Private Equity: Unternehmenswetten droht der Absturz

Private Equity: Unternehmenswetten droht der Absturz

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Private Equity: Die Fonds schwimmen in Geld und kaufen selbst suspekte Unternehmen viel zu teuer auf.

von Cornelius Welp

Private-Equity-Fonds schwimmen in Geld, sinnvolle Anlagen sind selten. Risikoinvestoren kaufen selbst suspekte Unternehmen viel zu teuer auf. Beispiele wie Tipico, Breitling oder Stada zeigen, wie die Blase größer wird.

In der Taunusstraße sieht das Frankfurter Bahnhofsviertel noch aus wie im Fernsehkrimi. Junkies sitzen auf dem Gehweg, Bordelle stehen neben Kebab-Häusern und Spielhallen. Im Wettbüro von Tipico ist nachmittags nichts los, auf dem Flachbildschirm läuft ein schon vor Tagen abgepfiffenes Fußballspiel. Zwei slawisch sprechende Muskelmänner beleben den Raum nur kurzfristig, nach ein paar Worten mit dem Mann am Tresen verschwinden sie ins Tageslicht.

CVC-Deutschlandchef Alexander Dibelius warnt vor Preisblase bei Private Equity

In seinem ersten Interview als Partner des Finanzinvestors CVC hat der frühere Deutschlandchef von Goldman-Sachs, Alexander Dibelius, vor Preisübertreibungen bei Unternehmenskäufen gewarnt.

Seit 2015 ist der frühere Deutschlandchef von Goldman-Sachs, Alexander Dibelius, Partner bei CVC. Quelle: Angelika Zinzow für WirtschaftsWoche

Dabei soll Tipico eine große Wachstumsgeschichte sein. Darauf setzt jedenfalls der Finanzinvestor CVC, der im vergangenen Jahr 60 Prozent der Anteile für stolze 800 Millionen Euro übernommen hat. Tatsächlich zählt das Unternehmen, das drei Studenten vor rund 20 Jahren in Karlsruhe gegründet haben und das seit 2004 in Malta sitzt, zu den größten Wettanbietern. Aktuell setzen mehr als eine Million Kunden jährlich in Filialen oder online auf die Ergebnisse von Fußballspielen oder Dart-Turnieren. Für die nächste Stufe der Entwicklung sei nun ein erfahrener Partner hilfreich, sagt CVC-Deutschlandchef Alexander Dibelius.

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In der Branche gilt Tipico jedoch als Beispiel dafür, wie heiß der Markt für Firmenkäufe gelaufen ist – als ein Beispiel unter vielen. Finanzinvestoren saßen weltweit Ende 2016 auf 1,3 Billionen Euro. Pensionskassen und Versicherungen sind wegen der niedrigen Zinsen in Renditenot und stellen ihnen deshalb fast unbegrenzt Geld zur Verfügung. Tatsächlich haben die großen Private-Equity-Fonds in den vergangenen Jahren regelmäßig noch zweistellige Renditen verdient. Doch das Geschäftsmodell gerät immer mehr an seine Grenzen. Weil Kapital so billig ist und Industrieunternehmen wie Finanzinvestoren auf der Jagd nach Übernahmezielen sind, steigen die Preise für Unternehmen so drastisch, dass es in vielen Fällen kaum noch möglich scheint, deren Wert weiter zu steigern. Sollten die Zinsen wieder steigen oder die Konjunktur schwächeln, droht ein Absturz.

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Einsatz vervielfacht

Den hat es schon mal gegeben. In der Finanzkrise gerieten Finanzinvestoren unter Druck, weil der Wert von Beteiligungen, die sie fast ausschließlich auf Pump gekauft hatten, deutlich fiel und Banken ihre Kredite zurückforderten. Das aber scheint vergessen. Es läuft schließlich gut, überraschend gut sogar.

Als etwa der Investor Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) Mitte 2014 den für blaue Plastikfässer bekannten Verpackungshersteller Mauser aus Brühl für 1,2 Milliarden Euro übernahm, galt das als zu teuer. CD&R habe einen Deal machen müssen, um das Büro in Deutschland zu beschäftigen, lästerte die Branche. Nicht mal drei Jahre später verkaufte der Investor Mauser für 2,1 Milliarden Euro an die Industrieholding Stone Canyon Industries weiter.

Ähnlich lief es bei Scout24. Ende 2013 verkaufte die Telekom 70 Prozent an dem Internetportal, das, so hieß es damals, „seine besten Zeiten hinter sich hat“, für knapp 1,5 Milliarden Euro an den Investor Hellman & Friedman. Knapp zwei Jahre später ging der Internetkleinanzeigenanbieter an die Börse und kam auf einen Wert von drei Milliarden Euro.

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