Fonds EFSF, EFSM und ESM ausgeglichen. Auch ganz ohne Markt oder fast ganz ohne.

    Eine tragfähige, glauwürdige und dauerhafte Lösung ist dabei nicht zu erkennen. Die Wettbewerbs- und Überschuldungsfalle des Euro hat die Märkte, die Volkswirtschaften, die Eurostaaten und die Banken fest im Griff. Die Anzahl der Krisengipfeltreffen steigt, die EZB hat fast ihr gesamtes Arsenal an Möglichkeiten eingesetzt und damit lediglich etwas mehr Zeit erkauft, sehr teuer erkauft zu Lasten der Geld- und Währungsstabilität.

  • Freie Marktwirtschaft war immer nur eine Illusion.
    Spätestens seit der Übernahme der Landwirtschaft durch die EU ist der Eingriff von
    Interessengruppen auf freies Wirtschaften offensichtlich.
    Solange ein Monopol beim Geldsystem und somit auf die Steuerung der Geldmenge ohne Kontrolle besteht, bleibt ein freier Markt Wunschdenken.
    Für freie Märkte müssen wir
    RAUS AUS EURO und
    RAUS AUS EU

  • Frank Doll und Bettina Röhl - das sind die beiden WiWo-Autoren, die Glaubwürdiges schreiben.
    Das Schöne ist offenbar, daß sich nur Wenige von dem Gold-Kurseinbruch haben beeindrucken lassen, sondern den günstigen Tarif genutzt haben, zuzukaufen. Der finanzpolitische Pfad ist mittlerweile derart schmal, daß ein falscher Tritt fast zwangsläufig im Morast endet. Allein die Tatsache, daß Merkel & Co. (ein Steinbrück aber in gleicher Weise) diesen Tanz auf dem Vilkan weiter decken, anstatt die Schuldigen beim Namen zu nennen und die Verantwortlichen hart an die Kandare zu nehmen, zeigt, wie marode und krank dieses System geworden ist. Die Politik ist zum Erfüllungsgehilfen der Banken-Mafia geworden. Und damit nicht mehr wählbar.

    Ich bin zwischenzeitlich der Ansicht, daß das Steuer nicht mehr herumgerissen werden kann, auch nicht von einer AfD. Aber sie wäre immerhin eher als die Etablierten ein Garant, daß das Ganze nach dem Big Bang schneller wieder in (anders) geordnete Bahnen gelenkt werden kann.

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