Schwellenländer: "China zu unterschätzen wäre vom Westen naiv"

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Schwellenländer: "China zu unterschätzen wäre vom Westen naiv"

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Dambisa Moyo

von Oliver Voß

Trotz gebremsten Wachstums ist das Modell des chinesischen Staatskapitalismus für Schwellenländer attraktiv, sagt die Ökonomin Dambisa Moyo.

Frau Moyo, das Wachstum in China ist so niedrig wie seit Jahren nicht – ist das Wirtschaftswunder vorbei?

China ist durch Handels- und Kapitalströme stark mit den westlichen Ländern verflochten. Ein Teil der Verlangsamung liegt also auch am Abschwung in Europa und den USA. Doch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag zuletzt bei 7,5 Prozent. Das ist immer noch ziemlich gut. Als Faustregel gilt, dass Schwellenländer um sechs Prozent wachsen müssen, um die Armut reduzieren zu können.

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Sie rechnen also nicht mit einem dauerhaften Ende des chinesischen Booms?

Nein. Das Land befindet sich in der Transformation von der investitionsgesteuerten zur konsumgesteuerten Ökonomie. Das ist kompliziert, und es wird Hochs und Tiefs geben. Doch die meisten Indikatoren sprechen dafür, dass China langfristig strukturell deutlich wachsen wird. Nach verschiedenen Schätzungen wird China bis 2020 die größte Ökonomie der Welt sein, das ist in nicht einmal einer Dekade. Das hat Konsequenzen für die ganze Welt.

Zur Person

  • Dambisa Moyo

    Moyo, 44, arbeitete als Ökonomin für die Weltbank und Goldman Sachs. Die Autorin wurde durch ein Plädoyer gegen Entwicklungshilfe bekannt.

Welche meinen Sie?

90 Prozent der Weltbevölkerung leben in Schwellenländern. Bislang gibt es zwei Modelle: einerseits die USA und Europa mit Demokratie und Privatwirtschaft, andererseits China ohne Demokratie und mit Staatskapitalismus. Regierungen in Ländern wie Peru, Sambia oder Vietnam überlegen genau, für welches sie sich entscheiden.

Ist China schon attraktiver?

China hat in 30 Jahren 300 Millionen Menschen aus der Armut geholt, das hat kein Land zuvor geschafft. Die USA und China haben ähnliche Einkommensunterschiede, man misst sie per Gini-Koeffizient, und der ist fast gleich. Das zu ignorieren wäre vom Westen naiv.

Ist Ihr Bild nicht zu positiv? In China gibt es starke soziale Spannungen.

Es gibt immer mehr soziale und politische Unruhen rund um die Welt. Die Frage ist, wie Regierungen damit umgehen. Der Fakt, dass die chinesische Politik das Problem erkannt hat, sollte uns positiv stimmen. Länder, um die ich mich sorge, sind diejenigen, wo die Regierungen zu denken scheinen, dass es kein Problem gibt.

Proteste gab es zuletzt auch in Brasilien. Welches Potenzial haben die BRIC-Staaten noch?

Brasilien, Russland und Indien haben das gleiche Problem wie China, sie hängen an den westlichen Ökonomien. So sehen wir geringeres Wachstum in Indien oder Inflation in Brasilien. Es gibt aber mit den Frontier Markets eine neue Gruppe interessanter Länder.

Welche sind das?

In Asien Vietnam, Bangladesch, Sri Lanka, Kuwait und die Emirate. In Afrika Länder wie Ghana, Kenia, Nigeria und meine Heimat Sambia. Dazu die südamerikanischen Staaten Kolumbien und Peru.

Was haben die gemeinsam?

Dynamische Arbeitsmärkte mit einer Bevölkerung, die zu 60 bis 70 Prozent jünger als 24 Jahre alt ist. Geringere Schulden, als wir sie aus den USA oder Europa kennen, und eine hohe Produktivität.

Ist China dem Westen da in der Erkenntnis voraus?

China investiert auch in Sudan oder Simbabwe. Das ist eine richtige Achse der Ungeliebten. China spricht nicht über Religion oder Demokratie. Die sagen, wir brauchen Rohstoffe, und helfen mit Investitionen und Infrastruktur.

Sollen wir das etwa auch?

Die USA und Europa machen doch dasselbe. Sie handeln mit Saudi-Arabien, obwohl dort die Menschenrechte für Frauen nicht in der gleichen Weise gelten. Von Scheinheiligkeit und Doppelstandards haben die Menschen in den Schwellenländern genug.

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