Schwellenländer: Goldman Sachs mottet BRICs ein

Schwellenländer: Goldman Sachs mottet BRICs ein

von Heike Schwerdtfeger

Es war eine der erfolgreichsten Marketingkampagnen in der Investmentbranche. Fonds mit dem Kürzel BRIC für vier Schwellenländer sammelten Milliarden ein. Jetzt schlachtet Namensgeber Goldman Sachs die heilige Kuh.

Als Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs erfand Jim O'Neill das BRIC-Konzept: Brasilien, Russland, Indien und China machte er vor rund 15 Jahren als Zugpferde der Weltwirtschaft aus. Der Goldman-Sachs-Fondsableger GSAM machte daraus – wie viele andere Fonds- und Zertifikateanbieter – rasch ein neues Investmentprodukt. Die BRIC-Fonds wurden geboren, eine riesige Marketing-Kampagne lief an, die Länder liefen gut und entsprechend üppig wurden die Fonds mit Geld überflutet. Jahrelang hatte ein massiver Kreditboom die Länder angetrieben, das billige Geld, das die Notenbanken der Industrieländer in den Markt pumpten, wurde vielfach in den Schwellenländern investiert. Die erzielten lange hohe Einnahmen aus ihren Rohstoffexporten, galten als gering verschuldet, jung und dynamisch. Jetzt rächt es sich, dass die Länder in den Boomzeiten nicht die notwendigen wirtschaftlichen Reformen umgesetzt haben und ihre Wirtschaft nicht diversifizieren konnten. Dafür bezahlen jetzt auch die Anleger den Preis.

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Freytags-Frage Warum schwächeln die BRICS-Staaten?

Sie wollten dem Westen Konkurrenz machen, doch seit einige Zeit schwächeln die führenden Schwellenländer - wirtschaftlich wie politisch. Das ist für Europa und die USA allerdings keine gute Nachricht.

Quelle: REUTERS

Die BRIC-Party ist vorbei. O’Neill ist inzwischen ins britische Oberhaus eingezogen und macht lieber Politik. Brasilien ist nicht dauerhaft zum Ernährer und Rohstofflieferant der Welt geworden, wie O’Neill einst orakelte, sondern kämpft jetzt mit Korruption in der Politik und schwachen Wirtschaftsdaten. Im Jahr 2010 betrug das Wachstum 7,5 Prozent, und alle dachten, so geht es weiter. Doch 2011 legte Brasilien nur noch um 2,7 Prozent zu, seitdem ging es weiter runter. Russland steckt ebenfalls in einer tiefen Krise unter anderem, weil der Ölpreis stark gesunken ist und das Land nicht mehr auf die hohen Einnahmen aus dem Export zählen kann. Chinas Wirtschaft  läuft ebenfalls schwächer und Indien kann die Kurs- und Währungsverluste der anderen Staaten in den BRIC-Fonds allein nicht wettmachen. Die einstigen Erfolgsfonds sind ins Minus gerutscht. In den vergangenen fünf Jahren erzielt nur noch eines von 67 Portfolios ein Plus und das nur mit mageren 1,5 Prozent pro Jahr. Langfristig, in den vergangenen zehn Jahren war das Ergebnis besser, 6,8 Prozent pro Jahr schafft der beste unter einer Handvoll Fonds, die damals schon am Markt waren. Wirklich überragend ist aber auch das nicht. Deshalb werden nach Goldman Sachs noch weitere BRIC-Fonds in der Mottenkiste verschwinden. Die Gelder werden dann üblicherweise auf traditionelle Schwellenländerfonds verschmolzen. So macht es auch Goldman Sachs mit den verbliebenen rund 100 Millionen Dollar, die in dem BRIC-Fonds noch übrig blieben, nachdem Anleger aus dem Fonds in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Dollar abgezogen hatten.

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Ein breiter angelegter Schwellenländerfonds kann durchaus für die Anleger interessanter sein, als ein Portfolio, das nur aus den vier eher willkürlich zusammengestellten Ländern besteht. Im normalen Emerging-Markets-Universum hat etwa Südkorea einen großen Anteil, auch andere schon weit entwickelte Staaten wie Taiwan und Indonesien sind in diesem breiten Universum enthalten. Das bietet guten Fondsmanagern genug Ausweichmöglichkeiten, um interessante Unternehmen zu suchen. Wer bereit ist, sein Geld in einem Schwellenländerfonds jahrelang liegenzulassen, hat die Chance, auch an einem Kursaufschwung wieder zu partizipieren. Geduld kann sich auszahlen.

Gute Schwellenländer-Manager, zu denen etwa das französische Haus Comgest gehört oder auch Aberdeen und Schroders, meiden etwa Unternehmen, deren Geschäftsmodell zu stark an der Konjunktur und der Volkswirtschaft hängt. Sie suchen in den Ländern nach besonders wettbewerbsfähigen Unternehmen mit interessanten Geschäftsmodellen. Dabei fällt etwa stets der Name von dem brasilianischen Kosmetikkonzern Natura, der seine Produkte nicht über den Einzelhandel, sondern selbst ähnlich wie Tupperware vertreibt. Aber auch Samsung aus Südkorea gehört nach der etwas kuriosen Verteilung auf die Aktienindizes noch zu den Unternehmen aus Schwellenländern und ist längst ein global dominierender Konzern etwa bei Smartphones geworden.

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