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Roundtable der Börsenprofis: Einschneidende Veränderungen am Rentenmarkt

Roundtable der Börsenprofis: Worauf Zulauf, Gross und Co. 2013 wetten

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Einschneidende Veränderungen am Rentenmarkt

Die Inflation frisst das Vermögen auf. Im Dezember lag die Preissteigerungsrate zwar nur bei 2,1 Prozent, von einer Preisexplosion ist Deutschland 2012 verschont geblieben. Jedoch machen die niedrige Zinsen vielen Anleger zu schaffen.

Vor einigen Jahren konnten Anleger mit dem Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen solider Schuldner noch einen realen Vermögenerhalt genieren. Heute ist dies nicht mehr möglich. Gleichzeitig schrecken die großen Schwankungen an den Aktienmärkten viele Sparer von einem Investment ab. Wir zeigen ihnen mit welchen Vermögenswerten sich die Inflation ausgleichen lässt.

Bild: dpa

Nun Brian, glauben Sie noch immer, dass die Gewinne nur fünf Prozent wachsen werden?

Rogers: Seit 2009 wurden wieder beeindruckende Gewinnsteigerungen erzielt. Aber irgendwann kommt man zu dem Punkt, an dem man erkennt, dass man nichts holen kann, wo nichts mehr ist. Die Chancen auf große Gewinnsteigerungen bei US-Unternehmen erscheinen mir in diesem Jahr recht dürftig. Die Margen sind bereits auf einem historischen Hoch und die Nachfrage steigt zwar, aber nur langsam. Auch global erwarte ich ein zwar positives, aber langsames Gewinnwachstum.

Witmer: Die Gesundheitskosten steigen ebenfalls.

Rogers: Und die Verbrauchernachfrage könnte unter den Steuererhöhungen leiden. Es gibt wenig Anhaltspunkte, aus denen sich eine wirklich optimistische Gewinnwachstumsprognose ableiten ließe. Aber noch einmal: ein Gewinnwachstum von fünf, sechs, sieben oder im Extremfall sogar acht Prozent ist gemessen an den auf Anleihen- und Geldmärkten erzielbaren Renditen durchaus ausreichend. Einschneidende Veränderungen wird es auf den Rentenmärkten geben. Am Hochzinsmarkt ist inzwischen so gut wie jede Chance genutzt; die Renditen durchbrechen bereits die Sechs-Prozent-Marke nach unten.

Schafer: Die Renditen von Hochzinsanleihen liegen zum ersten Mal überhaupt unter der Gewinnrendite des S&P 500-Index.

Rogers: Generell bin ich zuversichtlich für die Zukunft, aber im vergangenen Jahr stiegen die Aktienkurse wesentlich stärker als die Gewinne. Das große Rätsel des Jahres 2012 war für mich Europa. Das Ganze sah aus wie ein hoffnungsloser Fall, aber je nach Markt legten die Aktienkurse zwischen zehn und fast dreißig Prozent zu. Wirklich enttäuschend war die Entwicklung nur in Spanien. Der griechische Aktienmarkt entwickelte sich großartig – ein typisches Beispiel für die Risikofreude der Anleger im Jahr 2012.

Zulauf: Der griechische Markt hatte zuvor 90 Prozent an Wert verloren.

Rogers: Das ist mir bewusst, aber ich schaue mir die einzelnen Jahre getrennt an. In diesem Jahr ist es vielleicht die Debatte um die Schuldenobergrenze in den USA, die uns die Nerven verlieren lässt und so das alles beherrschende Jahresthema wird.

Witmer: Vielleicht kommt es gar nicht so schlimm. Das letzte Mal hatten wir uns auch zu früh aufgeregt.

Rogers: Präsident Obama spielt mit der republikanischen Führung im Repräsentantenhaus ein Spiel mit dem Untergang. Es lässt sich schwer sagen, wer zuerst ausweicht, vielleicht ziehen sie diese Strategie bis zum letzten Moment durch, und vielleicht ist sechs Monate später schon längst wieder alles vergessen. Aber das Thema könnte zunächst über mehrere Monate eine Menge Staub aufwirbeln und die Luft auf den Märkten vergiften.

Anlagestrategien 2013 Die Investmentideen von Brian Rogers

PNC Financial Services

Finanzdienstleister, hält 21 Prozent am Vermögensverwalter Blackrock; unterbewertet

Umsetzung

Aktie (ISIN US6934751057)

Was erwarten Sie in punkto Inflationsentwicklung? Jeder spricht von der Inflation, aber außer bei den Lebensmittelpreisen haben wir noch nicht viel davon gesehen.

Rogers: Wir sehen die Inflation nicht als Bedrohung in diesem Jahr. Insgesamt rechnen wir mit einer Preissteigerung von 2,0 bis 2,5 Prozent. Manchmal regt sich der ehemalige Volkswirtschaftsstudent in mir und sagt: „Wenn man alles zu Geld macht und so viel Liquidität schafft im System wie es in den letzten fünf Jahren geschehen ist, muss notgedrungen ein Inflationsdruck entstehen.“ Das ist die klassische volkswirtschaftliche Theorie. Bisher ist das nicht geschehen, aber irgendwann wird der Punkt kommen.

Hickey: Bisher hat es die Fed geschafft, die Inflationserwartungen gering zu halten; das ist wirklich eine Leistung. Jedes Mal, wenn sie die Gelddruckmaschinen anwerfen, sagen sie: „Wir denken, wir wollen kein Geld drucken.“ Das haben sie in vier Runden quantitativer Lockerungen mehrere Jahre lang erfolgreich gespielt.

Rogers: Ja, die Rhetorik und Wortwahl sind wahrlich großartig. Zum Beispiel gab es an einem Punkt eine Diskussion, ob die Fed die Anleihekäufe zurücknehmen sollte, weil die Arbeitslosigkeit in Richtung 6,5 Prozent zurückging. Die Leute haben verstanden „auf 6,5 Prozent“. Klar ist das missverständlich. Aber klar ist auch, dass die Fed in Zukunft nicht mehr so viele Wertpapiere kaufen wird. Irgendwann muss sie ihre helfende Hand zurückziehen und die US-Wirtschaft muss wieder selber laufen lernen.

Hickey:Ja, sie muss, aber sie wird es nicht tun, bevor sie nicht durch eine Krise gezwungen wird.

Black: Wir rechnen 2013 mit einem Anstieg der Gewinne im S&P um etwa fünf Prozent auf 104 Dollar. Auf dieser Basis erscheint der Markt billig. Ein Blick auf die unterschiedlichen Kategorien von US-Aktien zeigt, dass die hochkapitalisierenden Large Caps viel billiger sind als Small- und Mid-Caps. Der Russel 2000 notiert zum 17,5-Fachen der für 2013 erwarteten Gewinne. Das soll nicht heißen, dass es im Segment der Small- und Mid-Caps nicht auch einzelne günstige Aktien gibt, aber generell sind die Large-Caps systematisch unterbewertet. Mario erwartet einstellige Kurssteigerungen. In den letzten 21 Jahren hat es nur fünf Bullenjahre gegeben, in denen die Gesamtrendite am Markt im einstelligen Bereich lag.

Was wollen Sie damit sagen?

Black: Ein Markt, der übers Jahr nur drei bis fünf Prozent steigt, ist eher ungewöhnlich. Wenn die Gewinnentwicklung passt und der Markt billig ist, dann steigen die Kurse. Der einzige Hemmschuh ist meiner Meinung nach die anstehende Diskussion um die Anhebung des Schuldenlimits. Zwischen dem Markthoch am 7. Juli 2011 und dem Tief am 3. Oktober 2011, also in der Phase der letzten diesbezüglichen Auseinandersetzungen, verlor der S&P 500 18,8 Prozent an Wert. Eine ähnlich zähe Debatte lässt sich auch diesmal nicht ausschließen. Wenn die Budgetziele erreicht werden sollen, muss der Anstieg der Ausgaben für Sozialleistungen gesenkt werden. 36 Prozent der Bundesausgaben sind Sozialversicherungs- und Medicare-Ausgaben, also Gelder für die Gesundheitsvorsorge. Das sind die Löcher, in denen das Geld versickert. Mit kleineren Einsparungen bei anderen Regierungsprogrammen kommt man nicht weiter, genauso wenig wie mit massiven Kürzungen des Verteidigungsbudgets. Ich bin ein Demokrat der alten Schule. Leider hat es Präsident Obama verabsäumt, eine klare Linie vorzugeben. Federführend bei der Erstellung seines Programms waren Nancy Pelosi, die Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, und Harry Reid, der ebenfalls demokratische Mehrheitsführer im Senat. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich Obama selbst hinstellt und sagt: „Wir müssen den Anstieg der Sozialausgaben wohl oder übel eindämmen, ob wir wollen oder nicht.“ Die öffentliche Verschuldung liegt bei 104,8 Prozent des BIP; das ist das höchste Niveau seit Ende des Zweiten Weltkriegs und auf Dauer nicht haltbar. Ausgehend von den aktuellen Budgetplänen wird dem Sozialversicherungssystem 2033 und dem Krankenversicherer Medicare bereits 2024 das Geld ausgehen. Andererseits, wenn sich die beiden Parteien auf eine vernünftige Lösung zur Eindämmung der Sozialausgaben einigen und nicht bis zum Letzten gehen und zulassen, dass die Ratingagenturen die Zahlungsfähigkeit der USA wieder einmal in Frage stellen, dann könnte der Markt nach oben davon schießen.

Hickey: Warum glauben Sie, dass dieser Fall eintreten könnte? Nancy Pelosi hat ja bereits gesagt, es werde bei den Sozialleistungen für Alte und Arme keine Einschnitte geben.

Black: Der Präsident muss sich keiner Wiederwahl mehr stellen. Und er muss inzwischen erkannt haben, dass sich das Land auf einem längerfristig unhaltbaren Kurs befindet.

Hickey: Das sollte ihm ja auch in den vergangenen vier Jahren schon klar gewesen sein. Aber er hat nicht gegengesteuert.

Black: Ich rechne letztlich mit einem Kompromiss. Die Republikaner werden stur bleiben und die Schuldenobergrenze nicht anheben, solange die Demokraten nicht bereit sind, die Ausgaben zu reduzieren.

Gross:Wenn die USA mit diesem Defizitgebaren fortfahren, wird unsere Verschuldungsquote, gemessen am BIP, bald auf dem Niveau mancher südeuropäischer Staaten liegen. Die unmittelbare Folge wären Ratingverschlechterungen und höhere Zinsen.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.02.2013, 21:57 UhrJens

    Wenn ich so die letzten Monate querlese, empfehlen diese ganzen Börsenheinis aus allen Ecken des Finanzuniversums unbedingt, als aller- aber auch auch wirklich allerletzte Chance den Einstieg in Aktien. Wenn das kein klarer Indikator für den Ausstieg ist, was dann? lauter kann es nicht klingeln.

  • 13.02.2013, 09:01 UhrGast

    Aber natürlich werden die erfolgreichen Leute einfach mal so raushauen, was sie zu ihrem Geld bringt.

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