Schwellenländer: Gute Fonds sind rar gesät

Schwellenländer: Gute Fonds sind rar gesät

, aktualisiert 11. Dezember 2011, 10:35 Uhr
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Investoren an der Börse in Schanghai: Der wachsende Konsum zieht Anleger an.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Die Suche nach guten Aktien in der unübersichtlichen Region der Schwellenländer ist schwierig und riskant. Daher bieten sich indirekte Anlagen über Fonds oder Zertifikate an. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten.

FrankfurtDie berühmte Nadel im Heuhaufen zu suchen, dürfte kaum weniger anspruchsvoll sein: Wie findet man zwischen Lateinamerika, Asien und Afrika lukrative Dividendentitel? Die Regionen sind sehr unterschiedlich, liegen für hiesige Anleger nicht vor der Tür – und die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind schwer einschätzbar. Wer sich als privater Investor nicht zutraut, dort einzelne Aktien auszuwählen oder nicht an seinen Traum-Titel herankommt, weil die Aktien an den gängigen europäischen und amerikanischen Börsenplätzen nicht notieren, kann sein Geld indirekt über Investmentfonds oder Zertifikate anlegen.

Damit gibt der Anleger die Auswahl einzelner Titel in die Hände professioneller Investoren. Diese Geldmanager kaufen Aktien für ihre Fonds oder Zertifikate, an denen private Anleger dann Anteile erwerben. Der Anleger delegiert so nicht nur die Suche nach Titeln, sondern verteilt auch das Risiko, sein Kapital zu verlieren.

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Diese Arbeit scheint allerdings nicht gerade einfach zu sein. Unter knapp 100 Fondsmanagern hat es in den vergangenen fünf Jahren nur jeder Neunte geschafft, mit seiner Aktienauswahl nach Kosten mehr Rendite zu erzielen als der Börsen-Vergleichsindex MSCI Emerging Markets, wie Andre Härtel, Fondsanalyst vom Ratinghaus Feri Eurorating feststellt. „Das ist schwach“, urteilt er. Denn gerade in dieser riesigen Region mit enormen wirtschaftlichen Unterschieden gebe es noch eine Menge unentdeckter Perlen.

Das heißt: Vielen schlechten stehen nur wenig gute Fonds gegenüber. Ganz oben in den Fondsrankings finden sich seit Jahren dieselben Namen: Dazu gehören Aberdeen, First State oder Vontobel. „Spezialisten haben die Nase vorn“, sagt Härtel. Zu deren Erfolgsrezept gehört seiner Ansicht nach dreierlei: Neben langjähriger Erfahrung mit dieser extrem heterogenen Anlageklasse brauchen die Fondslenker Unterstützung durch gute Markt- und Firmenanalysten sowie Entschlossenheit, gute Titel gewichtig in ihre Fonds zu kaufen.

So managen Devan Kaloo und Hugh Young für die britische Fondsgesellschaft Aberdeen von London aus die beiden Schwellenländer-Aktienfonds, die in den vergangenen fünf Jahren die besten Renditen von im Durchschnitt knapp zehn Prozent im Jahr schafften. Beide beschäftigen sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema. Ihnen helfen 34 Experten in London, Singapur, Bangkok, Hongkong und Kuala Lumpur und Sao Paolo, die für die Fonds Unternehmen analysieren.


Manager setzen auf erstarkenden Konsum

Kaloo und Young legen sich fest: Sie kaufen nur 66 Aktien für den „Aberdeen Global Emerging Markets Equity Fund“. Knapp die Hälfte des Fondskapitals von rund sieben Milliarden Euro steckt in Brasilien, China und Hongkong sowie Indien. Am spannendsten finden beide Titel, die vom „anziehenden Konsum der Region“ profitieren.

Zu ihren Favoriten zählen Chinas größter Handybetreiber China Mobile, der mexikanische Brauereikonzern FEMSA und die türkische Akbank. Die Manager suchen auch Aktien für den zweitplatzierten „Global Emerging Markets“ des dänischen Anbieters Danske Invest. Der Fonds ist mit 45 bis 60 Werten noch stärker konzentriert. In beiden Fonds stark vertreten: der koreanische Elektronikkonzern Samsung und der Bergbaukonzern Vale aus Brasilien.

„Die Manager setzen auf den erstarkenden Konsum in vielen Ländern, die zu Wohlstand kommen“, sagt Analyst Härtel. Das bringe auch Banken in die Fonds. Kernthema bleibe der Hunger nach Energie. Die schwankungsarmen Konsumtitel sorgten für Stabilität in den Fonds, sagt er. Im Vergleich zur Konkurrenz schwankt der Wert der besten Fonds um ein Fünftel weniger als der Durchschnitt.

Ebenfalls zu den etablierten Fondsmanagern zählt Jonathan Asante, der für den australischen Aktien- und Schwellenländerspezialisten First State Fonds managt. „Es ist schwer, gute Werte zu finden“, sagt Asante. Die Gründe: „Viele Firmen in Schwellenländern werden vom Staat kontrolliert oder man bekommt auch von privaten Eignern keine ausreichenden Informationen“, sagt er. Zuletzt fand er die attraktivsten Titel etwa in Taiwan und Südafrika. Zu seinen Favoriten gehören der Halbleiterhersteller Taiwan Seminconductor und der Gasanbieter Hongkong & China Gas. „Größe und Marktführerschaft zählen im „Leaders Fund“, sagt Härtel. Die 60 Titel des Fonds stammen vor allem aus den Branchen Konsum, Finanzen, Versorger und Telekom.

Der indische Fondsmanager Rajiv Jain managt von New York aus den „Emerging Markets Equity Fund“ des Schweizer Anbieters Vontobel. Seine Heimat ist dort neben Brasilien am stärksten vertreten. Angelika Millendorfer von der Raiffeisen Capital Management in Wien nutzt dagegen die Osteuropa-Kenntnisse in ihrem Haus: Neben Asien und Brasilien sind auch russische Werte wie Lukoil oder Gazprom im Fonds. Dies beschert ihr aber höhere Wertschwankungen.

Achten sollten Anleger auf die Kosten: Neben laufenden Gebühren für das Management von bis zu 2,5 Prozent im Jahr, die in den Renditeberechnungen bereits abgezogen sind, fallen Kaufkosten an von bis zu fünf Prozent des Anlagebetrags.


Quelle:  Handelsblatt Online
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