Silberjunge: „Silber ist der beste Inflationsschutz“

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Silberjunge: „Silber ist der beste Inflationsschutz“

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Thorsten Schulte, besser bekannt als "der Silberjunge" betrachtet Silber als das bessere Gold

von Andreas Toller

Laut Thorsten Schulte, besser bekannt als der Silberjunge, brauchen Anleger viel Geduld bis zu neuen Silberpreisrekorden. Im Interview rät der Experte jetzt zum Silberkauf – und weist auf Tücken des Marktes hin.

Herr Schulte, Ihr erstes Buch hieß „Silber, das bessere Gold“. Was ist denn am billigen Silber besser?

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Das Wichtige am Silber ist, dass es in der Industrie in mannigfachen Anwendungen zu finden ist. Zum Beispiel steckt in jedem Auto eine Unze Silber, in einer voll ausgestatteten Luxuslimousine liegt der Silberverbrauch sogar bei mehr als zwei Unzen. Im vergangenen Jahr lag die industrielle Nachfrage gemessen an der Gesamtnachfrage bei fast 45 Prozent, inklusive des Bedarfs bei Fotografie und Tafelsilber betrug sie sogar 54 Prozent. Beim Gold lag der Anteil der Industrienachfrage hingegen nur bei elf Prozent. Gold wird sehr stark vom ideellen Wert getragen. Schmuck und Investmentnachfrage machen fast 90 Prozent aus. Silberinvestments machten nur 24 Prozent des Silberverbrauchs aus. Silber wird verbraucht, Gold wird gehortet.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Auf welche Silbermünzen wird welcher Steuersatz erhoben?

    Die Lieferungen, die Einfuhr und der innergemeinschaftliche Erwerb von Sammlungsstücken unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 %. Diese generelle Begünstigung verstößt gegen Artikel 103 der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie, nach dem lediglich die Einfuhr der Steuerermäßigung unterworfen werden darf. Ab dem 1. Januar 2014 kommen auf im Inland ausgeführte steuerpflichtige Lieferungen von Silbermünzen 19 % Steuern.

  • Sind auch 10-Euro-Silbermünzen betroffen?

    Umsätze mit gesetzlichen Zahlungsmitteln sind von der Umsatzsteuer befreit. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Zahlungsmittel wegen ihres Metallgehalts oder ihres Sammlerwerts umgesetzt werden. In diesem Fall sind die Umsätze steuerpflichtig.

  • Was ist mit Silberbarren?

    Silberbarren sind von der Änderung nicht betroffen, da deren Lieferungen bereits nach geltendem Recht dem allgemeinen Umsatzsteuersatz unterliegen.

  • Gibt es eine Ungleichbehandlung zwischen Gold und Silber?

    Umsätze mit Goldmünzen können entsprechend der Mehrwertsteuersystemrichtlinie als Anlagegold steuerfrei sein. Dazu heißt es: „Lieferungen von Gold zu Anlagezwecken entsprechen ihrer Art nach anderen Finanzanlagen, die von der Steuer befreit sind. Die Steuerbefreiung erscheint daher als die geeignetste steuerliche Behandlung der Umsätze von Anlagegold.“ Davon abgesehen unterscheiden die gesetzlichen Regelungen nicht zwischen Gold- und Silbermünzen.

     

Der industrielle Verbrauch sorgt zwar für stetige Nachfrage, macht Silber aber noch nicht unbedingt besser.

Ich möchte Silber als das einordnen, was es ist, nämlich der beste Inflationsschutz. Silber hat in der Historie – etwa im Inflationshoch der 70er Jahre – den besten Schutz vor Inflation geboten, besser sogar als Rohöl, Kupfer und selbst Gold. Silber hat auch seit dem Tief der Aktienmärkte im Jahr 2003 die Nase vorn, auch deutlich vor Gold. Allerdings ist Silber deutlich volatiler als Gold. Das müssen die Investoren einfach bedenken.

Die Schwankungsbandbreite beim Silberpreis liegt auf Sicht der vergangenen zwölf Monate bei rund 37 Prozent. Das klingt nicht nach Sicherheit und Inflationsschutz.

Mein Rat: Wer die Hitze in der Küche nicht aushält, soll sie erst gar nicht betreten. Die starken Schwankungen beim Silberpreis sollte jeder kennen, damit die Anleger antizyklisch investieren können und in Schwächephasen nicht die Nerven verlieren. Silber hat zwischen April 2011 und dem 20. Mai 2013 58 Prozent seines Kurswertes verloren. Aber wir hatten auch nach dem starken Anstieg im Umfeld des ersten Ölpreisschocks 1974 einen Rückgang um 44 Prozent in nur vier Monaten gesehen. Zwischen März und Oktober 2008 – vor dem Hintergrund der Lehman-Pleite, einer Liquiditätskrise, einbrechender Aktienmärkte und eines deflationären Schocks für die Weltwirtschaft - gab es auch einen Rückgang um mehr als 60 Prozent. Damals war der Preisrückgang gerechtfertigt.

Mehrwertsteuererhöhung Silberhändler hoffen auf Schlussverkauf

Der Gesetzgeber hat den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Silbermünzen gestrichen. Ab 2014 werden 19 Prozent fällig. Da Silber gerade billig ist, setzen Edelmetallhändler auf einen Schlussverkauf.

Eine Mitarbeiterin des Archäologie Museums in Herne stapelt 500 Kilogramm in 94 Silberbarren Quelle: dpa

Sind die Kurseinbrüche am 20. Mai und danach nicht gerechtfertigt?

Heute sind die Gold- und Silberpreisrückgänge einer Beeinflussung durch große Akteure geschuldet. Das Umfeld ist heute anders ist als 2009 und 2010, als ich für eine Silber-Hausse die Trommel gerührt habe. Damals hatten wir eine boomende Weltwirtschaft und aufkeimende Inflationssorgen. Heute haben wir im OECD-Raum eine Inflationsrate von nur 1,6 Prozent. Zugleich haben die Notenbanken alle Mühe, ein Wegkippen der Weltwirtschaft in eine Deflation zu unterbinden. Darum sehe ich den Beginn der nächsten großen Hausse am Silbermarkt erst zwischen Ende 2013 und Ende 2014 oder Anfang 2015, wenn sich die Auswirkungen der expansiven Geldpolitik der Notenbanken in der Realwirtschaft zeigen. Wir werden einen Preis zahlen müssen für die Überschuldung in der westlichen Hemisphäre – in Form steigender Inflation.

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6 Kommentare zu Silberjunge: „Silber ist der beste Inflationsschutz“

  • Gold ist von den Höchstkursen ausgehend um ein Drittel gefallen, Silber gar um die Hälfte.

    Die Analysten mögen ihre Erklärungen finden („Gewinnmitnahmen“, „EZB“, „Thunfischsterben im Pazifik“ etc.), meine Meinung – die ich hier im Forum schon Jahre vertrete - bleibt: Deflation von kreditfinanzierten Anlagewerten rund um den Globus erfordert Bedarf an liquiden Mitteln, um der Nachbesicherungspflicht nachzukommen. Dafür wird u.a. auch Gold und Silber verkauft. Das wird auch in der nahen Zukunft so weitergehen. Nicht, weil die Inhaber dies wollten, sondern weil sie es müssen – zu jedem Preis.

    Deflation als Großwetterlage bestimmt über den Gold- und Silberpreis, nicht irgendwelche tagesaktuellen Ereignisse an irgendwelchen Märkten – auch wenn selbsternannte Analysten immer vermögen, solche ausfindig machen zu können.

    Jetzt den Kauf von Gold oder Silber zu empfehlen gibt Auskunft über den eigenen Sachverstand. Es erinnert daran, den Leuten den Kauf von Bermuda-Shorts zu empfehlen, nur weil es im Oktober ein paar Tage lang jeden Tag wärmer wird. Der nicht Sachkundige wird den baldigen Sommer erwarten, der Sachkundige weiß, dass nach der kurzen Schönwetterperiode im Herbst schon bald der Winter folgt.

  • Es ist Zeit, den Ausspruch des Bankiers J.P. Morgan zu zitieren: „Gold und Silber sind Geld, alles andere ist Kredit.“ Das ist seit Jahrtausenden so und wird sich auch nicht ändern.
    Die Notenbanken pumpen aus dem Nichts frisch erzeugtes Geld in den Markt und manipulieren die Zinsen in Richtung Null. Die Verschuldung der Staaten steigt unaufhörlich. Selbst Deutschland macht in einem Rekord-Steuerjahr Monat für Monat neue Schulden von über zwei Milliarden Euro (siehe Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler).
    Und keiner hat den Willen, diese Schulden-Orgie zu stoppen oder gar mal Schulden zurückzuzahlen. Die Staatsschulden steigen in einer parabelgleichen Kurve, parallel zu den Bilanzen der Notenbanken.
    Unsere Polit-Darsteller erzählen uns vergnügt, alles sei „auf gutem Weg“. Und die Masse glaubt’s.
    Gold und Silber mögen keine Dividende abwerfen (ebenso wie ein Geldbündel im Tresor) und man kann es auch nicht essen (ebenso wie besagtes Geldbündel), aber beide Edelmetalle sind eine Versicherung gegen die unausweichlich kommenden Turbulenzen an den Renten- und Aktienmärken, wobei ein Zusammenbruch des Finanzsystems immer wahrscheinlicher wird.
    Bei diesen heruntergeprügelten Preisen gibt’s für mich nur eins: nachkaufen und damit die Versicherungssumme preiswert erhöhen.

  • Der Artikel stellt die Behauptung auf, ein Auto enthielte 1-2 Unzen Silber.

    Ich halte diese Zahl in der Größenordnung für viel zu hoch gegriffen.

    Eine grobe Abschätzung:
    - Oberflächenbeschichtungen mit Silber sind idR. nur wenige µm dick und fallen daher kaum ins Gewicht.

    - Der überwiegende Anteil steckt in bleifreien Lotmitteln. Dabei liegt der Silberanteil bei 3% Massenanteil.

    - Bezogen auf die Fläche der Platine benötigt man je nach Dichte der Bestückung ca. 5% der Fläche. Die Beschichtung mit Lötpaste liegt bei 180µm Höhe.

    - Eine doppeltseitig bestückte Europlatine enthielte demnach knapp 10mm^3 reines Silber, also 1/100 cm^3. Silber hat eine Dichte von 10,5gr/cm^3. Die Platine enthält also 1/10 Gramm reines Silber.

    Um auf 31,1gr Silber / Kfz zu kommen, müßten 311 doppeltseitig bestückte Platinen verbaut worden sein, das entspricht einer Gesamtfläche von fast 6 qm! Das kann offensichtlich nicht stimmen!

    RoHS ("bleifrei") ist aber für Kfz noch gar nicht überall vorgeschrieben, betrifft also nur Komponenten wie Bordunterhaltung oder Navi; sicherheitskritische Teile enthalten noch Blei als Lotmittel.

    Haben Sie eine seriöse Quelle für die Behauptung, ein Kfz enthielte 1 Unze Silber?

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