So wird 2018: Schafft der Mensch sich ab, Herr Opaschowski?

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InterviewSo wird 2018: Schafft der Mensch sich ab, Herr Opaschowski?

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Wie wird 2018?

von Mark Fehr

Zukunftsforscher Horst Opaschowski wagt für uns den Blick in eine Zukunft, die unheimlich faszinierend werden könnte – oder einfach nur unheimlich. Wir haben es in der Hand. Noch.

Ausgerechnet das einst politisch leicht berechenbare Deutschland ist plötzlich nicht einmal mehr in der Lage, eine Regierung zu bilden. Welche Folgen hat das für uns und Europa?
Horst Opaschowski: Die Stabilitätsoase Deutschland ist ausgetrocknet. Über allem steht die Sorge um die soziale Sicherheit des Landes und um die eigene Zukunft. Aber nicht allein wegen der deutschen Schwäche hat Europa seine Identität verloren. Zwischen London und Paris, Berlin und Budapest liegen Welten – politische, soziale und kulturelle. Die Durchsetzung von Eigeninteressen der Parteien in Deutschland und die nationalen Egoismen in Europa werden zur Zerreißprobe für den Zusammenhalt. Die deutsche Leitkultur und die europäische Wertegemeinschaft haben ihre Durchsetzungskraft verloren.

Zur Person

  • Horst Opaschowski

    Opaschowski prägte die Disziplinen der Zukunfts- und Freizeitforschung. Der 72-jährige Wissenschaftler ist immer früh dran mit seinen Prognosen, liegt aber oft richtig. Er nahm 1980 die Vision des Internetzeitalters vorweg oder schrieb 2004 über den Zusammenbruch der Finanzmärkte und des Euro.

  • Seine Prognosen der vergangenen Jahre


Nationale Egoismen werden häufig als Populismus bezeichnet. Werden wir uns an den Populismus als politische Kraft gewöhnen müssen?
Es ist ein Teufelskreis. Einerseits wirft man der Politik vor, vorbei am Lebensgefühl der Bevölkerung zu reden und zu handeln. Andererseits wird jede emotionale Strategie, die auf aktuelle Stimmungen und Strömungen setzt, als populistisch und opportunistisch gebrandmarkt.

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Übrigens auch in den Medien gehören populistische Reizthemen, die beim Zuschauer Ängste auslösen, zum Alltag. An die Skandalisierung von Politik, Medien und Gesellschaft auf der Weltbühne werden wir uns tatsächlich gewöhnen müssen. Einschaltquoten und Wählerstimmen werden durch Stimmungen gemacht und im Zeitalter der Digitalisierung in Gedankenschnelle weltweit verbreitet. Auch das erklärt, warum sich Skepsis und Zukunftszweifel in der Bevölkerung ausbreiten und Zukunftshoffnungen zu verdrängen drohen.

Digitalisierung "Der Kunde der Zukunft bezahlt mit kostbarer Lebenszeit"

Dass Automaten, Roboter und Onlineangebote besseren Service bieten, ist nur die halbe Wahrheit. Manche Verbraucher sind mit der Umerziehung zur Selbstbedienung schlicht überfordert, sagt der Soziologe Günter Voß.

Der arbeitende Kunde: Wenn Unternehmen den Service den Bots überlassen. Quelle: Getty Images


Welche Führungspersönlichkeiten können uns aus dem Stimmungstief heben? Sind eher Visionäre oder Pragmatiker gefragt? Wer aus den politisch gemäßigten Klimazonen kann rücksichtslosen Akteuren wie Trump, Putin, Erdogan oder Kim Paroli bieten?
Die Visionäre gehen, die Macher kommen. So sieht es aktuell in der politischen Landschaft aus. Dabei dominiert die Rücksichtslosigkeit über die Rücksichtnahme, die Lüge über die Ehrlichkeit, das Misstrauen über die Verantwortung. Und politische Führer gleichen Autokraten. Machtzwecke heiligen fast jeden Führungsstil. Ihre Frage nach den idealen Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit scheint deshalb deplatziert.

Die Frage war kein Ruf nach einem Messias. Anders ausgedrückt: Werden in der Zukunft eher ausgeklügelte Systeme oder eher charismatische Persönlichkeiten die entscheidende Rolle spielen?
Die Intelligenz kalter Systeme und abgeklärte Politprofis üben keine Faszination auf Menschen aus, sie langweilen eher. Daher wächst auch die Sehnsucht der Deutschen nach charismatischen Persönlichkeiten mit der Aura eines Kennedy, Obama, Macron oder Trudeau. Leider vermisse ich entsprechende Hoffnungsträger in Deutschland, die Lust auf Zukunft machen. Mit bühnenreifen Balkonszenen wie während der Sondierungsgespräche in Berlin ist kein Staat zu machen, solange Politiker Inszenierungen mit Innovationen oder gar Visionen verwechseln.

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