
Nur wenige Romanciers verdienen das Attribut ‚visionär’. Der amerikanische Autor Don De Lillo ist einer davon. 2003 erschien „Cosmopolis“, die parabelhafte Odyssee eines Vermögensverwalters, der in einer Stretch-Limousine durch ein apokalyptisches New York fährt, dessen Chaos er zunächst aus sicherer Distanz wahrnimmt, um dann doch langsam darin unterzugehen.
Handlung aus Einzelepisoden
Doch literarische Visionen eignen sich nicht zwangsläufig für die Umsetzung in cineastische Bilder. Zumindest versuchte sich der Kanadier David Cronenberg an der Filmversion. Ein ausgewiesener Experte, alptraumhafte Szenarien in einer ganzen Vielfalt von Genres und Stilrichtungen einzufangen - von „Die Fliege“ bis „Tödliche Versprechen“. Doch auch wenn er den surrealen Ton seiner Vorlage vermittelt, deren Struktur und Dramaturgie eignen sich nur bedingt für den Spannungsbogen eines Kinostücks.

Trading Places (dt. Glücksritter, 1983)
An der Börse in Chicago gehen zwei ultrareiche Broker eine Wette ein: Ein reicher Händler aus gutem Hause soll zu einem armen Obdachlosen verwandelt werden, und ein armer Obdachloser in einen reichen Händler. Der Wetteinsatz: ein Dollar. Die zwei Opfer rächen sich.
Das reiche Opfer sagt Sätze wie: “Denke immer groß, denke positive, zeige nie ein Zeichen von Schwäche. Gehe immer an die Gurgel. Kauf billig, und verkaufe teuer. Angst? Das ist das Problem der Anderen!” Eddie Murphy, Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis machen diesen Streifen zu einem perfekten 80er-Jahre-Abend.

Die Oceans Trilogie (2001-2007)
Kasinos ausrauben macht Spaß. Dabei auch noch eine gute Figur machen – das hat der Regisseur Steven Soderbergh mit seiner glänzenden Trilogie immer wieder aufs Neue inszeniert. Das Publikum bedankte sich artig bei ihm und füllte die Kinos und die Kasse von Soderbergh, der damit seine Independent-Filme drehte.
Bild: PR21 (2008)
Etwas ernster geht es in diesem Film zu: Studenten vom Massachusetts Institute of Technology wenden mathematische Strategien an, mit denen sie mit Blackjack in Kasinos weltweit ganze Millionengewinne einheimsen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.
Bild: PRRi$iko - Der schnellste Weg zum Reichtum (2000)
Ben Affleck spielt hier Jim Young, der direkt nach der Uni bei einem Börsenbroker anheuert. Gewissenhaft und schnell arbeitet sich Young ein. Bald beherrscht er die Kunst des Verkaufens so gut, dass er aufpassen muss, nicht auch seine Mutter zu verkaufen.
Bild: ScreenshotCasino (1995)
„Ein Kasino zu betreiben, ist wie ein Banküberfall, aber ohne das die Bullerei anrückt. Las Vegas wäscht mich von meinen Sünden frei. Es ist wie eine Moral-Waschanlage“ sagt Ace Rothstein (Robert de Niro). Er und Nicky Santoro (unvergesslich: Joe Pesci) sitzen am Ruder des Tangiers, ein fiktives Kasino in Las Vegas. Beide kommen aus der Mafia-Unterwelt, Rothstein macht Wetten, Santoro kümmert sich um das schmutzige Geschäft. Beide kennen sich in ihrem Metier wie keine Zweiten aus. Erzählt wird: Aufstieg und Fall einer skrupellosen Mafiatruppe, die in Las Vegas einfällt, um im Kasino-Geschäft Fuß zu fassen. Nur in wenigen Streifen kann man so gut verfolgen, was Geld bedeutet und was Geld mit den Menschen anstellt. Die Szenen in „Casino“ sind garniert mit Sätzen wie: „Es hätte alles perfekt sein können. Ace hatte mich, Nicky Santoro, der auf seinen Arsch aufgepasst hat. Er hielt Ginger, die Frau, die er liebte, in seinen Armen. Am Ende haben wir es alle verschissen.“
Es ist vielleicht der beste Film von Martin Scorsese. Viele kritisieren den Regisseur dafür, er hätte mit diesem Film gleich den Vorgänger „Goodfellas“ nochmal gedreht. Auch wenn der Vorwurf stimmen sollte: Es gibt nur wenige Filmemacher, denen solche eine Chuzpe gelingt.
Bild: PRDer große Crash - Margin Call (2011)
Ein Risikomanager wird aus einer großen Bank gefeuert. Sein vermeintliches Vergehen: Er hat herausgefunden, dass die Aktienpapiere nichts wert sind und dass die Bank sofort Pleite gehen könnte, wenn es geringe Marktbewegungen geben könnte. In 24 Stunden muss die Bank gerettet werden. Ein sehr gut besetzter Film (Kevin Spacey, Demi Moore,..), der den Beginn der Finanzkrise am besten seziert.
Bild: ScreenshotDie Verurteilten (1994)
Eigentlich ist der Streifen ein Gefängnisfilm. Doch hintergründig geht es vor allem um das Gelingen riskanter Unternehmungen: Andy Dufresne ist wegen Mord an seiner Frau und ihrem Liebhaber zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Film spielt in den 1940er Jahren, Dufresne ist von Beruf Banker; vielleicht einer, wie es ihn nur früher gegeben hat. In absoluter Hingabe arbeitet der Banker einen minutiösen Plan aus, um den Ausbruch zu versuchen. Tim Robbins spielt die Hauptrolle, an der man sich gut abschauen kann, wie wichtig es ist, nachhaltigen langfristigen Erfolg zu planen.
Bild: ScreenshotDie Firma (1993)
Mitch McDeere beginnt seine vielversprechende Karriere bei einer kleinen, aber sehr erfolgreichen Anwaltskanzlei. Das Geschäft läuft gut und Mitch kommt immer später nach Hause, sein Aktenberg auf dem Schreibtisch im Büro wächst und wächst. An dem Erfolg der Firma kann nicht alles koscher sein, denn irgendwann schöpft McDeere (Tom Cruise) Verdacht, als er herausfindet, dass einige seiner Vorgänger auf mysteriöse Weise gestorben sind. Seine Ehefrau sitzt derweil daheim und wünscht sich die Zeiten zurück, als sie weniger Geld hatten, aber mehr Zeit miteinander verbringen konnten.
Bild: ScreenshotZwei glorreiche Halunken (1966)
Ein Italo-Western, ein Sergio-Leone-Western, ein großartiger Film, der mit seinem internationalen Titel eigentlich richtig seine inhärente Spannung ausdrückt: The Good, the Bad and the Ugly. Der deutsche Name ist daher ein Anschlag auf den guten Geschmack, wie er nur von der hiesigen Filmübersetzung verübt werden kann - allein, weil er in diesem Fall schon die gesamte Pointe offenlegt.
Im dritten Teil der Dollar-Trilogie (gemeinsam mit „Für eine Handvoll Dollar“, „Für ein paar Dollar mehr“) schlagen sich drei Kopfgeldjäger während des amerikanischen Bürgerkriegs um die geklaute Regimentskasse der Südstaatenarmee im Wert von 200.000 Dollar. Zwei bleiben am Ende übrig. Doch es stellt sich wie in fast allen Leone-Filmen die Frage: Wohin mit so viel Geld, wenn man nur von Wüstensand und kahlen Steinen umgeben ist? In Leones Werken kann man mit dem Geld, das man sich schwer erkämpft hat, nichts anfangen. Es ist nur Zweck an sich.
Bild: PRWall Street (1987)
In wenigen Filmen wird das Spekulationsgeschäft an der Börse so real dargestellt wie in „Wall Street“. Gordon Gecko nimmt einen jungen ambitionierten Broker unter seine Fittiche. Diesen versucht Gecko mit folgenden Sätzen in das Brokergeschäft einzuweisen: „Die reichsten ein Prozent dieses Landes besitzen die Hälfte unseres Reichtum, fünf Billionen Dollar. Ein Drittel davon kommt von harter Arbeit, zwei Drittel von Erbschaften, und was Zins und Zinseszins für die Witwen und idiotischen Söhne so abwerfen. Und natürlich von dem was ich tue: Aktien- und Immobilienspekulation“.
Die Rolle des Gordon Geckos steht dem Schauspieler Michael Douglas wie angenäht. Es ist vielleicht seine beste Rolle.
Der zweite Teil „Wall Street: Geld schläft nicht“ kam gerade pünktlich zur Finanzkrise 2010 heraus. Er war leider nur halb so gut. Allein schon deshalb, weil irgendjemand in Hollywood es für eine gute Idee hielt, den Transformers-Schauspieler Shia Labeouf mit in die Handlung aufzunehmen.
1997 schlüpfte Douglas in „The Game“ wieder in die Rolle eines sehr reichen Mannes. An dem Geburtstag des Protagonisten steht sein Bruder vor dem Problem: Was kann ich jemanden, der alles hat, überhaupt schenken? So viel sei schon verraten: Der Bruder legt sich mächtig ins Zeug.
Trading Places (dt. Glücksritter, 1983)
An der Börse in Chicago gehen zwei ultrareiche Broker eine Wette ein: Ein reicher Händler aus gutem Hause soll zu einem armen Obdachlosen verwandelt werden, und ein armer Obdachloser in einen reichen Händler. Der Wetteinsatz: ein Dollar. Die zwei Opfer rächen sich.
Das reiche Opfer sagt Sätze wie: “Denke immer groß, denke positive, zeige nie ein Zeichen von Schwäche. Gehe immer an die Gurgel. Kauf billig, und verkaufe teuer. Angst? Das ist das Problem der Anderen!” Eddie Murphy, Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis machen diesen Streifen zu einem perfekten 80er-Jahre-Abend.
Die Handlung besteht aus Einzelepisoden – Business-Meetings, erotische Eskapaden, ärztliche Untersuchungen – die sich weitgehend in den vier Wänden der Limousine abspielen. Das macht „Cosmopolis“ zum theaterhaften Kammerspiel samt absurd stilisierten Monologen und Dialogen, nicht aber zu einer filmischen Tour de Force. Immerhin ist dieses Panoptikum des Verfalls kunstsicher inszeniert, und Cronenberg holte sich dafür auch brillante Charakterdarsteller, insbesondere Juliette Binoche, Paul Giamatti und Samantha Morton.
Gespaltene Reaktionen
Für die Hauptfigur ging er das Wagnis ein, das Teenageridol Robert Pattinson zu engagieren, der indes unter seiner Regie die ideale Kombination aus Blasiertheit, Charme und Affektleere vermittelt. In der Gesamtheit ergibt dies strenge Kinokunst, die eher intellektuelle Faszination denn emotionale Resonanz hervorruft. Das erklärt auch die gespaltenen Reaktionen bei der Filmkritik, die von begeisterter Zustimmung bis entnervter Ablehnung reichen.
Ist „Cosmopolis“ zumindest eine Geschichte, in der sich Geist und Stimmung der Zeit verdichten wie im „Wall Street“ der 80er? Wenn ja, dann fängt er nur den Nachhall aller Exzesse der letzten Jahre ein. Was bleibt, ist blanke, benommene Ratlosigkeit.



















