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Roundtable der Börsenprofis: Droht eine Anleihe-Blase?

Roundtable der Börsenprofis: Worauf Zulauf, Gross und Co. 2013 wetten

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Droht eine Anleihe-Blase?

Aktuell drückte der überraschend starke Stellenaufbau in den USA den Goldpreis am Freitag auf ein Acht-Wochen-Tief. Eine Feinunze verbilligte sich auf bis zu 1695,20 Dollar. Investoren zogen sich angesichts der verbesserten Konjunkturaussichten aus dem "sicheren Hafen" Gold zurück und steckten ihr Geld in vermeintlich renditeträchtigere Anlagen wie Aktien. Das passt zu der Stimmung, die Anfang des Jahres bereits einmal bei den institutionellen Investoren herrschte:

Bild: dpa

Entsteht bei hochverzinslichen Risikoanleihen gerade eine Blase?

Gross: Ein gewisses Risiko einer Blasenbildung besteht bei Anleihen generell. Aber wenn die Konjunktur rund zwei Prozent wächst, wird die Welt am High-Risk-Markt nicht zusammenbrechen, weil es nicht sehr viele Ausfälle geben wird.

Hickey: Vor einer Blase kommt normalerweise eine Euphorie, und davon sind wir weit entfernt. Die Leute müssen die Anleihen wegen der Renditen kaufen, denn die brauchen sie. Das Ganze läuft letztlich zwar auf dasselbe hinaus, aber Begeisterung kommt da keine auf.

Zulauf: Regierungsanleihen sind derzeit fehlbewertet, wie Bill gerade erklärt hat. Folglich sind alle anderen Rentenwerte ebenfalls fehlbewertet. Derzeit fließen riesige Mengen an Geld in Emerging-Markets-Anleihefonds. Die aufstrebenden Märkte haben zwar bessere Fundamentaldaten als die Industrieländer, aber wenn ein Markt mit zu viel Geld überschwemmt wird, kommt es zu einer Fehlallokation und in der Folge zu Problemen. Die Emerging-Markets-Anleihefonds sind in den vergangenen zehn Jahren um das Zehnfache gewachsen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem so eine Entwicklung zu Problemen führt.

Gross: Den meisten Menschen ist nicht klar, dass die Renditen fallen, wenn die Kurse steigen und die Kurse fallen, wenn die Renditen steigen.

Witmer: Glauben Sie wirklich, dass die Leute das nicht verstanden haben?

Gross: Ja, dieser Aspekt des Anleihenmarktes ist für viele schwer zu begreifen.

„Wenn Leute wie ich ein Währungsregime stürzen können, stimmt das System nicht.“

Bild: Reuters

Manche Blasen sind auch einfach offensichtlicher als andere.

Gross: Ab einem bestimmten Punkt wird auch am Anleihenmarkt eine Blase leicht erkennbar. Kürzlich fielen die Renditen für ein- bis zweijährige deutsche und Schweizer Anleihen in einen negativen Bereich, weil die Anleger diese Papiere als sicheren Hafen betrachteten. Auch US-Regierungsanleihen kommen schon ziemlich in die Nähe von negativen Renditen. An diesem Punkt ist es sicherer, wenn man sein Geld in eine Matratze einnäht, als es in einer Anleihe anzulegen.

Zulauf: Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass wir bei Anleihen die ganze Zeit einen sagenhaften Bullenmarkt hatten. Auch zahlreiche institutionelle Investoren haben einen großen Teil davon verpasst, einfach weil sie bei einem bestimmten Niveau ausstiegen. Wie sollte man auch wissen, dass die Renditen so tief fallen können, als sie es letztlich taten? Als in der Schweiz die Rendite für die zehnjährige Regierungsanleihe auf 3,5 Prozent fiel, stellten die Pensionsfonds die Anleihekäufe vollständig ein. Dann gingen die Renditen mehrere Jahre lang bis auf 50 Basispunkte zurück. Ich blieb investiert; aber im letzten Sommer verkaufte ich alle meine Anleihen.

Gross: Um es ganz deutlich zu sagen: Das Zinslevel bei Anleihen ist derzeit ein künstliches; aber wenn man von langfristigen Anleihen absieht, sehe ich absolut keine Elemente, die zu einer Blase führen könnten. Der Grund: die Zentralbanken kaufen den Großteil der Anleihen, und der Cashflow von den bestehenden Anleihebeständen – wenn dieser, was meistens der Fall ist, reinvestiert wird – übersteigt das Angebot an Anleihen. Ein Angebot-Nachfrage-Engpass bei Zinssätzen von quasi null, ist nahezu unvorstellbar. Und doch sind wir schon beinahe an diesem Punkt.

Zulauf:  Und das Pyramidenspiel geht weiter, bis uns Inflation einen Strich durch die Rechnung macht.

Gross: Richtig. Das ist letztlich, was die Anleger an den Randbereichen zum Ausstieg motivieren wird. Langfristige Anleihen werden sie verkaufen, aber fünfjährige US-Regierungsanleihen behalten.

Blasen platzen, wenn den Leuten klar wird, dass sie keinen Gewinn machen, oder dass etwas nicht stimmt. Es ist eine Frage der Stimmung.

Hickey: Ja, die Psychologie spielt eine große Rolle. Niemand kann einen konkreten Anlass für das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 nennen. Es gab einfach einen Stimmungsumschwung, quasi über Nacht. So ist es, eines Tages – niemand kennt den Tag noch das Jahr – ändert sich die Stimmung. In Anleihen investieren ist derzeit vergleichbar mit Russischem Roulette. Irgendwann erwischt man die Kugel. Und das könnte schneller passieren, als wir denken.

Gross: Aber die Öffentlichkeit fungiert doch als Wächter.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.02.2013, 21:57 UhrJens

    Wenn ich so die letzten Monate querlese, empfehlen diese ganzen Börsenheinis aus allen Ecken des Finanzuniversums unbedingt, als aller- aber auch auch wirklich allerletzte Chance den Einstieg in Aktien. Wenn das kein klarer Indikator für den Ausstieg ist, was dann? lauter kann es nicht klingeln.

  • 13.02.2013, 09:01 UhrGast

    Aber natürlich werden die erfolgreichen Leute einfach mal so raushauen, was sie zu ihrem Geld bringt.

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