ThemaAnlagestrategie

alles zum Thema
_

Sparer in Not: Der Preis der Angst

von Jörg Hackhausen Quelle: Handelsblatt Online

Die Deutschen fürchten um ihr Geld – erst recht nach der Zinssenkung der EZB. Doch wer in vermeintlich sichere Anlagen flüchtet, tut oft genau das Falsche. Warum die Sparer Angst haben und welche Fehler sie machen.

Nicht gerade sicher: Geld im Sparstrumpf. Quelle: dpa
Nicht gerade sicher: Geld im Sparstrumpf. Quelle: dpa

Es hat lange gedauert, bis die Krise Europas bei den Deutschen angekommen ist. In der Tagesschau liefen Bilder von Straßenschlachten in Athen oder Demonstrationen in Madrid. Aber das war weit weg. Zuhause in Deutschland lief doch alles super. Die Unternehmen schufen neue Jobs, die Zahl der Arbeitslosen sank auf ein Rekordtief. Und der deutsche Ottonormalverbraucher fing sogar an – ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheit – mehr Geld für den Konsum auszugeben. Wen interessierte da schon, was im südlichen Teil des Kontinents oder etwa an den internationalen Finanzmärkten vor sich ging.

Anzeige

Doch Deutschland ist keine Insel der Glückseligen. Das wird jetzt mehr und mehr Menschen in Deutschland schlagartig klar. Es geht von einem Extrem ins andere. „Es ist ein großes Problem von Privatanlegern, dass sie sich von der Psychologie - und damit unausweichlich vom Herdentrieb und vom irrationalen Verhalten - anstecken lassen“, sagt der Ökonom und Buchautor Max Otte.

Was vorher erfolgreich verdrängt worden war, schlägt in Angst um; die Angst um das eigene Vermögen. Ist mein Erspartes noch sicher? Wie rette ich mein Geld, wenn der Euro auseinanderbricht? Das sind die Fragen, um die aktuell kein Bankberater herumkommt. Auch wir beim Handelsblatt bekommen reihenweise solche Anfragen. Die Antwort lautet: Bewahren Sie Ruhe, handeln Sie überlegt. Weder Verdrängen noch Panik hilft in der aktuellen Lage weiter. „Ich warne davor, überstürzt zu handeln. Angst ist kein guter Ratgeber“, sagt Martin Weber von der Uni Mannheim. Der Professor erforscht das Verhalten von Anlegern.

Fangfrage 1: "Darf ich meinen Nachbarn mitbringen?"

Verbraucherschützer raten dazu, einen Zeugen mit zum Gespräch zu nehmen. Eine unabhängige Person kann hinterher bezeugen, was besprochen wurde. Wenn das dem Berater nicht passt oder er versucht, dies zu verhindern, sollten Kunden misstrauisch werden.

Bild: dpa

Fest steht: Deutschland kann sich nicht vom Rest Europas abkoppeln – ob wir wollen oder nicht. Deutsche Exportunternehmen machen die Hälfte ihres Umsatzes in Europa. Und über die gemeinsame Währung sitzen wir im selben Boot mit Spanien, Italien oder Frankreich. Spätestens seit dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche gibt es keinen Zweifel mehr, dass der deutsche Steuerzahler bei der Euro-Rettung in die Pflicht genommen wird. In der nächtlichen Sitzung in Brüssel konnte Kanzlerin Merkel zwar die Einführung von gemeinsamen Anleihen aller Euro-Staaten vorerst verhindern. 

Doch die gemeinsame Haftung kommt durch die Hintertür. Die europäischen Banken sollen sich demnächst direkt beim Rettungsfonds bedienen. Sie haben in Form von Anleihen einen großen Teil der Staatsschulden aufgekauft, sind also eng mit den Schuldenstaaten verbandelt. Die Banken müssen die Staaten finanzieren, der Staat muss die Banken stützen. Am Ende zahlt der Steuerzahler, dessen Geld in den Rettungsfonds fließt. Allein für die Rettungsschirme EFSF und ESM haftet Deutschland im äußersten Fall mit 310 Milliarden Euro.

„Der deutsche Staat wird immer tiefer in die südeuropäische Krise hineingezogen“, warnte Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, im Handelsblatt. Die finanzielle Stabilität Deutschlands sei  gefährdet.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.07.2012, 11:49 Uhrallesverloren

    Ich war Anfang der 80er Jahre des öfteren in Polen und habe die Menschen dort bedauert in ihrem ökonomischen Winterschlaf.

    Heute beneide ich die Polen um ihre währungspolitische Eigenständigkeit. Ein Land ohne eigene Währung, wie Deutschland, hat seine finanzielle, ökonomische und politische Souveränität verloren.

    Die gesamte deutsche Politik seit 5 Jahren handelt nur noch darum, wie man den regionalen Wohlstand sichern kann, auch wenn die Euro-Zone sich disziplinlos verhält.

    Jede Wahl in Euro-Zonen-Land wird für Deutschland zur Zitterpartie, da abgeschlossene Verträge neu verhandelt werden wollen, bzw. gar nicht mehr beachtet werden.

    Tja, so ist das mit der Souveränität. Auf die heutigen Probleme mit "mehr Europa" zu antworten ist nur noch verrückt. Wie schon gesagt, ich beneide die Polen um ihre Eigenständigkeit

  • 06.07.2012, 13:15 UhrSuper-Angie

    Man kann nur seine Ersparnisse ins nicht EU-Ausland bringen.

    Wer das noch nicht getan hat muß mit Kapitalverkehrskontrollen rechnen sobald der Pöbel erwachen wird. Dann kommts zum Bankenrun in D-Land.

    Dannach bricht die EU-Zone auseinander.

    Das ist bald zu erwarten.

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Die erstaunliche US-Stärke rettet die Hausse
Die erstaunliche US-Stärke rettet die Hausse

Die robuste Verfassung des amerikanischen Aktienmarkts hilft europäischen Aktien wieder aus dem Tief – zunächst...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.