Sicherer Hafen Gold: Epochale "Draghi-Blase"

GastbeitragSicherer Hafen Gold: Epochale "Draghi-Blase"

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Trotz Preisschwankungen bleibt Gold vor dem Hintergrund der aktuellen Geldpolitik die letzte Zuflucht für Sparer.

Dank weltweit steigender Schulden klettern die Vermögenspreise immer weiter. Gold bleibt im Umfeld einer zum Scheitern verurteilten experimentellen Geldpolitik die ultimative Hartwährung.

Wenn es eines letzten Beweises für eine völlig aus den Fugen geratene Finanzwelt bedurfte, so wurde dieser von der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen im März eindrucksvoll erbracht. Auf ihre völlig sinnfreie Aussage, dass die Fed im Bezug auf die von ihr seit Mitte 2013(!) dauerangekündigte Zinsanhebung nicht mehr „geduldig“, aber eben auch ... nicht „ungeduldig“ sein werde, reagierte die Weltleitwährung US-Dollar binnen Sekunden mit einem vierprozentigen Ohnmachtsanfall („flash crash“), während die Aktienkurse zeitgleich neue Rekordhöhen erklommen.

Zwar mögen die seit nunmehr bereits über sechs Jahren steigenden Vermögenspreise den Eindruck eines erfolgreichen Überwindens der Krise des Weltfinanzsystems erwecken, doch zeigt allein nur das Lavieren der Fed bezüglich einer Zinsnormalisierung, dass in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist!

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Zu den Autoren

  • Martin Mack

    Martin Mack, ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise, die in zwei vermögensverwaltenden Aktienfonds über 300 Millionen Euro Kundengelder verwaltet.

  • Herwig Weise

    Herwig Weise ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise.

Mit Blick auf den seit Ende 2007 um 8,9 Billionen Dollar auf aktuell 18,2 Billionen Dollar explodierten staatlichen Schuldenberg der USA und den weltweit bis Mitte 2014 um 50 Billionen Dollar auf 154 Billionen Dollar gestiegenen Gesamtschuldenvolumens respektive des darauf krönend aufgesetzten 563-Billionen-Dollar-Zinswetten-Casinos kann man – politisch gewollte – Zinserhöhungen getrost ausschließen, denn deutlich steigende Zinslasten wären für das gesamte Schuldgeldsystem nicht mehr verkraftbar. Der Internationale Währungsfonds errechnete im Oktober 2014 knapp vier Billionen Dollar an Verlusten, sollten die Zinsen nur um ein Prozentpunkt steigen!

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

  • Gewinner Exporteure

    Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten - erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger - etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. Schon 2014 verkaufte Deutschland so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor. Allerdings: Immerhin 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone. Dort spielt der Wechselkurs keine Rolle.

  • Gewinner Konjunktur

    Mehr Exporte = mehr Produktion = mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen. All das bringt die heimische Wirtschaft voran.

  • Gewinner Dax-Konzerne

    „Das Milliarden-Geschenk“ titelte das „Handelsblatt“ am 22. Januar, als die EZB ihr gigantisches Anleihenkaufprogramm beschloss. Die lockere Geldpolitik der Notenbank könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen - allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

  • Verlierer Importeure

    Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“ In Deutschland wäre der Preisrückgang bei Benzin und Heizöl in den vergangenen Monaten noch deutlicher ausgefallen, wenn der Eurokurs nicht so stark nachgegeben hätte.

  • Verlierer Urlauber

    Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Auch für Reisen in andere Nicht-Euroländer wie Großbritannien oder die Türkei müssen Verbraucher aus Euroländern tiefer in die Tasche greifen. Auf der anderen Seite wird für Amerikaner oder Chinesen ein Trip nach Berlin, Athen oder an die Côte d'Azur attraktiver.

  • Verlierer Unternehmen

    Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

  • Verlierer Nicht-Eurostaaten

    Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner. Die Erfahrung zeigt, dass es in solchen Fällen nur Verlierer gibt.

Zuletzt versprühte die Fed-Chefin mit ihren Zinsausblick zwar Konjunkturoptimismus, doch wird dieser von den sich in den vergangenen Monaten immer stärker eintrübenden US-Konjunkturdaten – unter anderem rückläufige Einzelhandelsumsätze, schwache Auftragseingänge - allerdings nicht bestätigt.

Der aktuelle Abschwung könnte gar auf einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession hindeuten, so dass die kolportierte Straffung der US-Geldpolitik »völlig überraschend« in einer neuerlichen geldpolitischen Lockerungsrunde münden könnte!

Welche Länder sich im Club der Negativzins-Zahler befinden Quelle: RBS Credit Strategy

Welche Länder sich im Club der Negativzins-Zahler befinden (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: RBS Credit Strategy

Wie zerstörerisch die von den großen Notenbanken verfolgte Nullzins- und Gelddruckpolitik für das Währungssystem am Ende allerdings sein wird, deutete EZB-Chef Mario Draghi zum Start seiner "open-end"-Billionen-Euro-Geldschwemme schon selbst an: „Mit unseren Maßnahmen könnten einige Risiken für die Finanzstabilität verbunden sein.“

Welche enorme Marktverwerfung das neueste "Rettungs"-Experiment der EZB bereits zum Start produzieren konnte, offenbaren die von Fundamentaldaten nunmehr völlig entkoppelten europäischen Anleihemärkten, die sich in eine epochale "Draghi-Blase" verwandelt haben! Rentierte noch vor Jahresfrist "lediglich" ein Staatsanleihevolumen im zweistelligen Milliarden-Euro-Volumen im negativen Bereich, so notieren von den in der EU ausstehenden etwa 6,7 Billionen Euro – niemals rückzahlbaren Staatsschulden – bereits heute etwa 1,7 Billionen Euro im Negativzinsbereich!

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