Polleit, Leber und Co. zur Geldanlage : "Der arme Sparer verliert sein Geld"

InterviewPolleit, Leber und Co. zur Geldanlage : "Der arme Sparer verliert sein Geld"

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Blick nach vorn: Anlageexperten beim Investmentgipfel (von links): Hauke Reimer (WirtschaftsWoche), Christoph Bruns (Loys), Jens Ehrhardt (DJE Kapital), Hendrik Leber (Acatis Investment) und Thorsten Polleit (Polleit & Riechert, Degussa)

von Sebastian Kirsch

Die Zeit des billigen Geldes ist längst nicht vorbei. Welche Folgen hat das für die Wahl der richtigen Geldanlage? Was die Fondsmanager Christoph Bruns, Jens Ehrhardt, Hendrik Leber und Thorsten Polleit dazu sagen und wo sie Chancen sehen.

WirtschaftsWoche: Weltweit fluten die Notenbanken den Markt mit billigem Geld und treiben die Aktienkurse. Ist da ein Ende abzusehen?

Jens Ehrhardt: Es gibt keine Rückkehr zur Normalität. In Japan funktioniert jetzt schon nichts mehr, ohne dass die Zentralbank nachhilft.

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Thorsten Polleit: Die Herabsetzung des Zinses ist wie eine Droge. Sie gibt erst mal Anschub und scheint Probleme zu lösen, macht sie aber nur größer. Ich bin positiv eingestellt gegenüber dem Aktienmarkt, weiß aber sehr wohl, dass diese Ultraniedrigzins-Politik, aus der es kein Zurück mehr gibt, für dramatische Fehlverteilung von Kapital sorgen wird.

Die Teilnehmer des Roundtable

  • Christoph Bruns

    Bruns ist Fondsmanager beim Vermögensverwalter Loys.

  • Jens Ehrhardt

    Ehrhardt ist Fondsmanager und Vermögensverwalter und gründete 1974 die Vermögensverwaltung DJE Kapital.

  • Hendrik Leber

    Leber ist Fondsmanager und geschäftsführender Gesellschafter beim Value-Investor Acatis Investment.

  • Thorsten Polleit

    Polleit ist Chefvolkswirt beim Goldhändler Degussa und Mitgründer von Polleit & Riechert Investment Management.

Das heißt?

Polleit: Nicht jeder Aktienkurs, der steigt, spricht dafür, dass das Unternehmen auch langfristig erfolgreich sein wird. Momentan scheint das Geld der Notenbanken die Krise zu entspannen, aber es bauen sich ganz neue Risiken auf. Man ist dabei, das Geld kaputt zu machen, alte Regeln gelten nicht mehr. Ich habe gerade von der Bank, die meinen Fonds verwaltet, die Information bekommen, dass alle Giroguthaben mit 0,25 Prozent strafbesteuert werden.

Ehrhardt: Für einige Konten unserer Fonds hat man uns das auch schon angedroht. Wenn wir unser Bargeld auf den Konten nicht wegräumen, müssen wir zahlen.

Die beliebtesten Anlageprodukte

  • Wer hat gefragt?

    Im Auftrag der österreichischen Walser Bank hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov 1000 Anleger nach ihren bevorzugten Anlageformen gefragt. Stand: Oktober 2012.

  • Platz 7

    Spekulative und hochriskante Anlagen wie Optionsscheine schaffen es mit sechs Prozent der Stimmen nur auf den siebten Platz.

  • Platz 6

    Rund elf Prozent der Stimmen bekommen themenorientierte Anlagen wie Zertifikate für Indizes oder einzelne Börsenwerte.

  • Platz 5

    Auf dem fünften Platz landen vermögenserhaltende Anlagen - bei niedrigen Zinsen ist kein Verlust auch ein Erfolg.

  • Platz 4

    Vermögensverwaltende Anlagen wie an der Börse gehandelte Fonds (ETFs) bekommen immerhin 26 Prozent der Stimmen.

  • Platz 3

    Immobilien gehören zu den klaren Favoriten der Anleger. 33 Prozent der Befragten bevorzugen Investments in Betongold.

  • Platz 2

    Gleichauf mit Immobilieninvestments sind Anlagen in Aktien oder anderen Sachwerten wie Gold.

  • Platz 1

    Sicherheit geht vor: Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) bevorzugen Investments in sicherheitsorientierte Anlagen wie Tages- oder Festgeld und festverzinsliche Wertpapiere.

Wegräumen, das heißt, das Geld wird anderswo investiert?

Ehrhardt: Alle versuchen natürlich bei Strafzinsen, das Bargeld möglichst schnell loszuwerden. Die Gefahr ist, dass viele dann nicht groß nachdenken, wo überhaupt investiert wird.

Hendrik Leber: Gleiches gilt für die Unternehmen; die bekommen das Geld doch zum Nulltarif nachgeworfen. Also schauen sie sich ihren Wettbewerber an und sagen: „Den kaufen wir mal.“ Wir alle werden zu unvernünftigen Handlungen verführt.

Werden auch Privatanleger bei Strafzinsen ihre Gelder von den Konten abziehen und ihr Geld anders investieren?

Leber: Nein. Die sehen keine Alternative zum Konto, sie konsumieren nicht einmal mehr, weil sie in der Wirtschaft keinen Optimismus spüren.

Polleit: Mittlerweile gibt es Ökonomen, die uns weismachen wollen, dass der künftige gleichgewichtige Zins bei minus drei bis vier Prozent liegen soll. Das ist natürlich eine Zerstörung der klassischen Sparinstrumente wie Staatsanleihen, Bankschuldverschreibungen, Sparkonten.

Leber: Es ist, als ob reiner Sauerstoff in die Atmosphäre gepumpt würde. Jeder atmet ihn ein, alles beschleunigt sich, der Stoffwechsel fährt hoch. Das hat Konsequenzen – zum Beispiel der weltweite Run auf Aktien.

Christoph Bruns: Diesen Trend sehe ich in Deutschland nicht. Vielleicht gibt es einen Run auf Immobilien und Mischfonds, aber nicht auf Aktien. Auch nicht in Europa, deshalb sehe ich am Aktienmarkt auch noch keine Probleme.

Helfen Aktien dabei, der schleichenden Vernichtung des eigenen Vermögens zu entkommen?

Ehrhardt: US-Aktien halte ich gerade für die teuersten der Welt. Fonds mit US-Aktien liefen sehr gut, vor allem wegen des steigenden Dollar. Die Erfolgsstory im kommenden Jahr wird für US-Aktien nicht so gut sein wie bisher. Einen großen Crash sehe ich dort aber auch nicht.

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Wir pendeln zwischen zwei dramatischen Szenarien: einer drohenden Abwertung des Geldes, der Inflation, und einer Aufwertung, die als Deflation die Konsumnachfrage stoppen könnte. Wie richte ich mich als Anleger darauf aus?

Leber: Wer Aktien kauft, sollte sich überlegen, ob er die Produkte des Unternehmens braucht, die es herstellt. Ist das der Fall, ist man auch im schwierigen Marktumfeld auf der sicheren Seite. Ein Butterbrot werde ich mir auch morgen noch täglich streichen.

Polleit: Aber kaum jemand handelt und schichtet seine Beteiligungen um. Wir reden doch hier von einer Umverteilung. Der arme Sparer verliert sein Geld durch die Inflation. Die Reichen leisten sich Aktien und Immobilien und werden noch reicher.

Bruns: Aktien sind etwas für kluge Leute, nicht nur für reiche. Fondssparpläne lohnen sich schon ab 25 Euro im Monat. Ich halte die Unternehmen am Aktienmarkt nicht für exzessiv überbewertet. Ich bewundere die Amerikaner. Die lamentieren nicht wie wir Deutschen, sondern sehen neue Chancen, etwa durch Fracking, eine neue Industrialisierung und die Trends im Internet, die sie bestimmen.

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