Preiswerte Aktien: Dax-Konzerne sind günstig wie selten

Preiswerte Aktien: Dax-Konzerne sind günstig wie selten

, aktualisiert 14. November 2011, 14:48 Uhr
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Ein „fair“ bewerteter Dax würde um 50 Prozent höher und damit bei circa 9000 Punkten liegen.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Dank hoher Gewinne und schleppender Kursentwicklungen sind die Börsenwerte einiger Dax-Unternehmen im Verhältnis zum Index heute deutlich preiswerter als in den vergangenen Jahren. Den Anlegern winken hohe Renditen.

DüsseldorfWaren die Aktien im Hochsommer, als der Dax bei 7500 Punkten stand, überbewertet und kurz darauf im Spätsommer, als der Dax auf 5000 Punkte fiel, unterbewertet? Auf den ersten Blick drängt sich dieser Verdacht auf. Einerseits hat es unser wichtigstes Börsenbarometer nach mehreren vielversprechenden Anläufen nicht geschafft, über 7500 Punkte zu springen. Andererseits fiel der Dax nicht einmal inmitten der düstersten Schulden- und Pleiteszenarien nachhaltig unter die Marke von 5000 Punkten.

Anders ausgedrückt: Als alle 30 Dax-Unternehmen im Hochsommer zusammen genommen 850 Milliarden Euro an der Börse kosteten, war dies Anlegern offenbar zu teuer. Sie verkauften. Als die Firmen hingegen bei 5000 Punkten nur noch 568 Milliarden Euro wert waren, hielten die Anleger Deutschlands Großkonzerne für günstig. Sie kauften trotz aller Rezessions- und Banken-Untergangsszenarien.

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Jetzt bei knapp 6000 Punkten, also zwischen diesen Extremen, scheint der Dax vielen angemessen bewertet. Doch ist der Dax tatsächlich mit 7500 Punkten teuer, mit 5000 Punkten billig und irgendwo dazwischen normal bewertet?

Nein. Auf dem derzeitigen Niveau präsentieren sich Deutschlands Aktien preiswert – und das waren sie auch bei 7500 Punkten. Das gilt zumindest dann, wenn jahrhundertealte Finanzmarktregeln noch gelten. Dann nämlich, wenn man Aktien als Anteilsscheine von real existierenden Unternehmen begreift und diese in Relation zu ihren Nettogewinnen und ihrem bilanziell ausgewiesenen Eigenkapital setzt. Das sind zwei ganz wichtige Kennzahlen, um teure von preiswerten Aktien zu unterscheiden.

Konkret bedeutet das: Gemessen an den Nettogewinnen kosten die 30 Dax-Konzerne von Adidas bis Volkswagen derzeit im Durchschnitt neuneinhalbmal so viel, wie sie auf Basis des laufenden Geschäftsjahrs verdienen. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 9,5.


„Fairer“ Dax bei 9000 Punkten

Einige sind teurer, so wie Beiersdorf. Für den Markenhersteller sind Anleger bereit, den 22,6-Fachen Jahresgewinn zu bezahlen. Auch der Dialysespezialist FMC kostet viel. Ursache sind verlässliche Gewinne, hohe Margen und geringe Konkurrenz. Andere sind billiger: Für VW bieten Investoren nur gut fünfmal so viel, wie die Wolfsburger in diesem Jahr netto verdienen. VW ist deshalb so billig, weil viele Anleger damit rechnen, dass die Automobilkonjunktur künftig nicht mehr so stark boomt wie jetzt – dass also VW weniger verdienen wird als 2011. Mehr als zehn Milliarden Euro dürften es diesmal werden, so viel wie noch nie.

Doch insgesamt sind die 30 Dax-Unternehmen im Schnitt um knapp 35 Prozent preiswerter als im Mittel der vergangenen 50 Jahre. Anders ausgedrückt: Um so viel zu kosten wie im langjährigen Durchschnitt, um also nach diesen Regeln „fair“ bewertet zu sein, müsste der Dax um 50 Prozent steigen. Er stände nicht bei knapp 6000, sondern bei 9000 Punkten.

Doch Aktien sind noch aus einem anderen Grund billig. Rasant gestiegene Firmengewinne in diesem und auch schon im letzten Jahr bei gleichzeitig schwacher Börsenentwicklung haben die Marktkapitalisierung bei sieben der 30 Dax-Firmen unter ihren Buchwert, der in etwa dem Eigenkapital entspricht, sinken lassen. Weitere drei Unternehmen – Daimler, RWE und die Telekom – kosten genauso viel, wie sie an Eigenkapital in ihrer Bilanz ausweisen – ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei eins.

Insgesamt sind die Dax-Konzerne derzeit 650 Milliarden Euro wert. Ihr Eigenkapital beträgt zusammen genommen 580 Milliarden Euro – die Börse gewährt also nur einen Aufschlag von gerade mal zwölf Prozent. Üblich ist eine Differenz von gut 50 Prozent zwischen dem Eigenkapital und dem Börsenwert der Unternehmen – in euphorischen Zeiten sind es auch schon mal über 100 Prozent.

Doch wird der Dax aufgrund solcher Rechnungen und Statistiken im nächsten Jahr durchstarten? Schließlich waren Aktien auch in diesem und im vergangenen Jahr schon preiswerter, als sie rechnerisch hätten sein sollen – aber sie stiegen dennoch nicht auf ihr „faires“ Niveau.

Die Schuldenkrise, die ungewissen Ertragsaussichten, wenn die Staaten sparen müssen und die Firmen deshalb weniger verdienen, sind Ursachen, warum Aktien derzeit preiswert sind. Anleger ängstigen sich vor schlechteren Zeiten. „Abschreibungen und Verluste verringern das Eigenkapital. Jetzt billig ausschauende Aktien würden dann teurer. Genau das fürchten die Märkte“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank.


Aktien sind derzeit günstig bewertet

Anders ausgedrückt: Aktien steigen nicht, wenn sie unterbewertet sind, sondern nur, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist – wenn es mehr Optimisten als Pessimisten gibt. Doch daran hapert es, weil zu viele Pessimisten eine schlechtere Zukunft fürchten.

Aber: „Langfristig profitierten Anleger davon, wenn sie dann Aktien kauften, wenn sie unterdurchschnittlich bewertet sind“, sagt Jeff Hochman von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Ist solch ein Zitat nur eine billige Verkaufe eines Fondsmanagers, der davon lebt, dass Anleger Aktien kaufen?

Nicht ganz. Die Geschichte gibt ihm recht. Statistiken für die Wall Street seit 1871 belegen: Wer in der Vergangenheit bei einem Bewertungsniveau eingestiegen ist, wie wir es jetzt erleben, konnte sich zwölf Monate später über einen Realgewinn – also nach Abzug der Inflationsrate – von durchschnittlich 10,6 Prozent freuen. Auf Sicht von fünf Jahren betrug der jährliche Kursgewinn sieben Prozent und auf Zehnjahressicht 7,4 Prozent.

Wer dagegen einstieg, wenn die Firmen mehr kosteten, als es ihrem historischen Mittel entspricht – bei einem Niveau wie in den 90ern –, der musste sich mit weniger Rendite begnügen: auf Sicht von fünf Jahren mit einem Zuwachs von weniger als fünf Prozent jährlich.

Nun muss für die Wall Street nicht zwingend dasselbe gelten wie für den Dax. Doch wie in Deutschland sind auch US- Aktien niedriger bewertet als im langjährigen Durchschnitt. Mehr noch: Berechnungen für den britischen FTSE-Index kommen zu dem gleichen Ergebnis wie an der Wall Street. Die Extreme nach oben und unten sind hier sogar noch größer.

Wenn Aktien so stark unterbewertet waren wie auch jetzt, dann konnten sich Anleger zwölf Monate später über einen Gewinn nach Abzug der Inflationsrate von zwölf Prozent freuen. Auf Sicht von fünf Jahren waren es elf Prozent jährlich. Das ist sogar noch etwas mehr als an der Wall Street. Dagegen bescherten überbewertete Aktien auf längere Sicht stets eine unterdurchschnittliche Performance. Das heißt: Auf Dauer kehrten Aktien zu ihren durchschnittlichen Bewertungsniveaus zurück. Die Kurse stiegen in solchen Phasen schneller als die Gewinne der Unternehmen. Das sind nicht die schlechtesten Perspektiven für 2012.

Quelle:  Handelsblatt Online
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