SNB Analyse: Die Schweiz kann nur noch hoffen

GastbeitragSNB Analyse: Die Schweiz kann nur noch hoffen

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Die Schweizerische Nationalbank sorgte jüngst für Trubel aufgrund ihrer Geldpolitik.

Die überraschende Aktion der Notenbank hat massive Auswirkung auf Kurse, Export und Inflation.

In einer völlig überraschenden Aktion hat die Schweizerische Nationalbank (SNB)  gestern die Wechselkursuntergrenze zum Euro (1,20 Franken pro Euro) aufgehoben. Gleichzeitig wurde der Leitzinskorridor um weitere 0,5 Prozentpunkte und damit noch tiefer in das negative Terrain abgesenkt (-0,25 Prozent bis 1,25 Prozent). Die Maßnahmen kamen vor allem deshalb unerwartet, weil Vertreter der SNB bis zuletzt das Festhalten an der Wechselkursuntergrenze beschworen hatten. Außerdem wurde immer wieder betont, der Franken sei weiterhin überbewertet.

In einer eilig zusammengerufenen Pressekonferenz rechtfertigte SNB-Präsident Jordan das Vorgehen vor allem mit dem Hinweis auf die international divergierenden Entwicklungen in der Geldpolitik. Dies habe zu wachsenden Spannungen an den Devisenmärkten geführt (vor allem Dollar/Euro). Mit anderen Worten, aufgrund des zunehmenden Abwertungsdrucks auf den Euro wurde es für die SNB immer schwieriger, die Wechselkursuntergrenze einzuhalten. Die SNB befürchtete überdies, dass mit der Umsetzung eines Staatsanleihekaufprogramms durch die EZB die Flucht in den Franken weiter an Tempo gewinnen würde.

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Foto von Daniel Hartmann

Daniel Hartmann, Senior Analyst beim Anleihemanager Bantleon

Gigantische Devisenreserven

Im Endeffekt hat somit die Angst vor unkontrollierbaren Devisenmarktinterventionen und die damit einhergehende weitere Aufblähung der Währungsreserven den Ausschlag gegeben. Diese sind bereits im Dezember (innerhalb der SNB-Bilanz) auf knapp 500 Milliarden Franken angestiegen, was mehr als 75 Prozent des schweizerischen BIPs entspricht. Die potentiellen Verlustrisiken aus dieser Position sind mithin enorm. In Anbetracht dessen stellte offenbar auch ein vor-sichtigeres Vorgehen keine Alternative dar. Möglich wäre zum Beispiel gewesen, die Untergrenze zunächst auf 1,10 Franken je Euro zu reduzieren oder lediglich den Negativzins weiter abzusenken.

Zur Person

  • Daniel Hartmann

    Daniel Hartmann ist seit 2008  Senior Analyst Economics bei der Bantleon Bank in Zug in der Schweiz. Nach einer Ausbildung bei der Deutschen Bank AG und an der Berufsakademie Stuttgart zum Diplom-Betriebswirt (BA) studierte und promovierte er an der Universität Hohenheim in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Volkswirtschaft. Bantleon ist eine Vermögensverwaltung mit Stammsitz in Hannover, die sich auf das Management von Anleihenportfolios spezialisiert hat.

Welche Auswirkungen der frei floatende Franken mittelfristig auf die schweizerische Wirtschaft und den Kapitalmarkt hat, hängt letztendlich davon ab, wo sich der Kurs in den nächsten Wochen einpendeln wird. Die SNB hofft, dass mithilfe des Negativzinses der Aufwertungsdruck auf den Franken abgefedert wird. Kurzfristig war davon jedoch nichts zu spüren. Unmittelbar nach dem SNB-Entscheid schoss der Franken gegenüber dem Euro kurzfristig über die Parität und gegenüber dem Dollar erreichte er 1,16 (ausgehend von 0,98). Zuletzt stabilisierte sich der Franken zum Euro bei 1,02. Sollte der Kurs auch in den nächsten Wochen deutlich unter 1,10 verharren, käme dies einer Aufwertung von über zehn Prozent gleich, was schwerwiegende Konsequenzen für die Konjunktur der Schweiz hätte.

Exportwirtschaft leidet

Erinnert sei an das Jahr 2010, als der Franken gegenüber den wichtigsten Währungen in kürzester Zeit um 20 Prozent an Wert gewann. Die Folge war eine Stagnation der Exporte in den darauffolgenden zwei Jahren, während im gleichen Zeitraum die Ausfuhr der Eurozone um 25 Prozent zulegte. Wie damals würde vor allem der Export der Maschinen- und Elektroindustrie unter die Räder kommen (30 Prozent aller Exporte). Ebenfalls massiv negative Wirkungen sind in der Tourismusbranche, dem Einzelhandel (Einkaufstourismus) und den Banken (Druck auf die Zinsmarge und Dämpfer im Provisionsgeschäft) zu befürchten. Insgesamt müsste sich die Schweiz von Wachstumsraten um zwei Prozent  (wie in den vergangenen Jahren) erst einmal verabschieden.

Inflationsanstieg verspätet sich

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Darüber hinaus wird sich auch die Trendwende bei der Inflation (nach oben) weiter nach hinten verschieben. Bei einer dauerhaften Aufwertung von 15 Prozent rechnen wir mit einem Negativimpuls auf die Teuerungsrate von mindestens einem Prozent (derzeit 0,3 Prozent). Bereits jetzt zeigt der Trend bei den Importpreisen klar nach unten.

Hoffen kann die Schweiz darauf, dass der von uns prognostizierte Konjunkturaufschwung in der Eurozone im ersten Halbjahr 2015 eintritt. Dies würde zum einen den Druck vom Franken nehmen und zum anderen den Export stützen.

Mit Blick auf die Renditen von Schweizerischen Staatsanleihen, den sogenannten Eidgenossen, haben die jüngsten Maßnahmen zu einer Niveauverschiebung nach unten geführt. Selbst 10-jährige Laufzeiten rentieren nur noch minimal über null (plus 0,08 Prozent). Kurzfristig dürfte der Abwärtsdruck erhalten bleiben. Mittelfristig sollte aber auch hier die weltwirtschaftliche Belebung für eine Stabilisierung sorgen.

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