Sicherer Hafen Gold: "Der Goldpreiscrash war keine Manipulation"

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InterviewSicherer Hafen Gold: "Der Goldpreiscrash war keine Manipulation"

von Frank Doll

Der Goldcrash kam mit Ansage, sagt der Rohstoffexperte Eugen Weinberg und wundert sich über die Abflüsse aus dem weltgrößten Goldfonds.

WirtschaftsWoche: Herr Weinberg, Banken haben es geschafft, den Referenzzinssatz Libor zu ihren Gunsten zu manipulieren. Warum sollte ihnen das nicht beim Goldpreis gelingen?

Weinberg: Ausschließen kann man zwar nichts mehr. Ich behaupte auch, dass der Goldpreiscrash im April bewusst herbeigeführt wurde. Aber das war keine Manipulation.

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Was war es dann?

Der Einbruch kam mit Ansage. Überall war zu lesen und zu hören, dass die Unterstützung bei 1520 Dollar pro Unze auf keinen Fall unterschritten werden dürfe. Negative Kommentare von Analysten und die Gerüchte über Goldverkäufe Zyperns hatten den Preis dann in diese Richtung gedrückt. Und als George Soros und Goldman Sachs nachlegten, war es dann so weit. Wenn aber jemand nur sagt, dass der Preis fallen wird, ist das ja noch keine Manipulation. Wenn Leute auf die vermeintlichen Gurus hören und ihr Gold verkaufen, würde ich das eher als Dummheit bezeichnen.

Eugen Weinberg

Eugen Weinberg leitet das Rohstoff-Research der Commerzbank.

In der Rückschau ist ja eigentlich nicht viel passiert.

Richtig, aber als es in Richtung 1300 Dollar ging, war die Stimmung am Boden. Der Schreck sitzt einigen noch in den Gliedern. Der Status von Gold als sicherer Hafen hat darunter gelitten.

2008 gab es auch einen starken Einbruch. Damals wie heute ging der Preiseinbruch von den Terminmärkten aus.

Es gibt gewisse Parallelen, wenn auch die Gründe andere waren. Damals wurde Liquidität knapp, heute eigentlich nicht. Aber wie 2008 standen auch jetzt wieder die spekulativen Finanzinvestoren auf der Verkaufsseite.

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Quelle: dpa/Montage

Also sorgte der Crash für eine gesunde Bereinigung?

Ja, das spekulative Element ist raus aus dem Markt. Es haben auch ungewöhnlich viele Kleinspekulanten, von denen möglicherweise viele auf Kredit gezockt hatten, ihre Kaufpositionen geschlossen. Per saldo setzen sie jetzt gar auf fallende Notierungen.

In den USA werden über 90 Prozent der ausstehenden Goldderivate von nur vier Großbanken gehalten. Da liegt ein Manipulationsverdacht nahe.

Vergessen Sie nicht, dass der überwiegende Teil dieser Derivate von den Banken im Kundenauftrag gehalten wird. Außerdem gibt es Positionsobergrenzen für jeden Marktteilnehmer. Diese werden von den Aufsichtsbehörden überwacht, damit eben keine Manipulation stattfinden kann.

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Goldgranulat wird in einen Schmelztopf gegossen Quelle: REUTERS

Gewaltige unlimitierte Verkaufsorders haben den Goldpreis in die Knie gezwungen.

Auch am Goldmarkt wird ein großer Teil des Handels emotionslos durch Computer erledigt. Fällt eine Unterstützung, wird automatisch liquidiert. Am 15. April wurden an der Comex in New York Lieferansprüche über 2300 Tonnen Gold gehandelt, also gut 80 Prozent der Jahresfördermenge. Das war kein normaler Tag.

Ein Gold-Flash-Crash also?

Sozusagen. Überrascht hat mich aber, dass die Investoren nicht sofort realisiert haben, dass es eigentlich keinen fundamentalen Auslöser gab für den Crash.

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