Rohstoffexperte: "Gold bleibt erste Wahl"

InterviewRohstoffexperte: "Gold bleibt erste Wahl"

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Der Politikbeobachter: Tobias Merath, 32, leitet seit 2006 das Rohstoffresearch der Schweizer Großbank Credit Suisse in Zürich.

von Frank Doll

Der Rohstoffexperte von Credit Suisse, Tobias Merath, favorisiert für 2012 Gold und Kupfer. Er warnt vor einem in die Höhe schießenden Ölpreis.

Herr Merath, durchlaufen Rohstoffe eine kurzfristige Korrektur oder stehen wir am Beginn einer langfristigen Trendumkehr?

Merath: Trendwenden an den Rohstoffmärkten fielen in der Vergangenheit stets zusammen mit fallender oder stagnierender globaler Industrieproduktion. Ein solches Szenario können wir derzeit nicht am Horizont erkennen. In Europa sind die Konjunkturaussichten nicht sehr rosig toll, aber in den USA könnte es besser laufen, als viele erwarten. In China sieht es nach einer sanften Landung aus. Der Zinserhöhungszyklus dort dürfte auslaufen. Auch in Lateinamerika gehen die Zentralbanken wieder auf einen stimulierenden Pfad. Das sind global gesehen ja die Regionen, die viel Rohstoffe verbrauchen.

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Also Rohstoffe kaufen?

Merath: Vorsicht. Die technische Analyse mahnt noch zur Vorsicht. Wichtige Trendlinien sind gebrochen, die Abwärtsbewegung ist noch nicht gebremst. Es ist ratsam, noch etwas zu warten!

Wie erklären Sie diesen Widerspruch?

Merath: Die Ursache orte ich an den Kreditmärkten. Rohstoffe sind eine Anlageklasse, die stark auf Finanzierung angewiesen ist. Es gibt derzeit Finanzierungsstress am Geldmarkt. Vor allem europäische Banken haben große Probleme, sich Dollar zu beschaffen. Die brauchen sie aber, um ihre Dollarengagements, etwa in Rohstoffen oder in Krediten an Rohstoffanleger zu finanzieren. Dieser Finanzierungsstress führt dazu, das Rohstoffe verkauft werden müssen.

Die wichtigsten Notenbanken haben die Konditionen für Notfall-Liquiditätsprogramme in einer konzertierten Aktion gelockert und verlängert. Hilft das?

Merath: Das zeigt, wie ernst die Lage ist. Zumindest kurzfristig nimmt die Intervention etwas Druck aus dem Kessel, weil sie den europäischen Banken die Refinanzierung ihrer auf Dollar lautenden Anlagen erleichtert.

Rohstoffe wurden in der Vergangenheit immer als alternative Anlageklasse gepriesen, deren Preise sich unabhängig von Aktien oder Anleihen bewegen. Sind sie das tatsächlich?

Im Prinzip schon, zumal Rohstoffe selbst ja keine homogene Anlageklasse sind. Aber Rohstoffe reagieren nun einmal sehr empfindlich auf Schwankungen an den Kreditmärkten. Das ist der Grund, warum in Krisen die Korrelation von Rohstoffen zu Aktien stark zunimmt. Rohstoffe sind keine stressfreie Zone. Seit der Stress im Finanzsystem wieder zunimmt, ist das Engagement in den Rohstoffmärkten stark gefallen. Die Probleme an den Kreditmärkten haben viele Marktteilnehmer aus den Rohstoffmärkten getrieben.

Sie meinen Spekulanten?

Merath: Die auch. Aber die Probleme treffen ja auch Produzenten und Verbraucher, die Preisrisiken absichern und physisch in Rohstoffen handeln müssen. Wenn sich zum Beispiel eine Fluggesellschaft den Kerosinbedarf für die nächsten sechs Monate absichern will, dann setzt sie auf steigende Preise. Fällt der Preis, muss sie Geld nachschießen. Dafür braucht sie eine Kreditlinie. Wenn die Bank aber eine Liquiditätsklemme hat, dann wird die Bank versuchen, die Kreditlinie zu verteuern oder zu reduzieren. Wenn die Fluggesellschaft dann einen Margin-Call bekommt, also die Aufforderung, Geld nachzuschießen, sie aber nicht mehr über eine ausreichende Kreditlinie verfügt, muss sie die Position abbauen und verkauft.

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