Pro: "Spekulanten sind Trittbrettfahrer"

Pro: "Spekulanten sind Trittbrettfahrer"

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Freigeist: Agrarfondsmanager Ralf Oberbannscheidt sieht Spekulanten nicht als Verursacher steigender Lebensmittelpreise

von Martin Gerth

Der Agrarfondsmanager Ralf Oberbannscheidt hält die Nachfrage aus den Schwellenländern für den größten Preistreiber bei Lebensmitteln.

WirtschaftsWoche: Herr Oberbannscheidt, Politiker sehen Spekulanten als Verursacher steigender Lebensmittelpreise.

Oberbannscheidt: Zu Unrecht. 80 Prozent der an den Terminbörsen gehandelten Kontrakte bilden physisches Angebot und physische Nachfrage ab. Und selbst wenn von den übrigen 20 Prozent der Marktteilnehmer ein Teil auf steigende Preise spekuliert, dann gibt es immer eine Gegenpartei, die dagegen wettet.

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Der Handel an den Terminbörsen hat seit 2007 drastisch zugenommen, und die Agrarpreise haben sich vervielfacht.

Der Handel nahm zu, nachdem die Preise anzogen, weil die Nachfrage größer war als Ernte und Lagerbestände. Für die wichtigsten Getreidesorten reichen die Lager derzeit nur für zwei bis drei Monate. Für einen stabilen Markt wären sechs Monate notwendig. Spekulanten sind Trittbrettfahrer, aber nicht Auslöser der Agrarpreisrally.

Der Weizenpreis sinkt seit Monaten. Sind die Spekulanten aus dem Markt?

Nein, aber viele haben die Seite gewechselt und wetten auf sinkende Preise. Allerdings müsste der Weizenpreis viel niedriger sein, wenn Wetten wirklich einen so starken Einfluss hätten, wie immer behauptet wird.

Warum wird Weizen billiger?

70 Prozent der Ernteerträge hängen vom Wetter ab. Anders als 2010, als Trockenheit in Russland sowie Überschwemmungen in Australien Teile der Ernte vernichteten, kam es 2011 nicht zu größeren wetterbedingten Ausfällen. Das Wetter ändert sich jedes Jahr, neu sind jedoch die Preissprünge.

Also sind doch die Spekulanten schuld?

Die Politiker haben lange ignoriert, dass die Bevölkerung in den Schwellenländern nicht nur wächst, sondern auch wohlhabender wird. Mit wachsendem Wohlstand kommt mehr Fleisch auf den Teller. Bis 1998 versorgte sich China selbst mit Soja. Seitdem muss China immer größere Mengen importieren – vor allem für die Schweinemast.

Ihr Fonds hält Agraraktien, andere Produkte wetten direkt auf steigende Agrarpreise. Ist das nicht unethisch?

Es ist nicht unmoralisch, in Düngemittel- oder Saatguthersteller zu investieren. Ohne sie ließen sich die Ernteerträge pro Hektar nicht steigern. Wetten auf Grundnahrungsmittel muss jeder mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren. Allerdings ist der Einfluss von Indexfonds und Zertifikaten insgesamt auf die Agrarpreise gering.

Da Investoren die Börsenpreise stärker schwanken lassen, wollen Politiker den Terminhandel eindämmen.

Dann wird die Karawane der Spekulanten weiterziehen, dort hin, wo nicht reguliert wird. Zudem würden die Eingriffe auch Landwirte treffen, die nur ihre Preise absichern wollen. Besser wäre es für mehr Transparenz bei Agrardaten zu sorgen. Im vergangenen Jahr sind in den USA große Mengen Mais in den Lagern aufgetaucht, die das Landwirtschaftsministerium übersehen hatte. Als die Nachricht durchsickerte, knickte der Maispreis ein.

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