Personen als Geldanlage: Die Ich-Aktie als Investmentchance

Personen als Geldanlage: Die Ich-Aktie als Investmentchance

von Sebastian Kirsch

Studenten und Sportler statt Gold oder Aktien: Wie Anleger in Menschen investieren, was für sie dabei herausspringt. Und warum Menschen sich überhaupt als Investment anbieten.

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Kein Investment in ein Unternehmen, einen Markt oder einen Sachwert, sondern eine Ich-Aktie: Ist ein Mensch an sich eine lohnende Geldanlage?

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Paragraf 6.1: Drei Mal wöchentlich haben sexuelle Handlungen zu erfolgen.

Paragraf 7.2.1: Das Paar wird täglich Zähne putzen und Zahnseide benutzen.

Paragraf 11.1: Das Paar wird die Aktionäre einen Monat vor einem geplanten Ende der Beziehung informieren.

Auf fünf Seiten haben Michael Merrill und Marijke Dixon beschrieben, wie sie ihre Beziehung führen wollen. Das wirkt wie ein skurriler Ehevertrag. Dahinter steckt aber noch viel mehr: Denn Merrill musste den Vertrag und somit auch seine Beziehung zu Marijke genehmigen lassen – von seinen Aktionären.

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Aktienkurs von Softwaredesigner Mike Merrill (zur Vergrößerung bitte anklicken)

Nicht Aktionäre seines Unternehmens, sondern „seine“ Aktionäre im Wortsinn bekamen hier ein besonderes Stimmrecht. Mike Merrill hat im Januar 2008 Aktien ausgegeben – Anteile an sich selbst, die er über eine eigene Börsenplattform im Internet handeln lässt. Rund 2000 Personen besitzen ihn jetzt. Mit großer Mehrheit stimmten sie dem Beziehungsvertrag mit seiner Freundin zu. Der gilt noch bis Juni 2015, soll dann aber erneuert werden.

Ein Leben in Aktienanteilen

Bis zu 100.000 Aktien kann Merrill ausgeben, jede hatte ursprünglich einen Dollar Nennwert. Bisher hat er gut 7000 Aktien an Aktionäre verkauft, „je nach Nachfrage“ erhöht er das Kapital – sprich: die Anzahl der ausgegebenen Aktien. Sein persönlicher Börsenwert liegt aktuell bei rund 26.000 Euro. In der Spitze war Merrill umgerechnet über 100.000 Euro wert. Nachdem er sich und seine Aktie 2013 in einer US-Talkshow präsentiert hatte, rissen sich neue Aktionäre um seine Anteilsscheine, das Interesse flaute anschließend aber wieder ab.

Der 37-jährige Merrill lebt in Portland im Nordwesten der USA. Die Zentrale des Sportartikelvermarkters Nike ist gleich um die Ecke, die Zwei-Millionen-Metropole im Bundesstaat Oregon gilt als eines der kreativsten und innovativsten Zentren der USA. Merrill, gelernter Softwaredesigner, treibt hier seine eigene Finanzinnovation voran. Aus dem simplen Schuldschein, der in den USA als „I owe you“ bezeichnet wird („Ich schulde dir“) machte Merrill ein „I own you“ – „Ich besitze dich“. Bis auf eine Lebensversicherung über 100.000 Dollar bietet er seinen Anlegern keine Sicherheiten. „Sie müssen mir vertrauen.“

Um dieses Vertrauen zu erhalten, setzt er auf totale Transparenz, bis hin zum Informations-Overkill: Wöchentlich schreibt er Aktionären, wie viele Schritte er gelaufen ist, wie viele E-Mails er verschickt hat. Er postet Videos, kommentiert auf Facebook und Twitter. Und kümmert sich um sein Äußeres, will als Börsen-Mann auch entsprechend etwas hermachen: „Ich habe mittlerweile ein schlechtes Gewissen, wenn ich ohne Krawatte aus dem Haus gehe“, sagt er. „Ich bin doch Mike Merrill, börsennotiert. Da bin ich es meinen Inhabern schuldig, auch so aufzutreten.“

Die größten Fehler der Anleger

  • Risikotoleranz

    Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

  • Übertriebene Zuversicht

    An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

  • Kurzfristiges Denken

    Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

  • Verlustaversion

    Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

  • Verdrängen

    Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

    Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

2013 ließ er seine Aktionäre darüber abstimmen, ob er seinen sicheren Job bei einer Softwarefirma behalten oder sich mit einem eigenen Projekt selbstständig machen sollte. Seine Aktionäre stimmten für die Selbstständigkeit. „Ich hatte wirklich Angst!“, erinnert sich Merrill. „Aber rückblickend war es die richtige Entscheidung“, sagt er. „Vielleicht hätte ich sie ohne den Druck meiner Aktionäre gar nicht oder nicht so schnell durchgezogen.“ Einzig ein Arbeitskollege seiner alten Firma habe gegen die Selbstständigkeit gestimmt. „Er wollte nicht, dass ich ihn allein im Büro zurücklasse.“ Mit seiner neuen Firma Chroma konnte Merrill sich schon einen Auftrag von Nike sichern. Er verdiene mittlerweile genauso viel wie im vorherigen Job. Als Gründer hofft er natürlich, mit seinem Unternehmen reich zu werden.

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