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Silberjunge„Silber ist der beste Inflationsschutz“

Laut Thorsten Schulte, besser bekannt als der Silberjunge, brauchen Anleger viel Geduld bis zu neuen Silberpreisrekorden. Im Interview rät der Experte jetzt zum Silberkauf – und weist auf Tücken des Marktes hin.Andreas Toller 17.06.2013 - 10:09 Uhr

Thorsten Schulte, besser bekannt als "der Silberjunge" betrachtet Silber als das bessere Gold

Foto: Presse

Herr Schulte, Ihr erstes Buch hieß „Silber, das bessere Gold“. Was ist denn am billigen Silber besser?

Das Wichtige am Silber ist, dass es in der Industrie in mannigfachen Anwendungen zu finden ist. Zum Beispiel steckt in jedem Auto eine Unze Silber, in einer voll ausgestatteten Luxuslimousine liegt der Silberverbrauch sogar bei mehr als zwei Unzen. Im vergangenen Jahr lag die industrielle Nachfrage gemessen an der Gesamtnachfrage bei fast 45 Prozent, inklusive des Bedarfs bei Fotografie und Tafelsilber betrug sie sogar 54 Prozent. Beim Gold lag der Anteil der Industrienachfrage hingegen nur bei elf Prozent. Gold wird sehr stark vom ideellen Wert getragen. Schmuck und Investmentnachfrage machen fast 90 Prozent aus. Silberinvestments machten nur 24 Prozent des Silberverbrauchs aus. Silber wird verbraucht, Gold wird gehortet.

Die wichtigsten Fragen und Antworten
Die Lieferungen, die Einfuhr und der innergemeinschaftliche Erwerb von Sammlungsstücken unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 %. Diese generelle Begünstigung verstößt gegen Artikel 103 der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie, nach dem lediglich die Einfuhr der Steuerermäßigung unterworfen werden darf. Ab dem 1. Januar 2014 kommen auf im Inland ausgeführte steuerpflichtige Lieferungen von Silbermünzen 19 % Steuern.
Umsätze mit gesetzlichen Zahlungsmitteln sind von der Umsatzsteuer befreit. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Zahlungsmittel wegen ihres Metallgehalts oder ihres Sammlerwerts umgesetzt werden. In diesem Fall sind die Umsätze steuerpflichtig.
Silberbarren sind von der Änderung nicht betroffen, da deren Lieferungen bereits nach geltendem Recht dem allgemeinen Umsatzsteuersatz unterliegen.
Umsätze mit Goldmünzen können entsprechend der Mehrwertsteuersystemrichtlinie als Anlagegold steuerfrei sein. Dazu heißt es: „Lieferungen von Gold zu Anlagezwecken entsprechen ihrer Art nach anderen Finanzanlagen, die von der Steuer befreit sind. Die Steuerbefreiung erscheint daher als die geeignetste steuerliche Behandlung der Umsätze von Anlagegold.“ Davon abgesehen unterscheiden die gesetzlichen Regelungen nicht zwischen Gold- und Silbermünzen.

Der industrielle Verbrauch sorgt zwar für stetige Nachfrage, macht Silber aber noch nicht unbedingt besser.

Ich möchte Silber als das einordnen, was es ist, nämlich der beste Inflationsschutz. Silber hat in der Historie – etwa im Inflationshoch der 70er Jahre – den besten Schutz vor Inflation geboten, besser sogar als Rohöl, Kupfer und selbst Gold. Silber hat auch seit dem Tief der Aktienmärkte im Jahr 2003 die Nase vorn, auch deutlich vor Gold. Allerdings ist Silber deutlich volatiler als Gold. Das müssen die Investoren einfach bedenken.

Die Schwankungsbandbreite beim Silberpreis liegt auf Sicht der vergangenen zwölf Monate bei rund 37 Prozent. Das klingt nicht nach Sicherheit und Inflationsschutz.

Mein Rat: Wer die Hitze in der Küche nicht aushält, soll sie erst gar nicht betreten. Die starken Schwankungen beim Silberpreis sollte jeder kennen, damit die Anleger antizyklisch investieren können und in Schwächephasen nicht die Nerven verlieren. Silber hat zwischen April 2011 und dem 20. Mai 2013 58 Prozent seines Kurswertes verloren. Aber wir hatten auch nach dem starken Anstieg im Umfeld des ersten Ölpreisschocks 1974 einen Rückgang um 44 Prozent in nur vier Monaten gesehen. Zwischen März und Oktober 2008 – vor dem Hintergrund der Lehman-Pleite, einer Liquiditätskrise, einbrechender Aktienmärkte und eines deflationären Schocks für die Weltwirtschaft - gab es auch einen Rückgang um mehr als 60 Prozent. Damals war der Preisrückgang gerechtfertigt.

Sind die Kurseinbrüche am 20. Mai und danach nicht gerechtfertigt?

Heute sind die Gold- und Silberpreisrückgänge einer Beeinflussung durch große Akteure geschuldet. Das Umfeld ist heute anders ist als 2009 und 2010, als ich für eine Silber-Hausse die Trommel gerührt habe. Damals hatten wir eine boomende Weltwirtschaft und aufkeimende Inflationssorgen. Heute haben wir im OECD-Raum eine Inflationsrate von nur 1,6 Prozent. Zugleich haben die Notenbanken alle Mühe, ein Wegkippen der Weltwirtschaft in eine Deflation zu unterbinden. Darum sehe ich den Beginn der nächsten großen Hausse am Silbermarkt erst zwischen Ende 2013 und Ende 2014 oder Anfang 2015, wenn sich die Auswirkungen der expansiven Geldpolitik der Notenbanken in der Realwirtschaft zeigen. Wir werden einen Preis zahlen müssen für die Überschuldung in der westlichen Hemisphäre – in Form steigender Inflation.

Prognosen für den Goldpreis

Viele Analysten der Banken haben ihre Schätzung zum Goldpreis im Laufe des Jahres gleich mehrfach angepasst – teilweise in großen Schritten. Privatanleger lässt das bislang überwiegend kalt: Sie kaufen weiter physisches Gold. Anders als viele Analysten halten sie den niedrigen Goldpreis für eine Kaufgelegenheit. Nachfolgend die Goldpreisprognosen der Banken.

Foto: dpa

Goldman Sachs

Der Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus.

Stand: 22. November 2013

Foto: REUTERS

UBS

Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1440 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1325 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um zehn und für das kommende Jahr um 18 Prozent zurück.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

Morgan Stanley

Für 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück.

Stand 25. Juni 2013

Foto: dapd

HSBC

Die größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

RBC Capital

 

Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

 

Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013.

Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai

Foto: REUTERS

Danske Bank

Prognose am 1. Januar: 1775 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1325 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: PR

LBBW

Prognose am 1. Januar: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1350 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Société Générale

Prognose am 1. Januar: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 27. Juni: 1200 Dollar je Unze (Goldpreis am 27. Juni: 1233 Dollar / Unze)

Foto: dpa

UniCredit

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Citigroup

Prognose am 1. Januar: 1720 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1455 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Toronto-Dominion Bank

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1550 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

National Australia

Prognose am 1. Januar: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Barclays

Prognose am 1. Januar: 1845 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

Deutsche Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1525 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dpa

Credit Suisse

Prognose am 1. Januar: 1880 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 25. Juni 2013: 1250 Dollar / Unze (Goldpreis am 25. Juni: 1275 Dollar / Unze)

Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten prognostiziert Credit Suisse einen Preis von 1150 Dollar / Unze, für das zweite Halbjahr 2014 lautet die Prognose auf 1150 Dollar je Unze.

Foto: dpa

Westpac

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

DZ Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1860 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1600 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Commerzbank

Prognose am 1. Januar: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Intesa Sanpaolo

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Nord/LB

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1825 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Standard Chartered

Prognose am 1. Januar: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Rohstoffexperte Weinberg im Interview

"Der Goldpreiscrash war keine Manipulation"

von Frank Doll

Auch die Goldanleger haben lange auf eine steigende Inflation gesetzt und inzwischen herbe Rückschläge hinnehmen müssen, weil sich Profi-Spekulanten wieder aus ihren Goldinvestments verabschiedet haben. Auch von Preismanipulation ist die Rede. Droht Silberanlegern ähnliches?

Silber führt im Vergleich zu Gold zu Unrecht ein Schattendasein als Investment. Nur sechs Milliarden Dollar wurden 2012 in Silber nach heutigen Marktpreisen investiert, bei Gold waren es 67 Milliarden Dollar. Die Gesamtnachfrage eines Jahres nach Silber hat aktuell einen Marktwert von 23 Milliarden Dollar. Selbst die Goldnachfrage kommt nicht einmal auf 200 Milliarden US-Dollar. Weil diese Märkte vergleichsweise klein sind, können über die Terminmärkte die Gold- und Silberpreise leicht manipuliert werden. Genau dies konnten wir in den vergangenen Wochen feststellen. Am 20. Mai, an einem Montag kurz nach Mitternacht, wenn es normalerweise nur ein kleines Rinnsal an Umsätzen gibt, haben wir einen reißenden Sturzbach erlebt mit einem Verkauf von mehr als 13 Millionen Unzen Silber. Dabei fiel der Silber-Future nah an die 20-Dollar-Schwelle. Der Kurseinbruch führte dazu, dass viele Knock-Out-Zertifikate wertlos und viele Stop-Loss-Aufträge ausgeführt wurden, so dass sicherlich auch unzählige Kleinanleger Schaden genommen haben. Interessanterweise hat sich im Gegenzug zu den Aktienmärkten hier keine Marktaufsicht bemüßigt gesehen, da einzuschreiten und das Ganze einer Prüfung zu unterziehen. Zumindest die Terminmarktaufsicht in Chicago oder Tokio hätten sich da mal räuspern müssen. Aber das ist nicht geschehen.

Sollte der Preis wirklich manipuliert werden, macht das ein Silberinvestment doch zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Obwohl der Silberpreis am 20. Mai bis Tagesschluss wieder auf mehr als 23 Dollar kletterte, kommt Silber in den Mainstream-Medien sehr schlecht weg, die Financial Times sprach sogar vom Metall des Teufels. Meine Nerven liegen nach dem Rückgang des Silberpreises aber nicht blank. Starke Korrekturen gehören beim Silber dazu. Die haben wir in der Vergangenheit immer gesehen – und ertragen müssen. Silber hat zusammen mit Gold seit Jahrtausenden als Wertspeicher gedient. Das kann man von keinem Papiergeldsystem behaupten.

Fliehen die Profis wie beim Gold auch aus börsennotierten Silberfonds und sorgen so für einen sinkenden Silberpreis?

Beim Silber haben wir das so nicht gesehen, die ETF-Bestände sind auf hohem Niveau geblieben. Bemerkenswert ist vielmehr die regulatorische Seite. Bis zum Absturz vom Hoch im Mai 2011 bei 50 Dollar pro Feinunze Silber gab es seinerzeit nur eine winzige Erhöhung der Sicherheitsleistung, die Silber-Future-Investoren hinterlegen müssen. Als der Silberpreis nach Erreichen des Rekordhochs wieder fiel, haben die Aufsichtsbehörden diese sogenannte Margin gleich viermal deutlich erhöht. Erst wurden die Anleger mit einer niedrigen Margin in Silberinvestments gelockt, dann im Kursrückgang haben sie die Schmerzen der Spekulanten zur Unzeit erhöht – und sie ins offene Messer laufen lassen. Das merkwürdige Verhalten der Rohstoffbörse in Chicago gibt also Anlass zu Spekulationen. In jedem Fall hat es ein Geschmäckle.

Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben.

Foto: gms

Senioren sind Top-Anleger

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren.

Foto: gms

Freud und Leid bei den Anlegern

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Foto: dpa

Festgeld und Tagesgeld besonders beliebt

Im laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Foto: gms

Frauen mögen Festgeld und meiden Aktien

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Foto: dpa

Potenzial für Immobilien und Gold

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Foto: CLARK/obs

Geringe Risikobereitschaft bei der Anlage

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Foto: gms

Männer etwas risikofreudiger als Frauen

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Foto: dpa

Wer könnte denn hinter einer möglichen Marktmanipulation stecken und warum?

Die vier größten Spieler auf dem Silberterminmarkt haben laut Terminmarktaufsicht im November 2012 Nettoleerverkäufe von in der Spitze 278 Millionen Feinunzen getätigt. Das entspricht 37 Prozent der Minenproduktion eines Jahres. Bei keinem anderen Rohstoff sehen wir so eine dominierende Stellung der vier größten Akteure. Wer diese Spieler sind, verrät die Aufsichtsbehörde allerdings nicht. Selbst aktuell sind es noch immer fast 195 Millionen Unzen, also mehr als ein Viertel der Jahresproduktion, die dort bewegt werden. Wenn sie auf dem Terminmarkt einen Kurs auf Dauer unter seinen Gleichgewichtspreis drücken, wird physisches Silber knapp, weil die Anleger günstig Barren, Münzen, Tafelsilber oder Schmuck kaufen. Solche manipulativen Eingriffe können daher nur das Ziel haben, die sprunghaften Investoren aus dem Markt zu drücken. Aber sie haben kurze Beine. Für mich der beste Beweis: Trotz des Silberpreiseinbruchs steht Silber deutlich über seinem Tief vom Jahr 2004 bei 4,04 Dollar. Auch der Goldpreis liegt heute mit fast 1400 US-Dollar deutlich über seinem Tief von 1999 von 252 Dollar.

1980

Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung.

Goldpreis am Ende des Jahres:

589,8 US-Dollar
392,4 Euro
119.823,1 Yen
246,7 Pfund
1.047,8 Schweizer Franken

Foto: ap

1997

Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Tigerstaaten von 1997-1998 (Asienkrise) ließ einen Großteil Asiens in eine Rezession verfallen. Gründe für die Krise waren exzessive Kreditaufnahme und maßlose Investitionen der Tigerstaaten. Die asiatischen Banken nahmen Kredite in US-Dollar auf und vergaben Kredite in inländischen Währungen. Das ging aber nur so lange gut, so lange der Dollar gegenüber dem Yen und anderen asiatischen Währungen schwach war. Als der Dollar ab 1995 anfing aufzuwerten, hatten die asiatischen Institute Probleme ihre Schulden zurückzuzahlen. Als die Gläubiger dies witterten zogen, sie ihr Kapital im großen Stil aus Asien ab, was wiederum die asiatischen Währungen schwächte. Eine sich selbst verstärkende Kapitalflucht ließ die Wirtschaft der Tigerstaaten einknicken.

Goldpreis am Ende des Jahres:

290,2 US-Dollar
266,1 Euro
37.733Yen
176,4 Pfund
423,3 Schweizer Franken

Foto: ap

1998

Wirtschaftliche Probleme kamen in Russland bereits nach der Asienkrise 1997 auf. Doch als dann 1998 massiv Kapital, unter anderem auch von asiatischen Investoren, abgezogen wurde, brach die Wirtschaft Russlands endgültig ein. Der Rubel geriet massiv unter Druck und Unternehmen konnten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, weil sie für die Waren kein Geld mehr bekamen. Der Großteil der Bürger konnte keine Steuern mehr zahlen. Folge: Russland wurde zahlungsunfähig.

In den USA erholt sich dagegen die Wirtschaft und die Inflation des US-Dollars lässt nach. Dies drückte in den vorangegangenen Jahren den Goldpreis deutlich nach unten.

Goldpreis am Ende des Jahres:

287,8 US-Dollar
245,1 Euro
32.463,8 Yen
173,0 Pfund
395,3 Schweizer Franken

Foto: Reuters

1999

Gordon Brown verkaufte von 1999 bis 2002 systematisch einen Großteil der Goldbestände Großbritanniens - und das obwohl der Goldpreis bei einem 20-Jahres-Tief lag. Zu der Zeit war er noch Schatzkanzler. Als er später Premierminister wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: er erntete viel Kritik wegen der Goldverkäufe. Doch eine Schädigungsabsicht konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Großbritannien sind durch die Auktionen, verglichen mit dem heutigen Goldpreis, mehr als sieben Milliarden Dollar entgangen -der Goldpreis hat sich seit dem vervierfacht

Brown wird deshalb vorgeworfen Großbritannien bewusst geschädigt zu haben. Zumal er die Verkäufe im Vorfeld ankündigte, was den Preis bereits vor der Auktion fallen ließ und ihm eine schlechte Verhandlungsposition einräumte. Es gibt Gerüchte, dass Brown vor der Einführung des Euro mithelfen wollte den Goldpreis zu drücken. Diese These konnte aber bisher niemand beweisen.

Insgesamt verkaufte Gordon Brown 395 von 715 Tonnen. Die Zeit wird in England als „Gordon Bottom“ bezeichnet. Bis heute ist dieses Kapitel nicht endgültig durchleuchtet - die Motivation Browns bleibt damit ein Rätsel.

Goldpreis am Ende des Jahres:

290,3 US-Dollar
289,6 Euro
29.708 Yen
180,1 Pfund
464,6 Schweizer Franken

Foto: dapd

2000

Im März des neuen Jahrtausends platzte die Dotcom-Blase. Anleger waren die Jahre zuvor nahezu versessen in Aktien von Internetunternehmen. Firmen mit nur einem PC und einem Büro hatten plötzlich einen höheren Börsenwert, als Firmen mit ganzen Lagerhallen, die materielle Güter produzierten.

Grund war die Annahme, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei: die New Economy. Man dachte, dass Produktion und Material weniger wert würden und Ideen das Gut der Zukunft seien. Aktien von Internet-Start-Ups waren deshalb teurer, als die von Traditionsunternehmen. Doch der Irrtum flog auf, als die ersten Internetfirmen Insolvenz anmeldeten und Anleger scharenweise aus Internetaktien flüchteten und die Blase zum platzen brachten.

Der Goldpreis fiel in den Neunzigerjahren stetig. Vor allem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung (auch dank der New Economy) der USA von 1994 bis 2001. Anleger misstrauten Aktien nach der Dotcom-Blase und begannen in ein altbewährtes Gut zu investieren: Gold. Der Goldpreis wird seitdem rapide steigen.

Goldpreis am Ende des Jahres:

274,5 US-Dollar
292,3 Euro
31.342 Yen
183,7 Pfund
444,7 Schweizer Franken

Foto: ap

2001

Am 11. September 2001 stürzten wegen eines Terroranschlags die Zwillingstürme des World-Trade-Centers ein. Die westliche Welt wurde grundlegend erschüttert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen zerstört. Die wachsende Unsicherheit schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seit 2001 nur noch eine Richtung kannte: aufwärts.

Für den ständig ansteigenden Goldpreis ist auch die Geldpolitik der USA verantwortlich, die mit ihrer Politik des billigen Geldes seit 2000 die Finanzmärkte mit Geld überflutete. Grund war der Versuch das Leistungsbilanzdefizit durch eine Entwertung des Dollars zu reduzieren. Folge des billigen Geldes war, dass Finanzinstitute exzessiv (Immobilien-)Kredite vergaben und diese Privatschulden schließlich an Investoren weiterverkauften - die perfekte Blase wuchs und wuchs, bis sie schließlich 2007 platzte.

Goldpreis am Ende des Jahres:

276,5 US-Dollar
310,5 Euro
36.238 Yen
190 Pfund
459,1 Schweizer Franken

Foto: dpa

2008

Am 15.September 2008 beantragte die US-Bank Lehman Brothers das Insolvenzverfahren. Da die US-Regierung vorher bereits drei großen Banken geholfen hatte, tat sie dies bei Lehman nicht mehr. Die Pleite blieb nicht ohne Folgen: Banken fingen an sich gegenseitig kein Geld mehr zu leihen, Anleger zogen ihr Geld von Banken ab. Die Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise begann, spitzte sich daraufhin weiter zu.

Goldpreis am Ende des Jahres:

869,8 US-Dollar
625,7 Euro
78.842 Yen
604,9 Pfund
925,7 Schweizer Franken

Foto: dapd

2009

Die Finanzkrise weitet sich aus und droht zu einer Wirtschaftskrise zu werden. Der Goldpreis stellt einen Rekord nach dem anderen auf. Im Februar 2009 steigt der Goldpreis erstmals über die Marke von 1.000 US-Dollar. Dagegen geht es an den Aktienmärkten deutlich bergab - der Dax verlor seit Ende 2007 bis Anfang 2009 gut 4.000 Punkte. Anleger flüchteten in den als sicher geltenden goldenen Hafen.

Während die Fed weiterhin billiges Geld verteilt, kritisiert China die Geldpolitik der USA. Die globale Erholung sei gefährdet. Experten warnten daher vor einer drohenden "Mega-Blase" an den Finanzmärkten.

Goldpreis am Ende des Jahres:
1.087,5 US-Dollar
758,0 Euro
101.240 Yen
673,3 Pfund
1.124,2 Schweizer Franken

Foto: ap

2010

Die Finanzkrise mündet in eine Staatsschuldenkrise. Im Mai 2010 beginnen europäische Notenbanken Staatsanleihen zu kaufen - damit brechen sie ein traditionelles Tabu. Mit von der Partie ist auch die EZB, die beim Anleihemarkt mitmischt um die „Liquidität und Tiefe“ bestimmter Märkte zu sichern. Medien bezeichnen dies als „den ersten Sündenfall“ der EZB - denn mit dem Kauf von Staatsanleihen verlor die EZB einen Teil ihrer Unabhängigkeit. Die EZB selbst hielt dagegen und versuchte die eigene Unabhängigkeit herbeizureden: Politischer Druck sei nicht der Grund gewesen.

Die Notenbanken signalisierten mit ihrer Aktion, dass viele Staaten auf der Kippe stehen. Staatsanleihen wurden damit unattraktiver und Anleger entschieden sich immer öfter für Gold.

Goldpreis am Ende des Jahres:

1.405 US-Dollar
1.047 Euro
113.993 Yen
897,7 Pfund
1.310 Schweizer Franken

Foto: dpa

2011

Griechenlands Schuldenkrise erreicht immer weiter neue Höhen. Schließlich bleibt die letzte Hoffnung Griechenlands ein Schuldenschnitt bei den griechischen Staatsanleihen. Anfang 2012 kam er dann schließlich und erleichterte Griechenlands Schuldenlast. Doch schnell kamen andere Länder als Pleitekandidaten in Betracht. Aus der Schuldenkrise wird eine Euro-Krise, weil bereits der Zusammenbruch des Euro-Raums diskutiert wird.

Die Fed kauft 2011 weiterhin fleißig US-Staatsanleihen und pumpt somit Geld in den Markt. Außerdem hält sie an der Niedrigzinspolitik fest und belässt den Leitzins bei 0,25 Prozent. Motiv sei laut Bernanke die hohe Arbeitslosigkeit der USA - 2011 gab die Fed außerdem die erste Pressekonferenz ihrer Geschichte. Der Kurs der Fed wird sich so schnell nicht ändern, da die US-Wirtschaft immer noch stottert. Dass der Dollar noch nicht an hoher Inflation leidet, hat die US-Währung unter anderem der Euro-Krise zu verdanken. Dieser misstrauen Anleger noch mehr als der US-Geldpolitik.

Goldpreis am Ende des Jahres:

1.531 US-Dollar
1.179 Euro
117.795 Yen
985,1 Pfund
1.431 Schweizer Franken

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Wie sollten Anleger damit umgehen, dass der Silbermarkt anfällig für starke Schwankungen und Kursmanipulationen ist?

Ich habe selbst Anfang Oktober 2012 vor Euphorie an den Märkten gewarnt, weil der Silbermarkt aufgrund seiner geringen Größe verletzlich und anfällig für Korrekturen ist. Für Investoren ist es daher wichtig, antizyklisch zu agieren, damit sie in solchen starken Korrekturen nicht unter die Räder kommen. Starke Korrekturen sollten sie für Käufe nutzen. Die Vergangenheit lehrt uns nämlich, dass der Silberpreis nach jeder starken Korrektur auch wieder nach oben klettert. Meist hat er danach sogar noch höhere Niveaus erklommen. Davon bin ich auch für die nächsten Jahre fest überzeugt.

Wann ist denn der richtige Zeitpunkt gekommen, um Silber zu kaufen.

Heute sage ich voller Überzeugung, dass der Marktpessimismus allen relevanten Indikatoren zufolge sehr, sehr hoch ist. Beispielsweise ist der Optimismus der nordamerikanischen Silberberater auf einem seit 2004 nicht mehr gesehenen Tief angekommen. Auch das Verhältnis der Verkaufs- zu den Kaufoptionen, also das Put-Call-Ratio auf den Silberfuture an der US-Warenterminbörse, ist sehr sehr hoch. Um es mit Warren Buffett zu sagen: Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und gierig, wenn andere ängstlich sind. Das ist eine Sternstunde für Investoren, die heute mutig und von den Langfristchancen beim Silber überzeugt sind.

Wenn die Anlage in Silber als Inflationsschutz dienen soll, wann ist dann die Zeit gekommen, zu verkaufen?

Jedes Investment hat seine Zeit und ich warne davor, eine zu starke emotionale Bindung zu einem Investment aufzubauen. Das sagt auch der Silberjunge zu Silber. Anleger müssen immer bereit sein zu gehen, wenn es am schönsten ist. Wichtig ist, dass Aktien eben keinen Inflationsschutz bieten. Wir haben in den USA in den 70er Jahren gesehen, dass Aktien inflationsbereinigt massiv verloren haben. Derzeit haben Aktien noch eine gute Zeit, weil die Liquiditätsspritzen der Notenbanken noch nicht als hohe Inflation in der Realwirtschaft ankommen. Wenn das passiert, brechen für Aktionäre herausfordernde Zeiten an. In einer Zeit, die von größter Unsicherheit und abnehmender Planungssicherheit sowie der Gefahr staatlicher Willkür geprägt ist, sind Gold und Silber wichtige Rettungsboote. Bei Gold droht auch immer ein Goldverbot durch die Regierung. Diese Gefahr sehe ich bei Silber aufgrund seines mannigfaltigen Anwendungsgebietes in der Industrie jedoch nicht und ein Verbot daher für schwer umsetzbar. Im Übrigen ist das physische Silbervermögen der Deutschen ist sehr überschaubar und hat noch nicht einmal einen Wert von zehn Milliarden Euro. Da sind staatliche Repressionen für Silber-Besitzer eher unwahrscheinlich. Wer sich dennoch dieser Gefahr gegenüber sieht, sollte über zollfreies Lagern seiner Silberbestände in der Schweiz nachdenken.

Wann ist die Silberverwahrung in einem Zollfreilager für Anleger sinnvoll?

Zollfrei Lagern in der Schweiz wird im nächsten Jahr deutlichen Zuspruch erfahren, wenn der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Silbermünzen wegfällt und dann statt sieben gleich 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Dort können Anleger Edelmetalle umsatzsteuerfrei erwerben und geschützt vor einem staatlichen Verbot auch aufbewahren. Wer sich für zollfreies Lagern interessiert, sollte sich aber die Verträge der verschiedenen Anbieter genau ansehen und darauf achten, dass es ein Aussonderungsrecht im Konkursfall gibt. Auch Missbrauch von Mitarbeitern der Lagerstätte sollte möglichst ausgeschlossen werden und die Sicherheitsmaßnahmen müssen stimmen.

Sie empfehlen vorrangig physisches Silber, also Barren und Münzen. Was halten Sie von börsennotierten Silberfonds?

Börsennotierte Fonds wie der Silber-ETF der Zürcher Kantonalbank sind aufgrund ihrer niedrigen Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs sicherlich eine sinnvolle Ergänzung. Aber es gab auch schon Schwierigkeiten bei der physischen Auslieferung von Gold an Inhaber von Fondsanteilen der ZKB. Im Zollfreilager ist einer der Vorzüge, dass die physische Auslieferung jederzeit möglich ist. Ich empfehle deshalb eine Mischung: eigenes physisches Silber in einem Schließfach in Deutschland, bei größeren Investitionsvolumina sicher auch Zollfreilager, und für den kleinen Investor sind auch Silber-ETFs als Ergänzung sinnvoll.

Sie raten seit geraumer Zeit zu langlaufenden Kaufoptionen auf den Silber-Future und haben ihren eigenen Bestand ebenfalls erhöht - als Wette auf einen künftig wieder steigenden Silberpreis. Bleiben Sie dabei, dass jetzt die Zeit zum Aufstocken ist?

Ja durchaus. Aber den Löwenanteil meiner Silberinvestments habe ich in physischem Silber getätigt. Die wirklich sehr lang laufenden Optionen, also bis September 2016, sind dann eine gute Erweiterung der Silberanlage. Der Königsweg ist eine Mischung aus allem. Auch die Aktien von Silberminen können interessant sein, zum Beispiel Silver Wheaton, Fresnillo oder First Majestic Silver.

Wie viel Raum sollten Anleger Gold und Silber in ihrem Depot geben?

Ich halte nichts davon, den Leuten nur fünf oder zehn Prozent Depotanteil in Edelmetallen anzuraten. Ich denke, dass 25 bis 30 Prozent, und je nach Risikoneigung auch noch mehr, in Gold und Silber angelegt werden sollten –derzeit, bei den deutlich zurückgekommenen Kursen. Daneben sollte man natürlich auch Anleihen und Bankeinlagen halten  - für den schlimmsten anzunehmenden Fall, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte das allerdings nicht für das wahrscheinlichste Szenario. Dagegen spricht etwa, dass die Geldmenge M1 – bestehend aus Bargeldumlauf und Sichteinlagen -inflationsbereinigt deutlich gestiegen ist, was mit einer zeitlichen Verzögerung von rund 9 Monaten für eine Wende in der Industrieproduktion spricht. Vieles deutet eher auf eine Stabilisierung der Wirtschaft hin. Aber sicher ist nur, dass nichts sicher ist, frei nach Ringelnatz. Deshalb darf man nie alles auf eine Karte setzen.

Wie eng ist der Silberpreis an den Goldpreis geknüpft?

Es gibt die Faustformel, das Silber in Inflationsphasen zweimal so stark steigt wie Gold. Silber hat somit im Vergleich zu Gold einen Hebel. Seit 2003 hat sich Silber in der Spitze versiebenfacht, während Gold sich nur vervierfacht hat. In der Regel gibt es schon einen zeitlichen Gleichlauf der Kurse. Aber eben nicht immer. Silber hatte sein Allzeithoch im Mai 2011, Gold folgte mit neuen Rekorden erst im September 2011.

Aber da Silber auch Industriemetall ist, müsste eine anziehende Konjunktur doch dem Silberpreis nützen und den Goldpreis drücken, weil Gold als sicherer Hafen an Bedeutung verliert.

Wenn meine Einschätzung richtig ist, dass die Notenbankpolitik im Verlauf des zweiten Halbjahres zu greifen beginnt und wir damit in der Eurozone wirklich vor einer Erholung oder zumindest Stabilisierung stehen, sollte das dem Silberpreis Rückenwind geben. Aber es gibt Unsicherheitsfaktoren, vor allem China und die Weltkonjunktur betreffend. Von einer Boomphase der Weltwirtschaft sind wir noch entfernt. Die hatten wir bei der Silberhausse 2010/11. In letzter Zeit mahne ich deshalb immer zu Geduld und weise gerade jetzt nach den starken Rückschlägen auf Kaufgelegenheiten hin. Momentan kann ich Silber recht preiswert einkaufen, denn Gold kostet fast 64mal so viel wie Silber. Das macht Silber attraktiver als Gold, denn ich erwarte einen Rückgang dieses Gold-Silber-Preisverhältnisses auf 15 : 1.

Wo sehen Sie den Silberpreis auf Sicht von zwölf bis 24 Monaten?

Ich sehe, dass wir zwischen Ende 2013 und Ende 2015 vor ganz starken Anstiegen stehen, die deutlich über das Hoch von 2011 hinausführen werden. Dafür braucht man aber wirklich Geduld. Die Streckfolter müssen Anleger durchstehen. Für mich ist Silber vor allem ein Langfristinvestment, das Inflationsschutz bietet. Ich glaube zwar nicht, dass ich einmal mit einer Silberunze beim Bäcker bezahlen muss. Aber vor dem Hintergrund des ungeheuer aufgeblähten Papiergeldsystems kann ich nur sagen, dass das Gewohnte nicht mehr richtig ist - vor allem Bankeinlagen und Staatsanleihen - und das Richtige ist noch nicht gewohnt - nämlich Gold und Silber.

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