Fintechs wie Scalable versuchen die automatisierte Vermögensverwaltung zu etablieren - und lassen sich auf Finanzriesen ein. Wie weit geht der Einfluss?

Robo-Advisor: Der Roboter verliert seine Unschuld

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Inwieweit beeinflussen Großinvestoren die Anlageentscheidungen der Robo-Advisors in ihrem Sinne?

von Sebastian Kirsch

Digitale Vermögensverwalter sind günstig, sachlich, schnell und unbestechlich - so die Hoffnung. Nun mischen Fonds- und Finanzriesen wie etwa Blackrock mit. Gefährdet das die Unabhängigkeit der Robo-Berater?

Es kommt nicht so oft vor, dass Start-up-Gründer mit mehr Geld überschüttet werden, als sie sich eigentlich erhofft hatten. Doch genau das ist Erik Podzuweit passiert. Er ist Co-Gründer bei Scalable Capital, das sich binnen eines Jahres als führender digitaler Anlageberater auf dem deutschen Markt etabliert hat. Anleger können dort ihr Geld über eine Onlineplattform automatisch verwalten lassen: Algorithmen packen ihr Geld je nach Marktlage zu bestimmten Anteilen in Aktien und Anleihen.

Um neue Kunden gewinnen zu können, verhandelte Podzuweit eigentlich nur mit den bisherigen Investoren Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures über eine kleine Finanzspritze. Doch dann klopfte Blackrock an. Der größte Vermögensverwalter der Welt wollte sich beteiligen. Wer kann da schon Nein sagen? Also ließ Scalable sein Geschäft seit Anfang des Jahres vom US-Finanzriesen auf links drehen. Der schickte Wirtschaftsprüfer in ihr Büro auf dem Münchner Prachtboulevard Prinzregentenstraße und prüfte nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch die Technologie. Nach knapp sechs Monaten kam das Okay. Scalable bekam 30 Millionen Euro, nachdem sie in den Jahren zuvor insgesamt nur elf Millionen eingeworben hatten. Und Blackrock kaufte sich in den ersten Robo-Advisor auf dem deutschen Markt ein.

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Die Beteiligung scheint ein Gewinn für beide Seiten: Scalable kann nun noch schneller wachsen, vor allem in weitere europäische Länder. Denn nichts ist für Start-ups so teuer, wie Kunden von den etablierten Spielern abzuwerben. Und Blackrock kann sich seinen Firmenkunden als Innovationsführer präsentieren, ohne selbst einen Finger krumm zu machen.

Die Investoren hinter ausgewählten deutschen Robo-Advisors und Produkte, die Anleger bei ihnen bekommen

  • Scalable Capital

    AnbieterScalable  Capital
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,75
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, UBS, HSBC, Lyxor
    Beteiligungen vonBlackrock, Holtzbrinck Ventures, Tengelmann Ventures
    PartnerbankBaader Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherche

  • Liquid (Global)

    AnbieterLiqid (Global)
    Gebühr  (in Prozent pro Jahr)*0,25-0,50
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, Vanguard, Deutsche Bank, Deutsche Börse
    Beteiligungen vonProject A Ventures, HQ Trust, DvH Ventures, Berliner Volksbank Ventures
    PartnerbankDeutsche Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Whitebox

    AnbieterWhitebox
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,35-0,95
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Amundi, Blackrock, UBS, HSBC, Lyxor, State Street, Deka, Comstage, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Source
    Beteiligungen vonLeonardo
    PartnerbankFintech Group (Berater: Morningstar)

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Vaamo

    AnbieterVaamo
    Gebühr  (in Prozent pro Jahr)*0,49-0,79
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Blackrock, HSBC, Dimensional, UBS
    Beteiligungen vonWI Bank, Route 66 Ventures
    PartnerbankFIL Fondsbank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

  • Ginmon

    AnbieterGinmon
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)*0,39**
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Dimensional, Blackrock, UBS
    Beteiligungen vonPassion Capital
    PartnerbankDAB Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten; ** plus zehn Prozent Gewinnbeteiligung (monatlich mindestens 1,50 Euro)

  • Quirion (Basis)

    AnbieterQuirion (Basis)
    Gebühr (in Prozent pro Jahr)0,48
    Anlageprodukte (meist Indexfonds) von Dimensional, Blackrock, Deka, Lyxor,  State Street, Deutsche Bank, Robeco, UBS, Amundi, Source
    Beteiligungen vonQuirin Bank
    PartnerbankQuirin Bank

    * auf das verwaltete Vermögen, ohne Produktkosten

Und doch könnte diese scheinbare Win-win-Situation auch Verlierer produzieren: die Kunden. Bislang galten die Robos als unabhängige Anlageberater, die sich außerhalb der etablierten Strukturen der Finanzbranche bewegten. Blackrock aber ist auch der weltgrößte Anbieter von börsengehandelten Indexfonds, sogenannten ETFs. Die nutzt fast jeder Robo-Advisor, um den Kunden möglichst günstige Vermögensverwaltung zu bieten. Nun stellt sich für die Anleger die Frage, wie unabhängig ihr Robo nach dieser Beteiligung tatsächlich sein kann. Bekommen Kunden bei Scalable am Ende nur noch iShares-ETFs von Blackrock untergejubelt? Oder ist alles ganz harmlos, und Kunden profitieren sogar durch niedrigere Gebühren?

Privatkunden als Erfolgsrezept

Als die Finanzkrise 2008 das Ansehen der großen Finanzanbieter ramponierte, schlug die große Stunde der Robo-Berater. Kunden misstrauten ihren Banken, nachdem diese ihnen über Jahre Produkte verkauft hatten, bei denen vor allem die Banken verdienten. Die Robos versprachen einen Gegenentwurf dazu. Sie boten den Kunden persönliche, unabhängige Vermögensverwaltung, auch für diejenigen, die keine Millionen anlegen können. Sie sind günstig, weil sie auf ETFs setzen, die mit durchschnittlich 0,25 Prozent Gebühr nur einen Bruchteil von aktiv gemanagten Fonds kosten. Und über schick aufbereitete Onlineplattformen können Kunden jederzeit kontrollieren, was mit ihrem Vermögen passiert.

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Die neueste Beteiligung des Vermögensverwalters Blackrock ist ein Warnzeichen für Indexfonds-Anleger. Es drohen Interessenkonflikte.

Niklas Hoyer Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Ihr Modell kommt an, Kunden schenken den Neulingen tatsächlich das nötige Vertrauen. Podzuweits Gründung Scalable Capital etwa hat mittlerweile mehr als 7000 Kunden gewonnen und verwaltet über 250 Millionen Euro. Das ist schon gar nicht mehr so viel weniger, als die traditionellen Vermögensverwalter betreuen: Sie kommen im Durchschnitt auf etwa 300 Millionen Euro.

Mit dem neuen Investor Blackrock an Bord, dürfte sich das noch weiter angleichen. So war der Einstieg auch alles andere als eine Notlösung. „Wir wollten Anlegern signalisieren, dass wir sehr gut finanziert sind, um Vertrauen zu schaffen“, sagt Podzuweit. „Und wenn man sich in der Vermögensverwaltung einen Partner wünscht, dann Blackrock.“ Auch Matthias Hübner, Partner beim Berater Oliver Wyman, sieht im Einstieg „eine Auszeichnung, die mit einem Imagegewinn verbunden ist“.

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