Rohstoffe: Wachmacher für mutige Anleger

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Rohstoffe: Wachmacher für mutige Anleger

von Saskia Littmann

Trotz einer leichten Erholung sind die Preise für Kaffee immer noch historisch niedrig. Während die Kaffeebauern in Erzeugerländern wie Vietnam leiden, könnten Anleger profitieren, müssen aber einiges beachten.

Kaffee soweit das Auge reicht. Dicht an dicht sonnen sich die dunklen Kaffeefrüchte zum Trocknen auf den Straßen des vietnamesischen Hochlands. Wie kleine, verschrumpelte Pflaumen sehen sie am Ende aus. Fast jede Familie hat die kostbaren Bohnen vor ihrem Haus liegen, sorgfältig werden sie umgeschichtet, damit alle Früchte rundum trocken werden.

Vietnam gehört weltweit zu den wichtigsten Anbauländern für den braunen Wachmacher. Das südostasiatische Land ist der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt – hinter Brasilien. Während die Südamerikaner sowohl Arabica- als auch Robustabohnen exportieren, sind es in Vietnam fast ausschließlich letztere. Über 22 Millionen 60-Kilo-Säcke Rohkaffee haben die Asiaten von November 2011 bis Oktober 2012 exportiert. Knapp ein Viertel des in Deutschland importierten Kaffees stammt aus Vietnam. Die Sorte Robusta hat laut Kaffeekennern weniger Säure als Arabica. Verwendet wird sie unter anderem von Lebensmittelkonzernen wie Nestlé, die daraus Instant-Kaffee herstellen.

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Entsprechend hoch ist die Abhängigkeit der Vietnamesen vom Anbau. Wer in dem armen Land - bereinigt um die Kaufkraft lag das vietnamesische Pro-Kopf-Einkommen im letzten Jahr umgerechnet gerade einmal bei schätzungsweise 2.560 Euro - ein paar Kaffeepflanzen sein Eigen nennt, kann sich glücklich schätzen. Eigentlich. Denn an den weltweiten Rohstoffbörsen sackte der Preis für Kaffee ab. Seit Beginn des Jahres fiel der Kurs für Arabica-Bohnen um über 20 Prozent. Während ein Pfund (453 Gramm) Anfang des Jahres noch 148 US-Cent kostete, waren es zuletzt nur noch 115 US-Cent. Im November erreichte der Preis seinen niedrigsten Stand seit sieben Jahren, Beobachter fürchteten eine Kaffeekrise.

So funktioniert der Rohstoffhandel

  • Future-Contracts

    Bei einem Future-Contract kauft der Investor Rohstoffe nicht an regulären Märkten zu aktuellen Preisen sondern handelt auf Terminmärkten wie der deutsch-schweizerischen EUREX, der Chicago Mercantile Exchange (CME) zu der die Chicago Board of Trade (CBoT) gehört oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Hier wird der jeweilige Rohstoff zu einem Termin in der Zukunft gekauft. Der Investor bestellt beispielsweise im Februar Kakao, der im Juli geliefert werden soll.

  • Spot-Preis

    Spot-Geschäfte mit ihren kurzen Erfüllungsfristen sind das Pendant zu den Terminmärkten. Zwischen Bestellung und Lieferung liegen maximal zwei Börsentage. Der Spot-Preis ist dementsprechend der Preis, den Händler kurzfristig für den jeweiligen Rohstoff zahlen beziehungsweise erzielen. Bei Kassa-Preis dagegenhandelt es sich um den aktuellen Preis von Finanztiteln.

  • Cost of Carry

    Die Costs of Carry bei Rohstoffen setzen sich beispielsweise aus Lager- und Speditionskosten zusammen. Der Wert eines Future-Kontrakts besteht aus dem Kassa-Preis, also dem bei Vertragsabschluss herrschendem aktuellen Kakaopreis, und den Costs of Carry. Deshalb liegen die Future-Preise bei Termingeschäften anfangs meist über den Kassa-Preisen. Wenn ein Investor im März Kakao für Dezember bestellt, entstehen schließlich Lagerkosten für neun Monate. Er zahlt also den aktuellen Preis plus die Lager- und Speditionskosten. Der Händler kann die Lagerkosten aber über die neun Monate hinweg abschreiben - je näher der Liefertermin rückt, desto stärker nähert sich der Future-Preis dementsprechend wieder dem Kassa-Preis an.

  • Nearby–Future

    Der Nearby-Future ist der Rohstoff-Kontrakt mit der kürzesten Fälligkeit. Das Gegenteil, also der Future-Kontrakt mit der längsten Laufzeit, heißt dagegen Most-Distant-Futures-Contract.

  • Rollen

    Wer direkt in Rohstoffe investieren will, kauft statt einer Aktie oder eines Zertifikats einen Future-Kontrakt mit einer bestimmten Laufzeit und einem Erfüllungszeitpunkt. Der Erfüllungszeitpunkt ist nichts anderes als der Liefertermin. Das heißt, wer ein Kakao-Future mit einer Laufzeit bis Juli 2013 kauft, bekäme im Juli 2013 auch die gekaufte Menge Kakao geliefert.

    Ursprünglich ging es bei Warentermingeschäften schließlich um den Kauf physischer Rohstoffe. Mittlerweile sind viele der Kontrakte Spekulationsgeschäfte. Wer nur Geld verdienen und nicht auf zig Tonnen Kakao sitzen möchte, muss also vor Ende der Laufzeit seinen Kontrakt verkaufen und einen neuen mit einem späteren Liefertermin kaufen. Dieser Vorgang nennt sich rollen.

  • Rollrendite

    Beim Rollen können Anleger sowohl Gewinne als auch Verluste machen: Wer seinen alten Kontrakt günstig verkauft und den neuen Kontrakt teuer kauft, erwirtschaftet eine negative Rollrendite, macht also Rollverluste. Verkauft er dagegen teuer und kauft billig, fällt die Rollrendite positiv aus, er macht Rollgewinne.

  • Contango

    Bei einer Contango-Situation ist der Spot-Preis geringer als der ausgemachte Preis bei Fälligkeit des Future-Kontrakts. Wenn ein Anleger seinen Vertrag in so einer Situation weiterverkauft und in einen Most-Distant-Futures-Contract investiert, kann er Gewinne abgreifen. Wer dagegen bei niedrigem Spot-Preis und hohem Terminpreis seine Kontrakte abstößt und Kontrakte mit nächstmöglicher Lieferzeit kauft (Nearby-Futures) riskiert Verluste.

    Das Gegenteil von Contango ist eine Backwardation.

  • Backwardation

    Bei der Bachkwardation-Situation liegt der Preis der Future-Kontrakte unter denen am Kassamarkt. Der Anleger verkauft also vor Liefertermin seinen Kontrakt bei aktuell hohem Preis und kann günstig einen den Nearby-Future erstehen. Er verbucht also Rollgewinne.

Auch der Preis für die in Vietnam dominierenden Robusta-Bohnen hat eine Talfahrt hinter sich. Zwar konnte er sich zunächst dem allgemeinen Preisdruck widersetzen, seit Sommer allerdings war die Entwicklung ähnlich negativ wie beim großen Bruder Arabica.

Grund für die sinkenden Preise ist das Überangebot der braunen Bohnen. Sowohl in Brasilien, in Vietnam als auch in anderen Anbaugebieten werden Rekordernten eingefahren. Die Röstereien haben schon genug auf Lager, doch es fehlen die Abnehmer. Insgesamt wurden in der Erntesaison 2012/13 mehr als 145 Millionen 60-Kilo-Säcke Kaffee geerntet, fast zehn Prozent mehr als in der Vorsaison. Den Kaffeekonsum dagegen schätzt die Internationale Kaffee-Organisation (ICO) in London nur auf 142 Millionen Säcke. Der jährliche Kaffeegenuss der Deutschen wird auf etwa sieben Kilo Kaffeebohnen geschätzt. 

Freuen können sich über die niedrigen Preise vor allem die Konsumenten. Auch in Deutschland – Discounter wie Aldi haben auf den anhaltenden Preisfall reagiert und die Preise für Kaffee gesenkt. 20 Cent weniger kostet ein Pfund Kaffee seit Anfang November. Auch bei Tchibo ist der Einkauf günstiger geworden.

Für die Kaffeebauern ist die Preisentwicklung allerdings fatal. Während sie im vergangenen Jahr noch knapp 50.000 vietnamesische Dong (umgerechnet 1,70 Euro) für ein Kilo Kaffeebohnen bekamen, waren es in diesem Jahr teilweise gerade einmal 26.000 Dong, sprich etwa 88 Cent.

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