Erst Konkurrenten, jetzt Partner: Fintechs, die vollautomatische Vermögensberatung anbieten, schielen auf Bankkunden mit dicken Konten. Einige Banken lassen sich gern darauf ein.

Robo Advisor: Boomende Fintechs verbrüdern sich mit Banken

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Bankenskyline von Frankfurt: Die meisten Fintechs haben sich für Kooperationen mit den Finanzinstituten entschieden.

von Sebastian Kirsch

Nach der ING-Diba bietet jetzt auch die Volkswagen Bank ihren Kunden eine digitale Vermögensverwaltung an. Beide Institute verlassen sich dafür auf junge Fintechs und deren Robo-Adviser für die Anlageberatung.

Eigentlich galten die Münchener als das erfolgreichste deutsche Finanz-Start-up. Denn Scalable Capital hatte es geschafft, ohne große Partner aus der Finanzbranche neue Kunden zu locken. Ihr digitaler Vermögensverwalter (Robo-Advisor) investierte im Frühjahr bereits 200 Millionen Euro für Kunden.

Ob digitale Zahlungen oder andere Bankdienstleistung, keine andere Fintech-Sparte hat in Deutschland so schnell unabhängig eigene Kunden gewonnen, wie die Robo-Adviser.

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Statt Endkunden direkt anzusprechen, haben sich die meisten Fintechs deshalb für Kooperationen mit den Finanzinstituten entschieden. Die bringen Kunden mit, und die Fintechs das innovative Digitalangebot.

Die Investoren hinter ausgewählten deutschen Robo-Advisors und Produkte, die Anleger bei ihnen bekommen

  • Scalable Capital

    AnbieterScalable  Capital
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,75
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, UBS, HSBC, Lyxor
    Beteiligungen vonBlackrock, Holtzbrinck Ventures, Tengelmann Ventures
    PartnerbankBaader Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherche

  • Liquid (Global)

    AnbieterLiqid (Global)
    Gebühr  (in Prozent pro Jahr)*0,25-0,50
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, Vanguard, Deutsche Bank, Deutsche Börse
    Beteiligungen vonProject A Ventures, HQ Trust, DvH Ventures, Berliner Volksbank Ventures
    PartnerbankDeutsche Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Whitebox

    AnbieterWhitebox
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,35-0,95
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Amundi, Blackrock, UBS, HSBC, Lyxor, State Street, Deka, Comstage, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Source
    Beteiligungen vonLeonardo
    PartnerbankFintech Group (Berater: Morningstar)

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Vaamo

    AnbieterVaamo
    Gebühr  (in Prozent pro Jahr)*0,49-0,79
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, HSBC, Dimensional, UBS
    Beteiligungen vonWI Bank, Route 66 Ventures
    PartnerbankFIL Fondsbank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Ginmon

    AnbieterGinmon
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,39**
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Dimensional, Blackrock, UBS
    Beteiligungen vonPassion Capital
    PartnerbankDAB Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten; ** plus zehn Prozent Gewinnbeteiligung (monatlich mindestens 1,50 Euro)

  • Quirion (Basis)

    AnbieterQuirion (Basis)
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)0,48
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Dimensional, Blackrock, Deka, Lyxor,  State Street, Deutsche Bank, Robeco, UBS, Amundi, Source
    Beteiligungen vonQuirin Bank
    PartnerbankQuirin Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

Nur die Robo Adviser hatten bislang den Anschein erweckt, dass sie weiterhin im Angriffsmodus den etablierten Instituten ihr Geschäft streitig machen wollen.

Bis zu dieser Woche.

Denn Scalable bietet seine digitale Vermögensverwaltung nun auch gemeinsam mit der ING-Diba an. Der eigene Erfolg reichte nicht aus. Und die Kunden der Volkswagen Bank können ihr Geld jetzt beim Robo Whitebox anlegen.

Damit signalisieren zwei wichtige Größen der jungen deutschen Robo-Szene: der Angriff ist vorbei, Innovationen künftig lieber gemeinsam mit den Banken. Denn Kunden bringen denen weiterhin ungebrochen ihr Vertrauen entgegen. Auch der Robo Vaamo hatte sich schon im letzten Jahr darauf spezialisiert, seine digitale Anlageverwaltung künftig eher an Banken statt Endkunden zu vertreiben. Und Investify nutzt seit dem Sommer eine Kooperation mit der Hamburger Sparkasse, um mehr Kunden zu gewinnen.

Für Anleger muss das kein Nachteil sein. Denn, wie der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees diese Woche deutlich machen wollte: Manchmal können auch drei Parteien von einer Entscheidung profitieren.

Fintechs Wie unabhängig sind digitale Robo-Geldmanager?

Digitale Vermögensverwalter sind günstig, sachlich, schnell und unbestechlich - so die Hoffnung. Nun mischen Fonds- und Finanzriesen wie etwa Blackrock mit. Gefährdet das die Unabhängigkeit der Robo-Berater?

Inwieweit beeinflussen Großinvestoren die Anlageentscheidungen der Robo-Advisors in ihrem Sinne? Quelle: Getty Images

Nach der Doppelvergabe der olympischen Sommerspiele waren es nach Bachs Meinung das IOC und die Ausrichterstädte Paris und Los Angeles. Er prägte dafür den Ausdruck Win-Win-Win-Situation.

Und die könnte sich durch die Kooperationen in der Finanzbranche nun auch für Kunden, Banken und Robos einstellen.

Der Kunde profitiert.

Weil immer mehr günstige und individualisierte Anlageangebote verfügbar sind, die einen harten Wettbewerb unter den Banken und Vermögensverwaltern auslösen, haben Kunden Vorteile.

Wer dem Robo Whitebox über die Volkswagen Bank sein Geld anvertraut, zahlt für Anlagen bis 10.000 Euro etwa in den ersten sechs Monaten keine Verwaltungsgebühr. Die beträgt bei Whitebox üblicherweise für Anlagen von 5.000 bis 30.000 Euro 0,95 Prozent im Jahr.

Und auch für die digitale Altersvorsorge von Whitebox gibt es für einige Kunden einen Gebührenvorteil, wenn sie bei der VW Bank abschließen.

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