Stelter strategisch: Der doppelte Krieg gegen Cash

kolumneStelter strategisch: Der doppelte Krieg gegen Cash

Kolumne von Daniel Stelter

Notenbanken und Politik haben sich gegen die Sparer verschworen. Niedrigzinsen, Inflation und Einschränkungen der Bargeldnutzung zielen darauf ab, Forderungen zu entwerten und die Ausgaben zu steigern. Vor allem sollen wir (noch) weiter in die Märkte getrieben werden. Vermutlich, damit die Profis aussteigen können.

Was sind wir Deutschen doch für schlechte Investoren! Statt unsere mühsam erarbeiteten Ersparnisse in Aktien und Immobilien zu stecken, bevorzugen wir Sparbuch, Festgelder und Kontokorrent. 2016 sollen immerhin 3.300 Milliarden Euro auf den Bankkonten gegammelt haben. Die Deutschen entsparen sich selbst, lautet die Feststellung der Experten, verbunden mit der dringenden Empfehlung das Geld in Gold, Immobilien und Aktien zu stecken.

Das störrische Festhalten am Geld ist eine deutsche Besonderheit. In den USA beispielsweise liegt die Liquiditätsquote der privaten Investoren nach Daten der American Association of Individual Investors (AAII) nahe der Tiefstwerte der vergangenen 30 Jahre. Im Klartext: Es ist nur noch wenig Liquidität vorhanden, um mehr in die Märkte zu gehen. Was auch bedeutet, dass es nur noch wenig weitere Nachfrage geben wird.

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Vermögenswerte teuer

Den Notenbanken ist es zwar nicht gelungen, die Realwirtschaft zu sanieren, die Belebung der Finanzmärkte war jedoch ein voller Erfolg. Am stärksten gestiegen sind Vermögenswerte mit relativ sicher vorhersagbaren Cash-Flows wie Anleihen, Aktien und Immobilien. Je länger der Zeithorizont, über den die Erträge zu erwarten sind, desto größer die Kursgewinne. Dies liegt an der Wirkung der tieferen Zinsen bei der Bewertung von künftigen Einnahmen. Je tiefer der Zins, desto größer der Gegenwartswert der Erträge, die erst in weiter Zukunft anfallen.

Stelter strategisch Inflation? - Kein Selbstmord aus Angst vor dem Tod!

Wenn alle das gleiche erwarten, kommt es meist anders. Wenn die Deutschen plötzlich aktiv Geld anlegen, ist das der verlässlichste Indikator für eine Zeitenwende. Panik ist ein schlechter Ratgeber für Anleger.

Quelle: dpa

Die tiefen Zinsen haben dazu geführt, dass praktische alle Assets zur Perfektion bepreist sind. Ohne nachhaltige Steigerung der Erträge lassen sich die Preise nur bei anhaltend tiefen Zinsen rechtfertigen. Deutliche Sprünge bei den Erträgen sind unwahrscheinlich. Wenig spricht für einen baldigen Boom, ebenso wenig für eine unmittelbare deutliche und nachhaltige Rückkehr der Inflation. Umgekehrt könnten die Zinsen ausgehend von den USA noch weiter steigen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis alle Vermögenswerte unter Druck kommen.

Liquidität ist der beste Hedge

Der einfachste Weg, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, ist das Halten von Liquidität. Mutigere mögen gar auf fallende Kurse wetten, wobei ich daran erinnere, dass diese Spekulationen im Durchschnitt nicht erfolgreich sind. Geld auf dem Konto ist die günstigste Art, nicht von fallenden Vermögenspreisen getroffen zu werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Prozent pro Jahr in Form des Kaufkraftverlustes durch Inflation. Verglichen mit möglichen Kursrückgängen am Aktienmarkt von 20 Prozent und mehr ist das nichts, selbst wenn man einige Zeit darauf warten muss.

Börsen-Roundtable Das sind die Anlage-Empfehlungen der Star-Investoren

Neun Starinvestoren diskutieren über Trumps Agenda, steigende Renditen und hohe Börsenbewertungen. Doch wie sollte man jetzt sein Geld anlegen? Was Abby Cohen, Jeff Gundlach, Meryl Witmer oder Felix Zulauf empfehlen.

Roundtable der Starinvestoren: Jeff Gundlach, Scott Black, Felix Zulauf, Mario Gabelli, Meryl Witmer, Brian Rogers, Oscar Schafer, Abby J. Cohen und Bill Priest (v. links) Quelle: Brad Trent

Auch für die Vermögensanlage gilt: Im Einkauf liegt der Gewinn. Nichts entscheidet so sehr über den nachhaltigen Ertrag als die Bewertung zum Kaufpunkt. Wer auf heutigem Niveau in den US-Aktienmarkt investiert, dürfte auf Sicht der nächsten zehn Jahre nicht einmal zwei Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften. Wer glaubt, durch die geschickte Auswahl von Aktien diesem Trend zu entgehen, sei daran erinnert, dass diese in fallenden Märkten zwar vielleicht weniger fallen. Fallen tun sie aber dennoch. Lohnt es sich wirklich angesichts dieser Aussichten, Aktien statt Liquidität zu halten?

Immobilien sind keinen Deut besser. Auf derzeitigem Preisniveau dürfte es schwer werden, weit mehr als drei Prozent pro Jahr zu erwirtschaften und dies ohne Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und der absehbaren weiteren politischen Eingriffe in den Markt.

Wer auf heutigem Bewertungsniveau in die Märkte einsteigt, hilft eher den Profis aus eben diesen Märkten auszusteigen.

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