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Schiffsfonds: Bis zur Krise sah alles gut aus

Schiffsfonds: Die Altersversorge wird verschrottet

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Bis zur Krise sah alles gut aus

Platz 10

Kapazitäten zum Transport von 509.065 Standardcontainer hat die Reederei Mitsui O.S.K Lines nach Angaben des Branchendienstes Alphaliner am 1. November 2012. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das japanische Unternehmen auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Foto: die Alligator Bravery im Hafen von Oakland, Kalifornien.

Bild: AP

Andere Initiatoren trieben es nicht ganz so schlimm wie Embdena, doch Schiffsfondsgeschädigte gibt es überall. Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken, sie alle haben Schiffsbeteiligungen verkauft und üppige Provisionen kassiert. Investitionen in Transportschiffe – meist Frachter für Erz, Kohle oder Container sowie Tanker für Gas und Öl – wurden durchweg als vielversprechende Geldanlage gepriesen. Es sah ja auch alles wunderbar aus: Bis zur Finanzkrise 2008 wuchs der Welthandel stetig, zudem wurden Investments nur gemäß Tonnage der Schiffe pauschal besteuert. Kreditinstitute wie die auf die Commerzbank verschmolzene Schiffsbank oder die HSH Nordbank liehen den Fonds damals bereitwillig Geld. Und so wurden in den Boomjahren um 2005 viele deutsche Privatanleger zu Amateur-Reedern.

Banken fordern Kredite zurück

Doch nach der Finanzkrise stürzten die Frachtpreise und damit die Einnahmen der Schiffsgesellschaften ab – es gab zu viel Laderaum und, trotz deutschem Exportwunder, zu wenig Fracht. Da die nervös gewordenen Banken jetzt ihre Kredite von den Fonds zurückfordern, bleibt für Anleger nicht mehr viel übrig. Mitunter müssen sie selbst bereits erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen – oder sogar frisches Geld nachschießen, um sich und die Gesellschaft vor Totalverlusten zu retten.

Anleger, die nach solchen Pleiten Banken und Fondshäuser haftbar machen wollen, gehen einen mühsamen Weg. "Etliche Anwälte stellen enttäuschten Investoren jetzt schnelle Erfolge in Aussicht", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Doch die Betroffenen müssten sich auf lange Verfahren einstellen und sollten Rechtsschutzversicherungen abgeschlossen haben, die auch das Kapitalanlagerecht abdecken.

Enttäuschende Schiffsfonds

  • Cap Portal

    Fondshaus: MPC Capital

    Reederei: Claus-Peter Offen

    Anlagekapital: 13 Millionen Euro

    Dem Fonds in dem 13 weitere Frachter stecken, droht Totalverlust.

  • Saar N

    Fondshaus: Commerz Real

    Reederei: Pronav

    Anlagekapital: 17,5 Millionen Euro

    Das 400 Anlegern gehörende Schiff soll verschrottet werden.

  • Vogerunner

    Fondshaus: HCI Capital

    Reederei: Vogemann

    Anlagekapital: 22 Millionen Euro

    500 Anleger müssen 1,8 Millionen Euro nachschießen.

Als das Oberlandesgericht Oldenburg etwa in diesem Jahr vier Schadensersatzklagen des Berliner Anwalts Wolfgang Schirp für Eaststar-Anleger verhandelte, störte die Abzocke mit den rumänisch-türkischen Schrott-Schiffen die Richter nicht. Schadensersatz bekamen die Anleger nur zugesprochen, weil die Embdena allzu dreist war und an einer Ecke zu viel abkassierte. Für den Kauf der Eaststar schloss sie ein Wechselkurs-Sicherungsgeschäft ab. Nicht etwa mit einer Bank, sondern mit sich selbst – was Embdena eine halbe Million Euro Sondergewinn einbrachte. Solch ein Konstrukt sei unüblich und noch dazu im Prospekt verschleiert worden, fanden die Richter, Anlegern stehe deshalb Schadensersatz zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision beim Bundesgerichtshof müssen Anleger noch überstehen.

Schlechte Beratung

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Ansatzpunkte für Klagen gegen Banken und Initiatoren sind vor allem Beratungsfehler und Mängel in den Fondsprospekten. "Meine Mandanten wurden von ihren Beratern über die Risiken der zur Altersvorsorge völlig untauglichen Schiffsfonds im Unklaren gelassen", sagt Anwalt Ralf Stoll aus Lahr bei Freiburg. Berater der Deutschen Bank, der Postbank sowie des Strukturvertriebs AWD hätten die Produkte als sichere Anlagen angepriesen, sagt Stoll. Dabei flossen Provisionen von bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals der Fonds.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 06.09.2012, 12:33 UhrHschneider

    Das ist ernüchternd. Und fast noch schlimmer ist, dass sich jetzt die Abzocker-Anwälte wie Parasiten auf die geschädigten Anleger stürzen um diese ein zweites Mal vorzuführen. Denn zu holen ist in den meisten Fällen wenig bis nichts.
    Aber was wird mit den gäubigen Immo- und Solar-Anlegern geschehen? Genau das gleiche. Wo zuviel Geld zur Verfügung steht oder Panik oder andere Emotionen treibende Kraft sind, gehen die Einkaufspreise hoch - viel zu hoch. Das ist für den Selbstnutzer schade, aber fast egal. Wer jedoch mittelfristig wie ein Fonds wieder verkaufen will, und neben den hohen Weichkosten (z.T. über 20%) plus eine jährliche Rendite von 5 bis 15% einspielen soll, der hat wahrscheinlich schlechte Karten. Aber das sieht man erst in ein paar Jahren. Wo Licht ist, zieht es Ungeziefer an ...

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