Skurrile Schatzsuche: Nach S&K-Skandal - Polizei gräbt nach Gold und Waffen

Skurrile Schatzsuche: Nach S&K-Skandal - Polizei gräbt nach Gold und Waffen

von Florian Zerfaß

Der S&K–Skandal ist um eine skurrile Anekdote reicher: Die Polizei rodet ein Gestrüpp und durchwühlt mit einem Minibagger den Boden – angeblich auf der Suche nach Gold oder Waffen. Fündig wurde sie allerdings nicht.

Es ist ja nicht so, dass es im Skandal um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K an Skurrilitäten mangeln würde. Ob nun der dekadente Lebensstil von Dobermann „Cash“, der aus einem kristallbesetzten Napf zu fressen pflegte, wilde Partys seines Herrchens mit leicht bekleideten Frauchen in überdimensionalen Sektgläsern, mit Zebras und Elefanten, oder die Bilder von Polizisten, die säckeweise Bargeld in kleinen Münzen aus einer Villa tragen: Absurdes im Überfluss.

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Nun machten weitere Bilder die Runde: Von einem Polizeihubschrauber, der Anfang der Woche über der Privatvilla von einem der beiden S&K-Chefs in Erlenbach am Main kreiste, mit an Bord ein Polizist, der wohl mit einer Spezialkamera das Gelände abfotografierte. Tags darauf Bilder von einem Trupp Beamten, der mit Motorsägen und einem Minibagger in das Wäldchen hinter der Villa marschierte, das Gestrüpp rodete und Löcher grub. „Dort Gold oder Waffen zu finden, wäre ja nichts Ungewöhnliches in diesem verrückten Verfahren“, zitierte das „Main-Echo“ aus Aschaffenburg einen namentlich nicht genannten, ranghohen Polizisten. „Hier gräbt die Polizei nach dem S&K-Schatz“, schlagzeilte „Bild“

Die buddelnden Beamten sind eine weitere Episode in der schrägen S&K-Story. Deren Hauptfiguren sind Jonas Köller (31) und Stephan Schäfer (33). Zwei junge Aufsteiger, die ein gewaltiges Schneeballsystem aufgezogen, tausende Anleger um einen dreistelligen Millionenbetrag gebracht und im großen Stil Geld für einen exzessiven Lebensstil zweckentfremdet haben sollen – so vermutet es die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue ermittelt. Die Anwälte von Schäfer und Köller waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erreichen. Insgesamt wird gegen 57 Beschuldigte ermittelt, acht davon sind in Untersuchungshaft, darunter auch Schäfer und Köller. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

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Wo die an Absurditäten nicht eben armen Fakten aufhören und wo die Fiktion beginnt, ist bei der jüngsten Grabungsaktion schwer abzugrenzen. Mehrere Zeugen hätten von merkwürdigen Erdarbeiten hinter der Villa und von vergrabenem Vermögen berichtet, bestätigt Doris Möller-Scheu, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Einen Goldschatz haben die Beamten bislang allerdings nicht aus dem Boden befördert. Nach zwei Tagen wurde die Aktion beendet, mit leeren Händen. „Wir haben nichts gefunden“, sagt Möller-Scheu.

So recht habe die Staatsanwaltschaft die Geschichte selbst nicht glauben wollen. „Das klang schon kurios“, sagt Möller-Scheu. „Würden Sie eine Baufirma mit Erdarbeiten beauftragen, wenn Sie einen Schatz verstecken wollen? Das passt doch nicht zusammen.“ Man habe den Hinweisen allerdings nachgehen müssen.

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Völlig unklar ist nach wie vor, wie hoch die Vermögenswerte sind, die die Staatsanwaltschaft sichern konnte. Der immer wieder genannte Betrag von 105 Millionen Euro ist es nicht. Dabei handelt es sich um die gerichtlich erwirkten dinglichen Arreste, also quasi um die Erlaubnis, in dieser Höhe beschlagnahmen zu dürfen.

Wie viel tatsächlich sichergestellt wurde, kann die Staatsanwaltschaft allerdings noch nicht sagen. Bei einer groß angelegten bundesweiten Razzia vor einem Monat waren es 2,5 Millionen Euro an Bargeld und Schmuck. Bei etlichen beschlagnahmten Luxuskarossen ist ebenfalls unklar, welche Summen für Anleger zur Verfügung stehen könnten: Einige sollen nur geleast sein. Zudem wurden laut Möller-Scheu über hundert Konten gepfändet und verschiedene Grundstücke gesichert. Allerdings gibt es dagegen auch Widersprüche. „Bis wir die sicher gestellten Vermögenswerte genauer beziffern können, wird es noch eine Weile dauern“, sagt Möller-Scheu.

Sicher ist dagegen, dass alle acht inhaftierten Manager weiterhin in Untersuchungshaft sind. Es habe erste Haftprüfungen gegeben, sagt Möller-Scheu, diese seien allerdings zurückgenommen oder abschlägig beschieden worden.

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