ThemaFonds & ETFs

Renditeperlen für Zocker: Heuschrecken entern Griechenland

28. November 2012
Anleger wittern ihre Chancen bei griechischen Aktien und Anleihen - Doch beim Investment in die Pleite-Hedgefonds gilt es, Vorsicht walten zu lassen Quelle: dpaBild vergrößern
Anleger wittern ihre Chancen bei griechischen Aktien und Anleihen - Doch beim Investment in die Pleite-Hedgefonds gilt es, Vorsicht walten zu lassen Quelle: dpa
von Saskia Littmann

Die ersten Hedgefonds wittern ihre Chance am griechischen Markt und wollen von den niedrigen Preisen für Aktien und Anleihen profitieren. Warum solche Investments nur für Anleger mit Zockermentalität geeignet sind.

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Risikobewusstsein ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Während der durchschnittliche Investor zurzeit einen großen Bogen um Griechenland macht, wittern die ersten Hedgefonds ausgerechnet in dem südeuropäischen Pleitestaat ihre Chance auf hohe Gewinne.

Denn die Preise für griechische Aktien und Anleihen sind am Boden. Allein innerhalb der letzten drei Jahre hat der Athener Aktienindex Athex rund 75 Prozent seines Wertes verloren. Griechen-Bonds haben schon seit langem von den Ratingagenturen den Ramsch-Status verpasst bekommen, dementsprechend niedrig ist ihr Preis. Zuletzt drehten sich allerdings die Kurse, Preise kletterten in lange vergessene Höhen.

Denn Hedgefonds wie Dromeus Capital wollen diesen Discount-Status ausnutzen. Wie die „Financial Times“ vor kurzem berichtete, gründeten die auf Investments in Emerging Markets spezialisierten Spekulanten einen extra Fonds, mit dem in griechische Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen investiert werden soll.

Ideales Umfeld

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

  • Aktienfonds

    Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

  • Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

    Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

  • Geldmarktfonds

    Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

  • Immobilienfonds

    Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

  • Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

    Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

  • Mischfonds

    Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

  • Rentenfonds

    Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Achilles Risvas, Chef des Fonds, sprach von einem “idealen Umfeld” für Schnäppchenjäger. Nektarios Papagiannakopoulos, leitender Analyst bei Dromeus Capital, ist in seinem Urteil noch deutlicher: Für ihn sind griechische Aktien derzeit einfach zu preiswert, um sie zu ignorieren. “Die griechischen Kapitalmärkte bieten mit ihren Bewertungen hervorragende Risiko-Gewinn-Gelegenheiten”, sagte Papagiannakopoulos der Nachrichtenagentur Bloomberg. Insgesamt 200 Millionen Euro wollen die Macher des von Athen und Genf aus gesteuerten Fonds von ihrem Kunden einsammeln.

Immerhin räumt Fonds-Chef Risvas selber ein, dass die Gewinnchancen eigentlich nur bestehen, solange Griechenland in der Eurozone verbleiben darf. Dann könne sich das eingesetzte Kapital demnach verdoppeln. Bei einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion müsse allerdings mit einem Verlust von bis zu 50 Prozent gerechnet werden.

Dennoch: Nicht nur Griechenland lockt Investoren an, auch in andere Krisenstaaten der Eurozone kehren Geldgeber und Renditejäger zurück. Die US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments mit ihrem bekannten Fondsmanager Michael Hasenstab kaufte zuletzt große Bestände an irischen Staatsanleihen, allein im dritten Quartal soll das Portfolio von Franklin Templeton auf Irland-Bonds in Wert von mindestens 8,4 Milliarden Euro aufgestockt worden sein.

Griechenland und Co. profitieren dabei von der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), im Ernstfall uneingeschränkt Staatsanleihen eines Euro-Staates kaufen zu wollen. Das gibt den Investoren die Sicherheit, dass die Länder nicht über Nacht aus der Währungsunion ausscheiden werden und bringt die Krisenstaaten zurück an die Finanzmärkte.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 28.11.2012, 17:58 UhrPinin

    Wer führt tatsächlich die große Regie in diesem Euro(pa)-Drama?

    Da gibts doch sicherlich nur 2 Möglichkeiten:

    - Wahnsinnige Visionäre oder Karrieristen die inzwischen die Kontrolle verloren haben
    - Verbrecher die ihren Vorteil skrupellos erzwingen wollen

    Hatten wir, abstrakt gesehen, ein ähnliches Szenario in Europa nicht vor 75 Jahren schon einmal?

    Auch damals waren die Mit-Entscheider danach natürlich völlig unschuldig und haben nur Befehle ausgeführt, so wie heute die Parlamentarier die Befehle ihrer Fraktions-Chefs widerspruchslos und willig ausführen, und die meisten Medien nur das mitteilen was politisch und geschäftlich opportun ist.

    Und der deutsche Bürger? Schweigt so wie damals und vertraut einfach seinen Anführern.

  • 28.11.2012, 23:08 UhrChlodwig

    Wenn die deutsche Politik das mit seinen
    Rettungsaktionen sowas befördert, sollten wir
    auch nicht einfach neidisch auf die Nutzniesser
    solcher Politk sehen. Man sollte anderen Menschen
    auch etwas gönnen. Kritisieren sollte man die Politiker
    deswegen und nicht die vorteilsnehmenden Anleger.

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