Sparen, Anlegen, Finanzieren: Was steigende Zinsen bedeuten

Sparen, Anlegen, Finanzieren: Was steigende Zinsen bedeuten

von Niklas Hoyer

Über Jahre sind die Zinsen gesunken. Nun wird über eine Zinswende spekuliert. Was steigende Zinsen für Tagesgeld, Baukredite, Anleihen und Lebensversicherungen bedeuten, wie Sparer und Schuldner sich am besten verhalten.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, hat vergangene Woche angedeutet, dass die Fed die Märkte mit weniger Geld fluten könnte. Konkret werde sie bei weiterhin positiver Konjunktur zum Jahresende für weniger als die bisherigen 85 Milliarden Dollar pro Monat Anleihen aufkaufen. Schon diese verhaltene Ankündigung reichte, um Anleger weltweit über eine Zinswende spekulieren zu lassen. Ihr Kalkül: Schließen die Zentralbanken ihre Geldschleusen, sinkt die Nachfrage nach Anleihen, deren Zinsen müssen steigen, damit sich andere Käufer zum Kauf entschließen.

Fragen und Antworten zum EZB-Zinsentscheid

  • Warum macht die EZB das Geld im Euroraum noch billiger?

    Weil der Leitzins auf seinem bisherigen Rekordtief von 0,75 Prozent nicht genügend Durchschlagskraft hatte: Der Euroraum steckt weiterhin tief in der Rezession. Zwar ist umstritten, ob der niedrigere Zins die Konjunktur spürbar antreiben kann. Aber die Notenbank signalisiere mit dem Schritt, dass sie „den Ernst der Lage erkannt habe“, sagte Michael Krautzberger, Leiter des Teams für europäische Anleihen bei Blackrock. Aus Sicht von Helaba-Ökonom Ulf Krauss sind die Vorteile einer Zinssenkung eher psychologischer Natur: „Vielleicht reicht ja ein kleiner Flügelschlag der Geldpolitik aus, um der zuletzt gedrückten Stimmung bei den Unternehmen den entscheidenden Anschub zu geben, wird sich der eine oder andere Notenbanker denken“, schrieb Krauss vor der EZB-Sitzung.

  • Wem nutzen niedrige Zinsen?

    Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Unternehmen können dann im Prinzip mehr investieren und Verbraucher mehr kaufen, was nicht sofort aus eigener Tasche bezahlbar ist. Beides kann die Konjunktur ankurbeln. Solche Wachstumsimpulse sind aktuell vor allem in den Krisenstaaten im Süden Europas gefragt: Griechenland, Italien, Portugal, Spanien - sie alle ächzen unter harten Reformen, rigiden Sparauflagen und hoher Arbeitslosigkeit. Aber auch in Deutschland profitieren zumindest einige vom billigen Zentralbankgeld: Darlehen für Hausbauer und Wohnungskäufer sind derzeit extrem günstig.

  • Stimmt es, dass Deutschland eigentlich höhere Zinsen bräuchte?

    In der Tendenz ja. Die Wirtschaft in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als im Euroraum. Auch der Arbeitsmarkt steht gut da, das macht hohe Tarifabschlüsse wahrscheinlicher. Daher kann billiges Geld hierzulande schneller die Inflation anheizen als in Spanien, Zypern oder Griechenland. Doch im Moment ist das nicht in Sicht. Kommt es zum Preisauftrieb, könnten höhere Zinsen dagegen helfen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte kürzlich auf das Dilemma der EZB aufmerksam gemacht: Die Zinsen für Deutschland seien eigentlich schon zu niedrig, während die EZB für andere Länder eigentlich noch mehr tun müsse. Allerdings ist die Lage hierzulande ebenfalls noch gedämpft - im Schlussquartal 2012 schrumpfte die deutsche Wirtschaft und auch 2013 läuft bisher nicht wirklich rund.

  • Was ist schlecht daran, wenn das Geld billig ist?

    Billiges Geld kann zu Inflation, also Geldentwertung, führen. Je mehr das Geld entwertet wird, umso weniger Waren und Dienstleistungen können Verbraucher kaufen. Die Kaufkraft sinkt also, ebenso der Wert der Ersparnisse. Auf der anderen Seite zehrt Inflation aber auch Schulden auf. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von „unter, aber nahe bei“ 2,0 Prozent als stabiles Preisniveau an. Im April sank die Inflation im Euroraum auf 1,2 Prozent - trotz der seit Monaten weit geöffneten Geldschleusen der EZB.

  • Werden jetzt Kredite für Verbraucher billiger?

    Tendenziell ja. Verbraucherschützer haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Banken eine Erhöhung der Leitzinsen bei Krediten schneller an ihre Kunden weitergeben als eine Senkung.

  • Entwertet die Geldschwemme meine Ersparnisse?

    Im Prinzip ja. Zwar ist die Inflation derzeit auf dem Rückzug, dennoch liegen die Sparzinsen meist noch deutlich darunter. Heißt: Wer Geld auf Sparbuch, Tagesgeldkonto oder in Bundesanleihen anlegt, macht nach Abzug der Inflation zumeist ein Verlustgeschäft. In einer gemeinsamen Erklärung vor der EZB-Sitzung hatten die Verbände von Volksbanken, Sparkassen und Versicherungswirtschaft in Deutschland davor gewarnt, die Zinsen noch weiter zu senken: „Jeder Zinsschritt nach unten lässt die Sparguthaben schmelzen. Sinkende Zinsen bedeuten einen sinkenden Anreiz für das Sparen und Vorsorgen. Dabei müssen die Menschen heute mehr als bisher vorsorgen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern.“

Ob die Zinswende wirklich eingeläutet ist, ist aber keinesfalls sicher. Längst hat die Fed klargestellt, dass sie an einer extrem lockeren Geldpolitik auf jeden Fall festhalten wird. Die europäische Zentralbank EZB will ihren Leitzins weiter niedrig halten und ihn eventuell sogar von seinem Rekordtief von 0,5 Prozent noch einmal senken. Europäische Geschäftsbanken können sich daher bei der Zentralbank sehr günstig Geld beschaffen und es zum Beispiel in Form von Krediten vergeben.

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Doch vorerst haben die Anleger an den weltweiten Finanzmärkten Fakten geschaffen: So ist etwa die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der Bundesrepublik seit Anfang Mai von 1,2 auf 1,8 Prozent pro Jahr gestiegen. "Nach über 30 Jahren fallender Zinsen verdichten sich die Anzeichen, dass sich der Zinsmarkt gedreht hat", sagt Tobias Spies, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Dr. Kohlhase aus München.

Ein guter Zeitpunkt also sich auf steigende Zinsen vorzubereiten: Wie wirken sie auf Tages- und Festgeld, Anleihen, Kredite und Versicherungen? Was müssen Sparer und Schuldner beachten, um auf steigende Zinsen gut vorbereitet zu sein?

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