Rettungsanker Gold: "Die Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer"

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InterviewRettungsanker Gold: "Die Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer"

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Ronald-Peter Stöferle vom Fondsanbieter Incrementum aus Liechtenstein

von Andreas Toller

Der Fondsmanager und Buchautor Ronald Stöferle ist Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Im Interview erklärt er, warum Anlegern turbulente Zeiten bevorstehen, hohe Inflation wahrscheinlich ist und wie sich Anleger darauf vorbereiten.

WirtschaftsWoche: Herr Stöferle, Sie sagen, an den Märkten regiere der Wahnsinn. Worin besteht der Ihrer Meinung nach?

Stöferle: Staatliche Preisfestlegung funktioniert weder auf den Gütermärkten noch auf den Finanzmärkten, zumindest nicht ohne massive Nebenwirkungen. Die stärksten Verzerrungen löst die künstlich tiefe Preisfestsetzung der Zinsen aus. Notenbanker, welche quasi den Preis für Geld bestimmen, meinen mit Nullzins- bzw. Negativzinspolitik Gutes zu tun. Aufgrund dieser Geldpolitik werden Anleger immer tiefer ins Risiko getrieben, um überhaupt eine Rendite zu erzielen. Das Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger und Sparer ist dadurch völlig aus den Fugen geraten.

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Wo beobachten Sie das konkret?

Speziell im Bereich der Anleihen sind Anzeichen einer Blase evident. Nicht nur vermeintlich sichere Staatsanleihen bieten lediglich renditeloses Risiko, insbesondere Unternehmensanleihen und auch Junk-Bonds, also Schrottanleihen, sind mittlerweile extrem teuer. Notenbankpolitik funktioniert eben nicht wie ein Skalpell, sondern wie ein Vorschlaghammer. Die Konsequenzen monetärer Stimuli manifestieren sich oft erst später. Obwohl die Notenbanker und Politiker glauben, man könne das Wirtschaftswachstum und Inflation wie ein Heizungsthermostat regeln, lehrt uns die Geschichte etwas Anderes.

Zur Person

  • Ronald-Peter Stöferle

    Ronald-Peter Stöferle ist seit 2013 Investment-Manager des liechtensteinischen Fondsanbieters Incrementum. Das Geld seiner Kunden legt er nach den Prinzipien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie an. Der anerkannte Goldexperte war zuvor sieben Jahre lang im Research der österreichischen Bank Erste Group tätig. Seinen gefragten "Goldreport" veröffentlicht er hier.

Wir steuern also erneut auf eine Katastrophe zu?

Ob es eine Katastrophe wird, kann ich nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass die Schuldenstände der Industriestaaten immer weiter steigen und die politische Realität offensichtlich keine substanziellen Kürzungen des Staatshaushaltes zulässt. Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, wird das Vermögen vieler Sparer und Anleger am Ende deutlich weniger wert sein. Langfristig läuft es darauf hinaus, dass entweder Schulden gestrichen werden, was im Gegenzug zur Streichung von Sparvermögen und Deflation führt, oder Vermögen direkt per Besteuerung oder indirekt durch Inflation enteignet werden. Diese Maßnahmen können auch kombiniert werden. In jedem Fall bedeutet dies einen enormen Vermögenstransfer, welcher für Anleger Chance wie Risiko zugleich sein kann.

Zum Buch

  • Österreichische Schule für Anleger – Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation

    Zusammen mit seinem Kollegen Mark Valek, wie Stöferle Investment-Manager bei Incrementum, und dem Wirtschaftsphilosophen Rahim Taghizadegan, Gründer des Instituts für Wertewirtschaft in Wien, schrieb Stöferle das Buch "Österreichische Schule für Anleger". Erschienen ist es im Juni 2014 im Münchner Finanzbuch-Verlag.

Sprechen wir zuerst von den Risiken. Was wird passieren, wenn Finanzmarktkrise und Rezession mit noch größerer Wucht zurückkehren?

Die große Frage ist, wann die Notenbanken erkennen, dass all ihre extremen Interventionen nicht für den selbsttragenden Aufschwung sorgen. Nach 2008 konnten sie noch die Zinsen senken und Anleihekäufe starten; die Staaten konnten noch Konjunkturpakete schnüren. Heute ist hier deutlich weniger Handlungsspielraum vorhanden und zudem nimmt der Grenznutzen der monetären Stimuli sukzessive ab. Die Dosis müsste also nochmals wesentlich höher sein, um einen Effekt zu erzielen. Irgendwann wird das unglaubwürdig und die Gefahr besteht, dass die Marktteilnehmer das Vertrauen in das Geld aus der Notenpresse verlieren.

Welche Auswirkungen hätte das?

Dies wäre von starker Abwertung von Papiergeld gegenüber Rohstoffen und damit einhergehend deutlich höheren Inflationsraten begleitet. Eine ähnliche Situation gab es bereits in den Jahren 1977 bis 1981. Nur noch wenige wissen, dass die Amerikaner damals sogar Anleihen in Schweizer Franken begeben mussten, weil das Vertrauen in den Dollar so geschwächt war. Die Kaufkraft des Dollars halbierte sich innerhalb dieser kurzen Zeitperiode. Das Vertrauen konnte US-Notenbankchef Paul Volcker damals nur durch die massive Erhöhung der Zinsen auf unvorstellbare 20 Prozent und auf Kosten zweier starker Rezessionen zurückgewinnen. Es bedarf offenbar eines Gesundschrumpfens, denn das schuldeninduzierte Wachstum ist keine langfristig orientierte nachhaltige Entwicklung.

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