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Schiffsfonds: Rettungsring für Fondsanleger im Sturm

von Miguel Zamorano

Der Hamburger Lloyds-Fonds plant eine Umstrukturierung von bestehenden Einzelschiffsfonds. Es ist der Versuch, die Schiffe durch wirtschaftliche turbulente Zeit zu führen. Geht der Plan nicht auf bedeutet das für die Anleger: sie müssen das Eigenkapital erhöhen – oder sie verlieren viel Geld.

Der Frachter "Vera Voloshina" erleidet Schiffbruch im Schwarzen Meer, 2007. Das Schicksal steht vielen Schiffsfonds-Anlegern vermutlich noch bevor. Quelle: AP
Der Frachter "Vera Voloshina" erleidet Schiffbruch im Schwarzen Meer, 2007. Das Schicksal steht vielen Schiffsfonds-Anlegern vermutlich noch bevor. Quelle: AP

Das Emissionshaus Lloyds Fonds hat Medieninformationen bestätigt, wonach die Fondsgesellschaft plant, 16 Schifffahrtsgesellschaften in einem einzelnen Fonds aufzufangen. „Betroffen sind ungefähr 6000 Anleger“, sagte Torsten Teichert, Vorstandschef von Lloyd Fonds, in einer telefonischen Pressekonferenz am Montag.

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Die in Hamburg ansässige Lloyd-Fonds AG möchte mit dieser Umstrukturierungsmaßnahme die Weiterführung der Schiffe ermöglichen. Es ist eine dramatische Notbremse, um eine mögliche Pleite der einzelnen Fonds abzuwenden.

Über Schiffsfonds

  • Was sind Schiffsfonds?

    Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds, sie zählen zum Grauen Kapitalmarkt und werden nicht staatlich überwacht. Der Anleger finanziert mit seiner Einlage die unterschiedlichsten Schiffstypen mit. Sobald genug Geld für ein oder mehrere Frachter gesammelt ist, wird der Fonds geschlossen.

    Schiffsfonds dienen zudem zum Steuersparen. Seit 2005 wurden die Abschreibungsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt. Vor allem Großverdiener legen ihr Geld in Schiffsbeteiligungen an.

  • Wie werden die Schiffe vermarktet?

    Die Schiffe werden an internationale Reedereien vermietet oder verchartert. Als das Geschäft mit Seetransporten noch brummte, war ein Großteil der Flotte in Asien unterwegs. Das hat für enorme Überkapazitäten auf dem Schiffsmarkt gesorgt. Die Charterpreise sind seitdem in den Keller gerauscht, gleichzeitig hat die Aktivität auf den Weltmeeren abgenommen.

  • Wie kommt es zu Problemen?

    Die Schiffe fahren nur dann Gewinn ein, wenn sie regelmäßig ausgelastet sind und von der Reederei gut gemanagt werden. Niemand kann garantieren, dass das Schiff auch Jahre später noch mit voller Auslastung auf den Weltmeeren fährt. Dieser Fall ist nun in den letzten zwei Jahren eingetreten Im schlimmsten Fall geht das gesamte investierte Kapital der Anleger verloren.  Schon seit 2004 hatten Verbraucherschützer regelmäßig vor den hohen Risiken der Schiffsbeteiligungen gewarnt.

„Eine Sanierung ist auf der derzeitigen Basis von Einzelfonds nur schwer möglich“, sagte Vorstandsvorsitzender Teichert. Das Konzept Ocean 16 sieht vor, dass 16 geschlossene Schiffsfonds in einer einzelnen separaten Auffanggesellschaft überführt werden. Die bestehenden Altschulden mit den verschiedenen Banken sollen weitgehend durch eine einzelne Bank abgelöst werden. Der Lloyds-Fonds befindet sich derzeit zusätzlich auf der Suche nach Partnern für die Zwischenfinanzierung, sowie liquiden Mitteln, um Geld für den laufenden Betrieb der Ocean 16 zu akquirieren. Erst wenn diese Suche erfolgreich abgeschlossen sei, würde den Anlegern das Ocean-16-Konzept zur Abstimmung vorgelegt. Die Beiräte seien informiert und hätten bereits Zustimmung signalisiert, so Teichert.

Den Anlegern droht ein herber Verlust

„Sollten die Verhandlungen scheitern, werden wir die Anleger befragen, ob sie zusätzliches Eigenkapital zuschießen wollen“, sagte Teichert am Montag. In den Ohren der Anleger dürfte der Satz wie eine Drohung klingen.

Die Anteilszeichner teilen ihr Schicksal mit anderen 250.000 Deutschen, die ihr Geld in die geschlossenen Schiffsbeteiligungen gesteckt haben. Für sie geht es um sehr viel Geld: Das gesamte Anlagevolumen beträgt derzeit 33 Milliarden Euro. Können die Einzelfonds nicht saniert und die Kredite der Banken nicht bedient werden, müssen die Schiffe zu den jeweiligen Marktpreisen verkauft werden. Den Anlegern droht ein herber Verlust.

Mit dem Konzept von Ocean 16 möchte der Lloyds Fonds auch die operative Arbeit und das Management der Schiffe verbessern. „Dieses flexible Konzept sehen wir als Zukunftsmodell und es gibt uns die Möglichkeit, die Schiffe bis zu dem Zeitpunkt weiterzuführen, bis sich das wirtschaftliche Umfeld verbessert und die Märkte sich erholt haben.“

Quelle: dapd
Quelle: dapd

Ansonsten sieht der Fondschef keine positive Zukunft für die Einzelbeteiligungen. „Die Schiffseinzelfonds sind tot“, sagt Teichert. Niedrige Charterpreise und Überkapazitäten auf dem weltweiten Schiffsmarkt haben zahlreiche Fonds in die Pleite getrieben. Auch die Banken haben sich zunehmend aus dem Markt zurückgezogen, Ende Juni gab die Commerzbank diesen Schritt bekannt.

Lag die Höhe des Eigenkapitals der institutionellen Anleger im Jahr 2010 nach Angaben des Verband Geschlossene Fonds (VGF) noch bei 117,7 Millionen Euro, so sank dieser Betrag ein Jahr später auf gerade 2,8 Millionen Euro – ungefähr um 98 Prozent weniger. Trotzdem möchte der Geschäftsführer und Sprecher des VGF, Eric Romba, nicht von einer Pleitewelle sprechen: „Natürlich zieht die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise auch an Schiffsfonds nicht spurlos vorbei. Sinkende Charterraten führen zu geringeren Einnahmen der Fonds. So sind die Fonds Leidtragende des Marktumfeldes. Folglich ist auch die Platzierung neuer Fonds schwieriger geworden.

Dennoch ist es Anbietern im Jahr 2011 gelungen, Fonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro zu platzieren.“

Wer Risiko eingeht, muss auch Verluste in Kauf nehmen

Der Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DWS), Jürgen Kurz, rät den Anlegern zunächst Mal abzuwarten, bevor sie rechtliche Schritte unternehmen. „Grundsätzlich gilt zunächst einmal eine dreijährige Verjährungsfrist ab dem Zeitpunkt, an dem man ein Verlust feststellt“, sagt Kurz. Vielmehr sollten Anleger abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

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Auf Schadensersatz zu klagen, macht nur dann Sinn, wenn man der beratenden Bank eine fehlerhafte Beratung vorwerfen kann. Wichtig: Nicht die Bank muss nachweisen, dass sie richtig und fehlerlos informiert hat, sondern der Anleger selbst muss der Bank einen Fehler nachweisen.

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„Bei Anlegern mit einer konservativen Anlegerhistorie sind die Erfolgschancen höher, wenn sie eine Klage wegen fehlerhafter Beratung nachweisen können“, erklärt der DWS-Sprecher. Der Richter würde in diesem Fall eher eine Falschberatung vermuten, als bei einem Anleger, der bereits mit verschiedenen risikoreichen Produkten Erfahrung hat. „Bei so einem Anleger ist anzunehmen, dass er wissentlich das Risiko eingegangen ist und daher auch Verluste in Kauf nehmen muss“.

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