Roundtable der Börsenprofis: Worauf Zulauf, Gross und Co. 2013 wetten

14. Februar 2013

Neun hochkarätige Experten bat unser US-Partnermagazin Barron’s an einen Tisch. Sie sagen, wie sie das Vermögen ihrer Anleger auch 2013 mehren wollen. Und wir zeigen, mit welchen Zutaten Sie die Rezepte der Profis am besten umsetzen.

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2012 war ein gutes Aktienjahr. Mario, wie wird 2013?

Mario Gabelli: Zuletzt haben Anleger Geld aus dem Aktienmarkt abgezogen, unterm Strich war der Mittelfluss negativ. Aber schauen wir zuerst einmal nach China und Japan. Auf diese Länder, die ihre Konjunkturmotoren gerade wieder hochfahren, entfallen 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung von rund 75 Billionen Dollar. Weitere 20 Prozent entfallen auf Europa, das wirtschaftlich allerdings noch eine Baustelle ist. Die USA tragen 21 Prozent zur Weltwirtschaftsleistung bei. Das Nettovermögen der US-Verbraucher hat ein Allzeithoch erreicht. Derzeit bauen sie Schulden ab. Möglich gemacht hat das Fed-Chef Ben Bernanke – mit anderen Worten: Die US-Notenbank druckt Geld, druckt Geld, druckt Geld, und das hat die Kurse und Preise auf den Finanz- und Immobilienmärkten steigen lassen.

Kommen Sie bitte zum Punkt. Sind Sie optimistisch oder pessimistisch?

Gabelli: Nur langsam, ich bin auf dem besten Weg dorthin. Also, die Unternehmensgewinne sollten 2013 ordentlich steigen, 2014 wahrscheinlich sogar noch stärker. Die Zinsen werden ebenfalls steigen, aber das hat der Markt bereits berücksichtigt. Wenn man den negativen Mittelfluss und die relativ niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis bedenkt, kann man nicht anders als optimistisch sein. Kurzfristig werden sich am Aktienmarkt eine Menge Schlaglöcher auftun, und insgesamt erwarte ich für dieses Jahr höchstens fünf Prozent Kurssteigerung. Allerdings war ich noch nie so begeistert von den Chancen, die sich bei einzelnen Aktien bieten: speziell Kapitalmaßnahmen wie Zusammenschlüsse, Übernahmen, Aufspaltungen, Abspaltungen und Ähnliches schaffen ein Umfeld, in dem man in diesem Jahr sehr viel Geld verdienen kann. Da herrscht richtig Goldgräberstimmung am Markt.

Warum gibt es aber in den breiteren Indizes nur moderate Gewinne?

Gabelli: Unser Finanzsystem leidet unter strukturellen Problemen, und irgendwann kommt der Punkt, an dem die Fed das viele Geld, das sie ins System gepumpt hat, wieder abzuziehen beginnt.

Bill Gross: Wenn ich nur höre: „Ich war noch nie so begeistert“, renne ich schon in die Gegenrichtung.

Gabelli: Okay, bei Anleihen habe ich eine Leerverkaufsposition, die begeistert mich auch.

Felix Zulauf: Dieses Jahr könnte so ziemlich das Gegenteil von 2012 werden. Im Vorjahr standen wir in Europa vor gravierenden Problemen, die zum Zusammenbruch der Eurozone hätten führen können. Aber die Europäische Zentralbank (EZB) nahm Geld in die Hand und verhinderte die Krise, indem sie enorme Mengen an Regierungsanleihen erwarb. Viele zyklische Märkte, wie etwa die ganzen aufstrebenden Volkswirtschaften und die Rohstoffmärkte, gingen 2011 und im ersten Halbjahr 2012 zurück – bis eben die EZB mit rettender Hand eingriff. Inzwischen befinden sich diese Märkte, ebenso wie die USA und Deutschland, das im Übrigen keine Schwäche zeigte, im letzten Aufwind einer kräftigen Rallye. Aber der Zyklus ist schon weit fortgeschritten. Die Rally wird zwischen dem zweiten und dem dritten Quartal verebben, und die Märkte werden abwärts drehen. Die Probleme, die wir in den letzten Jahren an diesem runden Tisch diskutiert haben, bestehen nach wie vor, und werden wieder zum Thema werden.

Fred Hickey: Spanien muss eine Rekordsumme an Schulden finanzieren. Falls es da Probleme gibt, könnte das die nächste Krise in Europa auslösen?

Zulauf: Europa kämpft an mehreren Fronten. Eine Währungsunion von Ländern mit unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen ist ein eigentümliches Gebilde, in dem es zu vielerlei Spannungen kommt. Innerhalb der Eurozone gibt es große Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder. Manche Beobachter sprechen von Verbesserungen in der europäischen Leistungsbilanz; ihrer Meinung nach könnte Europa eine fulminante Erholung hinlegen, vergleichbar etwa mit dem Aufschwung in den asiatischen Ländern Ende der Neunzigerjahre. Das ist natürlich Quatsch. Asien hatte in den Neunzigerjahren eine Finanzkrise, und die Länder werteten ihre Währungen um 50 Prozent ab, was dann einen Exportboom auslöste. In Europa liegen die Dinge anders. Die Peripherieländer sind weit entfernt von einem Exportboom. Die Importe schrumpfen. Unter diesen Umständen kann es kein Wachstum geben. Und die Hoffnung, dass die Länder in der Peripherie die Flaute bald überwinden, ist völlig müßig; im Gegenteil, derzeit sieht es eher so aus, als würde Frankreich zum nächsten Sorgenkind.

Warum das?

Zulauf: Die Lohnstückkosten sind so stark gestiegen, dass die französische Wirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Die Probleme kommen jetzt langsam ans Tageslicht. Die Franzosen können ihre Autos nicht mehr verkaufen. Die Regierung hat es versäumt, eine Reform einzuleiten; sie hat den falschen Weg in Richtung mehr Sozialismus eingeschlagen. In diesem Jahr müssen wir in Frankreich mit großen Enttäuschungen rechnen, unter anderem einem Anstieg des Leistungsbilanz- und des Budgetdefizits. Die Hohepriester riester der europäischen Wirtschaftspolitik haben die Erhaltung des Euro zur obersten Priorität erklärt. Aber mit dieser Entscheidung haben sie Millionen von Arbeitsplätzen zerstört und treiben Millionen von Menschen in die Armut. Das wird sich irgendwann rächen. Man kann die Eurozone nicht ewig mit Zentralbankgeld zusammenkitten. Die Finanzmärkte können nicht gegensteuern, weil sie die EZB gegen sich hätten. Diese hat eine immense Macht, denn sie kann Geld drucken. Die Revolte wird letztlich vom kleinen Mann auf der Straße ausgehen. Man kann die Menschen eine Zeit lang in die Armut drängen, aber irgendwann stößt man da an eine Grenze.

Gabelli: Wie kann Europa seine Probleme lösen?

Zulauf: Die Länder könnten die nationale Souveränität aufgeben und eine Föderation europäischer Nationalstaaten bilden; aber das ist unwahrscheinlich und unrealistisch. Alternativ könnten einige Länder aus der Eurozone austreten und ihre Währungen abwerten. Langfristig ist das ist die wahrscheinlichere Option. Derzeit verlagern sich die Verbindlichkeiten in ganz Europa vom privaten zum öffentlichen Sektor. Im Gegensatz zu manchen anderen Beobachtern sehe ich in Europa keine Aussicht auf eine Erholung.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 13.02.2013, 09:01 UhrGast

    Aber natürlich werden die erfolgreichen Leute einfach mal so raushauen, was sie zu ihrem Geld bringt.

  • 15.02.2013, 21:57 UhrJens

    Wenn ich so die letzten Monate querlese, empfehlen diese ganzen Börsenheinis aus allen Ecken des Finanzuniversums unbedingt, als aller- aber auch auch wirklich allerletzte Chance den Einstieg in Aktien. Wenn das kein klarer Indikator für den Ausstieg ist, was dann? lauter kann es nicht klingeln.

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